An der Schaubühne prangt der Schriftzug "Die Vernunft ist tot!*" (Bild: rbb)
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- Freie Theater im Überlebensmodus

Von großen Bühnen, wie dem Berliner Ensemble bis hin zum Jugendtheater Grips: Ohne Publikum droht ihnen der Kahlschlag. Was machen die Theater um zu überleben?

Leere Ränge – eigentlich der Alptraum eines jeden Theatermachers. In diesen Zeiten gibt es aber Programm auf allen Bühnen der Stadt, auch im Grips. Gespielt wird nur online und gratis.

Dabei sind sie eine Privatbühne – bekommen zwar Subventionen, aber das reicht nicht.

Philip Harpain, Leiter Grips-Theater
"Letztendlich sind wir auf die Einnahmen angewiesen, die wir auch durch unsere Gäste machen. Das ist grundsätzlich ein Problem von Kinder- und Jugendtheater, dass man mit Kindern und Jugendlichen gar nicht so viele Einnahmen machen kann, weswegen wir immer die große Auslastung und die vielen Zuschauer*innen brauchen."

Im Moment machen sie keinen Verlust dank der Kurzarbeit. Regisseur Robert Neumann probt online.

Die Premiere des Stücks im Mai fällt aus. Sie wurde verschoben. Also drehen sie ein Prequel, um trotzdem nicht ganz von der Bildfläche zu verschwinden.

Philip Harpain, künstlerischer Leiter
"Es hält sich gerade noch sehr in Grenzen, was wir an Miesen einfahren. Unsere Schwierigkeit ist vielmehr: Wie fahren wir wieder hoch? Wie wird die Zeit danach? Können die Schulen wiederkommen? Wie viele Leute dürfen hier in den Saal wieder rein?"

Die Schaubühne hat das gleiche Problem. Ohne Zuschauer brechen 30 Prozent der Einnahmen weg. Wie das Grips ist die Schaubühne eine Privat-Bühne.

Thomas Ostermeier, Leiter Schaubühne
"Ein Staatstheater kann nur dann, Bankrott gehen, wenn ein Staat bankrott geht. Den normalen Rezensenten, Feuilletonisten oder Zuschauer kann man gar nicht den Unterschied erklären zwischen der Schaubühne, dem Deutschen Theater und der Volksbühne, aber es gibt eben einen entscheidenden Unterschied, dass wir unser Budget zu einem Drittel selber erwirtschaften. Das heißt, wenn Einnahmen wegfallen, weil wir nicht spielen können und weil wir nicht auf Tournee gehen können, fallen ein Drittel der Einnahmen weg."

Die Privaten Bühnen der Stadt haben sich nun zusammengetan und einen offenen Brief an den Senat geschrieben. Sie fürchten langfristig um ihre Existenz, wenn sie denn dann wieder vor Zuschauern spielen können.

Thomas Ostermeier, Leiter Schaubühne
"Dann wird es richtig dramatisch, weil dann das Kurzarbeitergeld wegfällt. Das heißt, wir müssen alles wieder selber finanzieren. Wenn dann die Auflage besteht, dass wir nur jede zweite Reihe, jeden zweiten Platz besetzen dürfen, dann spielen wir in unseren Theatern vor 50 Leuten. Wenn man einen Saal von 500 Plätzen darauf reduziert, dann haben wir die Einnahmen nicht mehr."  

Im Internet gibt es die großen "Hits" der Schaubühne – neues findet nicht mehr statt. Der Senat hat entschieden – die Bühnen bleiben bis Juli dicht und die Schauspieler zu Hause.

Klaus Lederer, Kultursenator
"Wir sind seit vier Wochen mit diesem kulturpolitischen Ausnahmezustand konfrontiert. Und wir rotieren, agieren und arbeiten rund um die Uhr gerade mit dem durchaus verschlankten Team und versuchen passgenaue Lösungen für die verschiedenen Kulturbereiche zu finden. Aber ich kann Ihnen heute noch nicht alles sagen, was im Oktober, November oder im Dezember sein wird. Natürlich werden wir weiter mit den Einrichtungen reden und natürlich kämpfe ich darum, dass jede einzelne Einrichtung diese Krise überlebt."

In der Zwischenzeit arbeiten die Theater trotz drohender Krise an Konzepten für die Wiedereröffnung. und alle sind sich einig: der Bund muss genau wie bei den Konzernen endlich auch bei der Kultur helfen.

Wie traurig, wenn wir im Herbst nur noch in den Baumarkt könnten, weil die Bühnen der Stadt pleite sind.

Autorin: Nathalie Daiber

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