Direktor von "Paper Positions" Kristian Jarmuschek (rechts) (Bild: rbb)
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- Wie die Kunstszene Corona trotzt

Das "Gallery Weekend" und die Kunstmesse "Paper Positions" fallen aus. Der Direktor Kristian Jarmuschek zeigt, wie die Kunstszene der Coronakrise zu trotzt.

Kristian Jarmuschek führt uns in den alten Telegrafensaal der Telekom in Berlin-Mitte. Kunstwerke aus Papier sollten hier jetzt eigentlich hängen. Wie letztes Jahr auf der Messe "Paper Positions". Kristian Jarmuschek hat sie organisiert, über 60 Galerien wollten mitmachen. Alles abgesagt.

Kristian Jarmuschek, Galerist
"Es ist wahnsinnig ärgerlich, dass wir nicht gerade mitten im Aufbau sind, dass die ganzen Galerien ihre Kunst nicht auspacken und diese besondere Stimmung, dieses Vibrierende nicht entsteht. Es ist einfach ein guter Raum. Der hat eine tolle Proportion und tolles Licht. Das tut den Arbeiten wahnsinnig gut. Ich finde es sehr, sehr traurig, dass wir gerade nicht hier sind."

Kristian Jarmuschek ist selbst Galerist. Seit einigen Tagen darf er wieder Besucherinnen und Besucher in seine Galerie in der Potsdamer Straße lassen.

Kristian Jarmuschek, Galerist
"Bevor man in die Galerie hereinkommt, steht hier im Eingangsbereich Hände-Desinfektionsmittel. Das steht hier, sodass es jeder sehen kann. Wir werden auch noch ein Schild außen anbringen, was für Gepflogenheiten hier üblich sind. Im Büro selbst geht es weiter. Da gibt es auch nochmal Desinfektionsmittel.

Wir haben schon in der Einladung zu dieser Ausstellung geschrieben, dass wir es bevorzugen, dass sich die Leute anmelden, sodass wir ein bestimmtes Zeitfenster haben, wo wir das kontrollieren können."

Vier Menschen gleichzeitig dürfen rein und sich die Ausstellung von Petra Lottje ansehen. Ein-Strich-Zeichnungen auf Papier.

Die Arbeiten von Petra Lottje hätten eigentlich auf der "Paper Positions" gezeigt werden sollen. Jetzt hängen sie hier. Ohne Vernissage, ohne Künstlergespräch, ohne lebendige Debatte. Das Internet ist auch keine Lösung.

Kristian Jarmuschek, Galerist
"Es wird viel darüber gesprochen, ob es nicht digitale Formate gibt. Das wird immer wieder ausprobiert, aber im Endeffekt sieht das immer aus wie Computerspiele, in denen Kunstwerke drin hängen. Wir sind Menschen, wir haben mehr als einen Sinn. Wir sehen nicht nur, wir hören auch. Wir nehmen uns auch selbst in einem Raum wahr. Das ist das, was die Künstler mit einer Ausstellung provozieren wollen."

Auch die Galerie Migrant Bird Space in Mitte wäre bei der Paper Positions dabei gewesen.

Die Galerie von Eva Morawietz hat eine Dependance in China. Auch inhaltlich ist sie auf den Austausch mit China ausgerichtet. Die Krise hat die Galerie doppelt getroffen.

Eva Morawietz, Galeristin
"Wir hatten ausgerechnet in Wuhan ein öffentliches Kunstprojekt, was natürlich komplett zum Stillstand gekommen ist, als die Krise losging. Zum Glück läuft die Konjunktur in China wieder an und auch unser Projekt in Wuhan hat wieder an Fahrt aufgenommen. Leider heißt das noch lange nicht, dass die Menschen wieder komplett zu ihrem normalen Kunst- und Kultur-Konsum zurückfinden."

Kristian Jarmuschek, Galerist
"Ich hoffe sehr, dass das langsam wieder anläuft und das Vertrauen in die Maßnahmen greift und dass die Leute nicht mehr so eine Angst haben, sich in einer Galerie vor Bildern mit anderen Leuten wiederzufinden."

Kristian Jarmuschek und sein Kollege hoffen, dass sie die "Paper Positions" im September nachholen können. Von den Galerist*innen haben sie Videonachrichten bekommen. Die wollen sie im Herbst auf einer großen Leinwand zeigen: Nachrichten aus unserer krisengeschüttelten Gegenwart, die bis dahin hoffentlich Vergangenheit ist.

Autorin: Julia Riedhammer

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