Kino International (Bild: rbb)
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- Die Geschichte des Kino International

Filme sind aktuell für uns ein Fenster zur Welt. Gleichzeitig wird gerade keine einziger Film gedreht. Christian Bräuer, Chef der Yorck Kinos, trifft uns im Kino International.

Ein großes Kino ist ein Ort für Großes Kino – aber Kenner wissen um kleine Details.

Christine Weigand war bis 1999 Theaterleiterin beim einstigen DDR-Premierenkino.

Ein bisschen was hat sich seitdem verändert: die kreisrunde Sitzbank nennen die Mitarbeiter heute treffend "den Donut" – Christine Weigand weiß mehr.

Christine Weigand, ehemalige Kinoleiterin
"Die Inventarnummer ist golden, weil das ein teures Teil war."

Eine echte Zeitzeugin bringt natürlich was mit. 22 Jahre hat sie hier gearbeitet, im "Inter" wie sie sagt. Unter Christine Weigands Schätzchen: Kinokarten von einst. Eintritt: 2,50 Mark Ost.

 

Christine Weigand, ehemalige Kinoleiterin
"Stimmt ja nicht, 2,55 Mark. Es waren immer noch fünf Pfennig Kulturbeitrag auf jede Karte, das hat sich dann sehr schön gerechnet."

Manfred Krug – einmal vor der Wende – dann kam er lange nicht. Nach dem Mauerfall erlebt "Spur der Steine", einst verboten, hier seine späte Wiederaufführung.

Christine Weigand, ehemalige Kinoleiterin
"Ja, wir wussten nicht, kommt er, kommt er nicht. Wir standen dann alle hier und haben gewartet und dann kam er, mit seiner Frau."

Die Treppe hoch – ein einziges Mal war Erich Honecker hier – aber der Teppich war so speckig. 

Und da wurde dann gesagt: nee, also, das geht nicht – da kriegt ihr nen neuen Teppich. Tja… Gut…

Die Lüster – 20000 Ost-Mark das Stück, feines böhmisches Kristall. Und die Straße draußen davor ist irgendwie auch ein Erinnerungsstück. 1987, Dirty Dancing. Sechs Mal täglich ausverkauft.

Bis vorne zur Straße gerade Linie, bis dahinten zur U-Bahn.

Wir haben noch jemand dazu gebeten – Ritchie Barton, Keyboarder. Der ist hier mit „Silly“ samt Tamara Danz aufgetreten. Aber es gibt so viele Geschichten zu erzählen. Der 9. November 89 – ein Premierenabend mit überraschendem Ende.

-          Keiner hat hier was mitgekriegt.

-          Und dann kam aber jemand der gesagt hat, übrigens, wisst er, was da drüben los ist?

-          Naja, Dagmar Manzel sagte, irgendwas ist hier, ich komm von der Friedrichstraße, da stehen tausende von Menschen, die wollen alle rüber.

Der Rest ist Weltgeschichte - weniger bekannt ist, dass der Saal früher auch für Konzerte genutzt wurde.

Ritchie Barton, Keyboarder "Silly"
"Es gab ja sowieso relativ viele Auftrittsmöglichkeiten zu Ostzeiten, aber da war schon herausragend. Sicherlich auch die Sitzvariante, bei Rockkonzerten eher untypisch."

-          Das war die Protokollreihe und die sieben war raus.

-          Und da haben VIPs, Ost-VIPs gesessen. Um nicht zu sagen Bonzen.

-          Aber die kleine Garde.

-          Da war die Umkleidekabine, die Künstlergarderobe.

-          Ach, na… Das ist aus dem Repräsentationsraum.

Der "Repräsentationsraum"-  ein verborgenes Kabinett im International. Zu DDR-Zeiten gab es hier für Hierarchen ein Gläschen Sekt vor Premieren.

-          Sind die nicht herrlich, die Lampen? Die sind noch Original. Dit war watt janz schicket!

Heute wird der Raum als „Honecker-Lounge“ bezeichnet.  Aber das ist Legendenbildung. Ein bunkerartiger Raum ohne Fenster – naja.

-          Honecker war nie in dem Raum, der war einmal nur in dem Kino. Der wusste wahrscheinlich gar nicht, dass er im International war. Kein Mensch wollte hierhin.

-          Allein der Gang hier hinter, der ist so...

Warum das International vielen als das schönste Kino der Stadt gilt – das versteht man an anderen Ecken doch deutlich besser.

Autor: Steffen Prell

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