Malerin Jorinde Voigt bei der Arbeit (Bild: rbb)
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- Jorinde Voigts Werke online

Malerin Jorinde Voigt beschäftigt sich mit der Wahrnehmung des Menschen in seiner Umwelt. Ihre neuen Arbeiten "The Real Extent" präsentiert sie in der Galerie König und online.

Lange hat Jorinde Voigt von einem Atelier hier in Oberschöneweide geträumt - nah am Wasser. Dann hat die renommierte Künstlerin diese alte AEG-Industriehalle gefunden.

Jorinde Voigt, Malerin
"Hier sind wir im Eingangsbereich von dem Studio. Ich arbeite hier seit zwei Jahren, direkt an der Spree, wie man dort sieht. Wenn man hier ist, hat man tatsächlich ständig dieses Glitzern vom Wasser und vom Himmel in den Augenwinkeln. Irgendwie beeinflusst es die Arbeit auch sehr stark."

"Immersion": Eintauchen, so nennt Jorinde Voigt ihre Werkreihe, das Papier hat sie in Tinte getaucht. Wasser, Wellen, Silhouetten sind zu erahnen – sie weiß selbst nie genau, was kommen wird.

Fünf, sechs Stunden arbeitet sie so, versunken – auch im Rhythmus der Musik, die sie beim Arbeiten immer hört.

Drei Ausstellungen hat sie gerade weltweit, doch in Wien und New York durften wegen der Pandemie bis jetzt keine Besucher rein.

Scharfe Kanten und pudrige Nebel finden sich in ihren Bildern.

In diesen Tagen arbeitet sie ganz allein – mit Maske, weil der Pastellstaub giftig ist - ihre sechs Festangestellten kann sie nicht mehr bezahlen.

Jorinde Voigt, Malerin
"Was mir große Angst gemacht hat, ist, dass ich meine Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber nicht aufrechterhalten konnte, weil ich überhaupt keine Verkäufe mehr hatte. Ich bezahle die Gehälter nur aus Verkäufen von Kunst."

Wie sie aus der Krise herausgehen wird? Ungewiss. Einstweilen arbeitet sie einfach weiter – und räumt auf. Entsorgt oder verschenkt Dinge.

Jorinde Voigt, Malerin
"Ich hatte einen ganzen Schrank voll mit Spezialmasken und Anzügen – genau die, die Leute jetzt brauchen. Die habe ich an Ärzte verschenkt, die ich kenne."

Ein Rundgang durch ihr Studio: Im Kunstlager lagert nur ein Bruchteil ihrer Werke aus 20 Schaffensjahren.  

Und an den Wänden: überall ihre Kunst! Allerdings ist der Ausblick eine starke Konkurrenz.

Jorinde Voigt, Malerin
"Da sieht man am Schönsten, wo man ist."

Der Blick von oben helfe, die Dinge zu begreifen, meint Jorinde Voigt. Wie so oft geht es auch in diesen Arbeiten ums Fliegen; ganz aus Vogelfedern sind sie gemacht.

Jorinde Voigt, Malerin

"Das war eigentlich eine Arbeit über Trauer, obwohl ich die nicht so richtig zuordnen konnte, das war was wo ich gemerkt habe, das gibt es schon immer in mir. Die wurde aber sehr stark in der Zeit."

Entstanden ist eine riesige Werkreihe, beschriftet mit Notizen. Es ist eine endlos meditative Suche geworden, nach der Form für die Trauer, die Jorinde Voigt damals umklammert hielt. Mit ihrer Kunst hat sie sie schließlich überwunden.

Kunst speist sich immer direkt aus dem eigenen Leben, sagt Jorinde Voigt. So hat sie sich ihr Universum aufgebaut, rastlos arbeitend, nach immer neuen Bildern suchend. Dazu studiert sie Philosophen, wissenschaftliche Theorien und Musik. All das fließt ein in ihre Bilder.

Jorinde Voigt, Malerin
"Alles was man tut, ist ein Selbstporträt – wie man lebt, wie man läuft, wie man isst – alles!"

Die letzten Wochen haben auch sie verändert: Jorinde Voigt hat die Bücher weggelegt und arbeitet stattdessen im Garten.

Jorinde Voigt, Malerin
"Das Wichtigste für mich war dann auch, zu entscheiden, keine Angst zu haben. Sondern dass man halt erst recht sagt, ich versuche jeden Tag einen guten Tag zu machen."

Sie will die Veränderungen jetzt spüren. Und eintauchen in die Ungewissheit! So, wie sie es bei ihren Bildern macht.

Autorin: Petra Dorrmann

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