Das deutsch-russische Museum in Karslhorst (Bild: rbb)
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- Das deutsch-russische Museum

Das deutsch-russische Museum war bis 1945 Wehrmachtspionierschule, bis 1949 Sitz der sowjetischen Militäradministration und in den 60er Jahren eine Gedenkstätte - ein geschichtsträchtiger Ort.  

Stell dir vor es ist 75 Jahre Kriegsende und keiner darf hin. Das Jubiläum hatte sich Jörg Morré anders vorgestellt. Das Wetter ist bilderbuchmäßig doch statt 10.000 Besucher zu begrüßen heißt es Abstand halten.

Besucherin
"Wir wollten unseren Enkelkindern das dieses Jahr aus Anlass des 75. Jahrestages näher bringen. Die sind zehn und acht und haben sich auf ein kleines Volksfest gefreut."

Tobias Morré, Direktor 
"Jedes Jahr gern, nur in diesem Jahr ist Corona. Der Saal ist offen, da können sie durch. Wir
werden uns mit den üblichen Sicherheitsmaßnahmen rüsten, aber Feierlaune wird wahrscheinlich nicht aufkommen."

Immerhin ist der Saal offen - das Herzstück der Gedenkstätte, die auf eine bewegte Geschichte zurückblickt. Vor 1945 war es ein Wehrmachtsgebäude, am 8. Mai wird das Haus zum historischen Ort. Der deutsche Generalfeldmarschall Keitel unterschreibt hier die bedingungslose Kapitulation.

Jörg Morré, Direktor
"Dieses Parkett liegt seit 1938. Über das sind sie alle gegangen. Dieses Knarzen ist für mich wie das Erzählen der Geschichte."

Im jetzt sowjetischen Hauptquartier hat Marschall Schukow das Sagen.

Jörg Morré, Direktor
"Schukow fordert Keitel auf, dort aufzustehen und sich hier an diese Schmalseite zu setzen. Hier an dieser Schmalseite unterschreibt Keitel. Keitel erkennt natürlich in diesem Moment diese Demütigung. Dann knallen wirklich die Korken. Selbst Schukow schreibt in seinen Memoiren er habe ein Tänzchen gewagt. Das ist ein donnerndes Bankett, was bis 7 Uhr morgens in diesem Saal abgehalten wird."

Das Haus bleibt der Sitz der Sowjetischen Militärregierung:

Jörg Morré, Direktor
"Schukow ist in der sowjetisch-russischen Erinnerung der große Kriegsheld. Er ist in Deutschland der oberste Repräsentant der Militärregierung und hat hier in diesem Zimmer sein Büro. Ich habe das schon erlebt, dass Überlebende Frauen aus dem KZ Ravensbrück, sowjetische Frauen hier stehen und ihrem Befreier Schukow danken. Schukow als Chef der Roten Armee hat eben auch die Konzentrationslager befreit."

22 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs wird das Haus zur Gedenkstätte. Bis 1995 heißt es "Sowjetisches Kapitulationsmuseum".

Seit 2013 gibt es diese Dauerausstellung. Das Deutsch-Russische Museum will heute ein Ort sein, der zum Nachdenken anregt und an den Vernichtungskrieg der Deutschen erinnert.

Jörg Morré, Direktor
"In der Dauerausstellung stellen wir diesen Deutsch-Sowjetischen Krieg dar. In der Deutschen Perspektive ist es eben der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Es ging auf der deutschen Seite der Wehrmacht darum, diesen sowjetischen Staat zu zerstören, die Menschen dieses Staates letztendlich umzubringen und zu vertreiben, weil sie als nicht lebenswert galten. Das waren in der Terminologie der Nazis 'Slawische Untermenschen'.

60% aller sowjetischen Kriegsgefangenen werden umgebracht und lassen sie mich das ruhig so sagen: Sechs Millionen Juden sind durch den Holocaust zu Tode gebracht worden, über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene und daran wird heute viel zu wenig erinnert."

Eigentlich wird traditionell jedes Jahr am 8. Mai im Deutsch-Russischen Museum Karlshorst ein feierlicher Toast auf den Frieden ausgesprochen.

Jörg Morré, Direktor
"Dieser Toast auf den Frieden ist fester Bestandteil des Festes, das wir dann hoffentlich am 2. September mit allen, auch unseren osteuropäischen Partnern hier in Karlshorst feiern können."

75 Jahre Kriegsende – die Erinnerung bleibt trotz Corona lebendig.

Autorin: Charlotte Pollex

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