Connie Walther Regisseurin (Bild: rbb)
rbb
Bild: rbb

- Regisseurin Connie Walther

Acht Jahre hat Regisseurin Connie Walther an ihrem Film "Die Rüden" gearbeitet. Nun wurde die Premiere verschoben. Jammern will sie aber nicht.

Corona hat sie mitten aus Dreharbeiten rauskatapultiert. Jetzt, vier Wochen später wäre Connie Walther, die preisgekrönte Regisseurin, gerade auf Kinotour durch Deutschland, mit ihrem jüngsten Film. Stattdessen: Gassigehen mit ihrem Hund Murphy. Um Hunde, hochaggressive Hunde, geht es auch in ihrem Spielfilm – als Therapie für aggressive männliche Häftlinge.

Ein krasser Therapieansatz – aber ist Haft die bessere Therapie gegen aggressive Straftäter? Darum geht es im Film. Seltsam, findet Connie Walther, dass das Eingesperrtsein, wenn auch virusbedingt, gerade so ein Thema ist.

Connie Walther, Regisseurin
"Gestern gab es ein Radiointerview, wo es darum ging, über welche Lockerung man sich denn freut. Ich hörte da eine Knasttherapeutin mit ihren Klienten reden. Das ist schon irritierend, dass jetzt die ganze Welt auf eine Art eingesperrt ist. Das versucht der Film zu erzählen."

Acht Jahre hat Connie Walther an diesem Film gearbeitet. Jetzt muss sie loslassen. Irgendwann wird es auch mal eine Premiere geben. Erst mal raus, aufs Land. 

Frei werden, auch vom Druck, den sie, wie alle in der Filmbranche, gerade spürt. Mit einer Freundin, einer Kamerafrau, will sie sich hier eine kleine Zuflucht schaffen. Das Gestrüpp muss weg. Ein Projekt gegen die Angst, das Sich-Verschließen in diesen Zeiten.

Connie Walther, Regisseurin
"Die Angst ist durchaus ein wertvoller Motor, aber wenn das das nicht balanciert ist und die Menschen nur in die Angst gehen, dann kriegen wir unser Leben nicht mehr zurück, weil dann ist dein Gegenüber plötzlich das Wesen was dir die Krankheit bringt, was dir das Virus bringt, dann wirst du misstrauisch, und wenn du ins Mißtrauen gehst, gehst du in die Distanz."

Stattdessen setzt Connie Walther auf Vertrauen und Zuversicht. Lange schon, sonst könnte sie als freie Filmemacherin nicht leben, meint sie. Die Unsicherheit, nicht zu wissen, wann das nächste Projekt, das nächste Geld kommt, kennt sie – Corona allerdings verschärft die Situation in der Branche.

Connie Walther, Regisseurin
"Diese prekäre Situation war für uns definitiv vorher schon da, das ist aber auch eine Entscheidung, die du triffst, wenn du sagst: Geld interessiert mich nicht, nicht primär. Das geht auch nicht zusammen mit guter Kunst. Richtig gute Kunst muss unabhängig sein."

Unabhängigkeit, Freiheit: ja! Aber natürlich nur die selbst gewählte. Die aktuelle Zwangslage will sie gewiss nicht romantisiere, auch nicht das Landprojekt. Von Hand jäten, Erde umgraben ist einfach harte Arbeit – warum also nicht den Bauer von nebenan um Hilfe bitten, mit seinen schweren Maschinen.

Connie Walther, Regisseurin
"Das wäre total toll, noch uneben, das schaffen wir alles nicht von Hand."

Benachbarter Bauer
"Det leuchtet mir alles ein. So einfach geht das aber alles nicht."

Connie Walther, Regisseurin
"Nee, das stimmt."

Benachbarter Bauer
"Da muss mal Kultur reingebracht werden."

Connie Walther, Regisseurin
"Dafür sind wir da. Wir sind die Kulturtanten."

Die "Kulturtanten" auf Landflucht - ein Traum, ein schönes Projekt!

Aber nebenbei denken sie immer auch ans Filmemachen. Connie Walther wurde mitten aus einem Dreh in Marokko herausgerissen. Jetzt hofft sie natürlich, dass es bald weitergeht.

Connie Walther, Regisseurin
"Kreativität ist auch eine Krankheit. Das ist wie eine Besessenheit. Die musst du ausleben. Klar, wenn dann der Broterwerb in irgendwas anderem bestehen müsste – dann wäre das so."

Sie hat hier einen Baum gepflanzt – und die Hoffnung bleibt, dass aus der Krise auch etwas Neues wächst. Dass es am Ende vielleicht sogar besser wird, auch in der harten Filmbranche.

Autorin: Petra Dorrmann

weitere Themen der Sendung

Kino International (Bild: rbb)
rbb

Die Geschichte des Kino International

Filme sind aktuell für uns ein Fenster zur Welt. Gleichzeitig wird gerade keine einziger Film gedreht. Christian Bräuer, Chef der Yorck Kinos, trifft uns im Kino International.

Viele Veranstaltungsplakate werden mit Hinweisen "Abgesagt" überklebt auf Grund der Corona-Situation. (Bild: rbb)
rbb

Ein halbes Jahr Grundeinkommen

Modedesignerin Tonia Merz hat eine Petition für ein sechs-monatiges Grundeinkommen aufgesetzt, denn viele kommen gerade auch mit Soforthilfen nicht über die Runden. 

Die Opernsängerin Julia Shelkovskaia singt im Rahmen einer Performance per Videochat. (Bild: rbb)
rbb

Opernsängerin per Mail

Der Künstler Lee Mingwei macht es möglich. Weil seine Ausstellung im Gropiusbau derzeit geschlossen ist, beschenkt er sein Publikum digital mit einem Lied einer Opernsängerin. 

Im Keller der Akademie der Künste haben sich in den 1950ern Meisterschüler verewigt. (Bild: rbb)
rbb

Wandmalerei der DDR

In den Kellern der Akademie der Künste schlummert ein DDR-Schatz: Fünf Akademie-Meisterschüler der 50er Jahre haben heimlich ihre Kunst auf die Wände gemalt.

Schauspielerin Susanne Bormann gibt Tipps, wie man sich zu Hause die Zeit vertreiben kann. (Bild: rbb)
rbb

Was tun zu Hause?

Schauspieler und Schauspielerinnen geben uns Tipps, wie es in den eigenen vier Wänden nicht langweilig wird.