Ausstellung "Von Casablanca nach Karlshorst" im deutsch-russischen Museum in Karlshorst (Bild: rbb)
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- Von Casablanca bis Karlshorst

Die neue Ausstellung im deutsch-russischen Museum nimmt die letzten beiden Kriegsjahre in den Fokus. Im Januar 1943 hatte sich die Anti-Hitlerkoalition in Casablanca verpflichtet bis zum Sieg gegen die Nazis zu kämpfen.  

Die Kuratorin Julia Franke führt uns durch die Ausstellung, die vorerst geschlossen bleiben muss: Der Gang ist zu schmal. Keine Chance, hier die Abstandsregeln einzuhalten. Die Schau erzählt von den diplomatischen Stationen der Alliierten bis zur bedingungslosen Kapitulation der Deutschen: "Von Casablanca nach Karlshorst." Der Auftakt 1943: Die Casablanca-Konferenz. Wer bei "Casablanca" zuerst an den legendären Hollywoodfilm denkt, liegt gar nicht so falsch.

Julia Franke, Kuratorin
"Roosevelt hat sich, das ist überliefert, im Vorfeld der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 diesen Film angesehen und das ist insofern interessant, als dass der Film eben auch zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs spielt und es geht vor allem darum, dass europäische Migranten versuchen, Visa für die Vereinigten Staaten zu bekommen."

In "Ricks Place" wurde verhandelt – das war der Codename für das Konferenzhotel – benannt nach der Bar im Film. Hier verkünden Roosevelt und Churchill im Januar 1943, fortan gemeinsam in Europa gegen die Deutschen zu kämpfen.

Julia Franke, Kuratorin
"Generell waren die persönlichen Treffen vertrauensbildende Maßnahmen unter diesen doch sehr unterschiedlichen politischen Systemen."

Vor allem den Kommunisten Stalin konnten die Westalliierten nur schwer einschätzen. Aber Ende 1943 kam man sich näher: in Teheran, auf der ersten großen Konferenz der drei Haupt-Alliierten.

Julia Franke, Kuratorin
"Während der Konferenz in Teheran feierte Churchill seinen 69. Geburtstag mit einem kleinen Umtrunk. Und so sagt Stalin beispielsweise: `Ich trinke auf die konservative Partei´ und Churchill erwidert: `Ich trinke auf die proletarischen Massen.´ Da wird natürlich schon ganz klar, dass beide vor dem Hintergrund ihrer Staaten agieren, und das aber schon mit einem gewissen ironischen Twist auch tun."

In Teheran beschließen Stalin, Roosevelt und Churchill dann die Landung der Alliierten in der Normandie. Neben der Diplomatie der Alliierten zeigt die Schau wie zur gleichen Zeit die Nazis und die Wehrmacht weiter brutal töteten:

Julia Franke, Kuratorin
"In der Endphase des Krieges, beziehungsweise in den letzten zwei Jahren des Krieges eskalierte die NS-Gewalt noch einmal unglaublich mit mehreren hunderttausend Toten und das ist immer noch relativ unbekannt."

Heute werden sie "Endphase-Verbrechen" genannt. Die Wehrmacht vertreibt und ermordet beim Rückzug von der Ostfront hunderttausende Menschen. Die Endphase verschärfte auch die Situation der Häftlinge in Arbeits- und Konzentrationslagern. Kein Zeuge sollte überleben.

Ein Beispiel: Das Massaker in Gardelegen in Sachsen-Anhalt. 1.016 KZ-Häftlinge wurden in diese Scheune eingesperrt und verbrannt. Im April 1945. Ein Foto, das man in der Ausstellung fast übersieht. Es gibt noch mehr, erschütternde Bilder von diesen Toten, aufgenommen von US-Soldaten. Dennoch zeigt Julia Franke sie nicht in der Ausstellung. 

Julia Franke, Kuratorin
"Wir sind grundsätzlich bei der Bildauswahl so vorgegangen, dass wir versucht haben, die getöteten Menschen nicht noch mal in unserer Ausstellung in diesem entwürdigenden Zustand zu zeigen."

Mit nüchternem Blick wird hier das Gewaltregime der Nazis in den letzten Kriegstagen präsentiert. Deutsche, die die weiße Fahne hissen, riskieren die sofortige Erschießung.

Julia Franke, Kuratorin
"Diese Endphasengewalt am Ende des Zweiten Weltkriegs zeichnet aus, dass sie buchstäblich bis zur letzten Minute anhielt. Erst durch die Kapitulationsunterzeichnung hier in Berlin-Karlshorst am 8. Mai 1945 konnte diese Gewalt gestoppt werden."

Der 8. Mai ist also der Tag, der die Naziherrschaft beendete. Das zeigt die Ausstellung von Casablanca bis Karlshorst eindringlich.

Autorin: Petra Dorrmann

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