Fassadenkino (Bild: rbb)
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- Kino im eigenen Hinterhof

Wenn die Zuschauer nicht in die Kinos können, kommt das Kino eben zu den Zuschauern. Möglich macht es ein Projekt, dass Filme an Fassaden in Hinterhöfen projiziert.

Olaf Karkhoff ist Architekt. Und: Ein Filmliebhaber. Heute ist er mit seinem Team vor einem Mehrfamilienhaus in Mitte verabredet. Gleich werden sie den Innenhof in ein Kino verwandeln. Windowflicks nennen sie ihr Projekt, es geht um Kino, das man aus dem eigenen Fenster sehen kann.

Die Technik kommt in der Wohnung eines Pärchens unter. Wer teilnehmen möchte, kann sich online bewerben. Einzige Bedingung: Der Blick auf eine freie Hausfassade.

Olaf Karkhoff, Initiator
"Windowflicks spielt natürlich mit dem Streamingdienst und soll aber genau das Gegenteil bewirken. Die Menschen sollen sich nicht an ihre Bildschirme zurückziehen und Filme gucken, sondern sollen eben kreativ mit der Situation umgehen und sich nach draußen begeben, die Fenster öffnen und schauen, was in ihrer Nachbarschaft passiert und sich mit den Nachbarn verknüpfen."

An diesem Abend wird der Film "Cleo" gezeigt – abstandsgerecht. Regisseur Erik Schmitt ist mit einem Teil seines Filmteams dabei. Wegen Corona musste er die Arbeit an einem Kinoprojekt unterbrechen.  

Erik Schmitt, Regisseur
"Ich frage mich, was das für den Film als solches bedeutet. Das ist nicht so, dass wir morgen einfach wieder den Knopf anmachen und alles läuft wieder, nein es wurden ganz viele Filme unterbrochen, die müssen erst mal wieder aufgenommen werden. Das wird alles gleichzeitig irgendwie passieren und trotzdem weiß noch keiner, wie man eigentlich filmen soll. Wer versichert Filme? Das ist eine große Frage, die sich jetzt stellt. Insofern sind die nächsten Monate bis Jahre im Filmbereich extrem unklar."

Popcorn verteilt er selbst - als Gratis-Einladung für einen ungewöhnlichen Abend. Zur Einstimmung singt Darsteller Folke Renken noch ein Ständchen.

Dieses Projekt will auch die Berliner Programmkinos unterstützen. Die Zuschauer können spenden, sie werden dazu von Wim Wenders aufgerufen.  

Erik Schmitt, Regisseur
"Kino ist den Film zeigen, so wie er eigentlich gedacht ist, nämlich als gemeinschaftliches Erlebnis. Nicht unbedingt zu Hause auf dem Sofa während man das Handy noch anhat. Insofern ist es als Filmemacher wichtig, also für mich persönlich, dass wir den Kinos in irgendeiner Form helfen und versuchen zu helfen, durch diese schwierige Zeit zu kommen."

"Cleo" ist eine Hommage an Berlin und an die Liebe. Verspielt, aufmunternd, lebendig. Ein Film, der gerade jetzt daran erinnert, was unsere Stadt eigentlich ausmacht.

Erik Schmitt, Regisseur
"Was bedeutet dieser Satz zu dieser Zeit: 'Ohne Liebe wäre die Stadt eine  Wüste?' Uns wird klar, dass nicht die Steine, die hier aufeinandergestapelt sind, diese Stadt ausmachen, sondern wir und wie wir miteinander umgehen. Diese Liebe, die aus dieser Wüste etwas Besonderes macht, die müssen wir jetzt rauskramen, die müssen wir zeigen, die steckt in allen drin und die meisten Leute finden auch einen Weg, das im Moment irgendwie darzustellen. Trotzdem müssen wir die sichtbar machen und erlebbar machen."

Autorin: Lilli Klinger

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