Johann König in seiner Galerie König in Berlin (Bild: rbb)
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- Johann König - Der blinde Galerist

Johann König betreibt trotz verlorenem Augenlicht erfolgreiche Galerien in London, Tokio und Berlin. Er hat die brutalistische Kirche St. Agnes zu einem Kunstort umgebaut.

Ohne Smartphone geht bei Johann König derzeit gar nichts. Kunsthandel in Corona Zeiten. Seit fünf Jahren leitet er mit seiner Frau Lena die Galerie mit 40 Mitarbeitern. Home & Office sind eins - das war schon vor Corona so.

Johann König gilt als Popstar unter den Galeristen. Dabei wollte er als Kind mit Kunst nichts zu tun haben.

Johann König, Galerist
"Kunst hat mich eigentlich genervt oder ich war im Wettbewerb mit der Kunst um die Aufmerksamkeit meiner Eltern. Kinder interessiert Kunst nicht so sehr. Erst als Teenager hatte ich den Wunsch."

Johann wächst auf zwischen Andy Warhol und On Kawara. König – ein großer Name in der Deutschen Kunstlandschaft. Seine Mutter ist Illustratorin, Vater Kasper König ist Rektor der Staedelschule in Frankfurt und leitet das Museum Ludwig in Köln. Onkel Walther ist Kunstbuchverleger. Johanns unbeschwerte Kindheit endet jedoch mit einem Knall.

Johann König, Galerist
"Ich habe mit elf mit Startschusspistolen-Kugeln gespielt und die sind mir in der Hand explodiert. Dabei habe ich mir die Augen stark verletzt. Dann hatte ich einige Hornhaut-Transplantationen und seitdem kann ich mit einem Auge 20-30 Prozent sehen."

Mehr als 30 Operationen muss Johann König über sich ergehen lassen. Er geht auf die Marburger Blindenstudienanstalt und macht sein Abitur. Dass er heute ein erfolgreicher Galerist ist, verdankt er seinem Freund Jeppe Hein. Die Werke des dänischen Künstlers spielen in der König Galerie eine besondere Rolle.

Johann König, Galerist
"Der Jeppe war Student an der Staedelschule, wo mein Vater Rektor war. Der wurde ein Freund und ich habe ihm erzählt das ich diese Galerie plane, aber das war ein Hirngespinst. Er hat mich aber darin bestärkt und gesagt: 'Mach das. Ich werd' dein erster Künstler!' Dann ist es so gekommen."

Johann König ist Anfang 20 als er nach Berlin kommt. Eine Installation von Jeppe Hein - eine Kugel, die wie eine Abrissbirne arbeitet - wird zu seinem Durchbruch als Galerist.

Johann König, Galerist
"Ich habe die Galerie-Gründung von meinem Vater fern gehalten, weil ich Angst hatte, dass er so besorgt ist, dass er versucht mir das auszureden."

Johann König hat gelernt, kreativ mit Krisen umzugehen. Seit Corona hat er ein eigenes Talk Fenster entwickelt, das die Arbeit seiner Künstler für alle zugänglich macht. Natürlich mit dabei: ein virtueller Atelierbesuch bei Jeppe Hein.

Johann Königs Leben ist eine Ermutigung für alle, sich nicht als Opfer seiner Lebensumstände einzurichten. Seine Biografie "Blinder Galerist" erzählt davon.

Johann König, Galerist
"Der Titel ist auch ein bisschen auf 'Blinder Passagier' bezogen, weil ich immer das Gefühl hatte: Ich kann das eigentlich gar nicht."

Jetzt hofft Johann König, dass es bald wieder los geht und er sich wieder rund um die Welt mit seinen Künstlern und Kunden treffen kann. Bis dahin bleibt ihm eben nur das Smartphone.

Autorin: Charlotte Pollex

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