Eine Gartendekoration im Garten des Ateliers Oranienwerk in Oranienburg dreht sich im Wind. (Bild: rbb)
rbb
Bild: rbb

- Das Oranienwerk

Das Oranienwerk ist ein 100 Jahre alter Backsteinbau, ein "Lost Place". Kreative, Künstler und Handwerker nutzen ihn heute als Ateliers und Werkstätten.

Von Corona-Stillstand ist im Oranienwerk nichts zu spüren. Wo sonst im Sommer Konzerte und Lesungen draußen stattfinden, wird jetzt gebaut.

Marco Bartsch, Leiter Oranienwerk
"Das wird eine Terrasse - um unsere schöne alte Linde rum."

Marco Bartsch leitet das Oranienwerk. Selbst mit anpacken, wenn hier etwas Neues entsteht, ist für ihn selbstverständlich.

Marco Bartsch, Leiter Oranienwerk
"Die Terrassenidee haben wir tatsächlich schon relativ lange, aber die Zeit hat immer gefehlt. Das ist wieder das Positive an Corona - Ideen, die man schon lange in der Schublade hat, mal rauszuholen und umzusetzen."

Ausprobieren, einfach mal machen - dafür ist im Oranienwerk Platz, genauso für Veranstaltungen. 50 Kreative arbeiten hier bei günstigen Mieten.

Marco Bartsch, Leiter Oranienwerk
"Jetzt sind wir an einem unserer vier Hofateliers im großen Hof. Die Hofateliers sind für Kunsthandwerker reserviert - unter anderem Veiko Minge, Keramiker und Formenbauer."

Marco Bartsch nennt ihn liebevoll den"Ur-Oranienwerker". Denn Veiko Minge war der erste Mieter, der eingezogen ist, als das Gelände vor sechs Jahren als Kreativstandort eröffnet hat.

Veiko Minge, Keramiker
"Ich arbeite gerade an der Rekonstruktion eines historischen Kamins."

Vor 150 Jahren stand der Kamin im Schloss Altenstein in Thüringen. Jetzt sind nur noch Fragmente übrig.

Veiko Minge, Keramiker
"Hinter mir an der Tür ist das einzige, was noch da ist - das ist die Werkszeichnung und ein paar restliche Stücke, die noch in Kisten hier sind. Und ich modelliere jede Kachel von Hand einzeln nach."

Akribisch und geduldig arbeiten die einen im Oranienwerk - spontan und mit viel Farbe andere.

Sveta Esser, Künstlerin
"Hey, hallo kommt rein!"

Sveta Esser und Alex Pauker sind ein Künstlerpaar mit russisch-israelischen Wurzeln. Vor drei Jahren haben sie ihr Atelier ins Oranienwerk verlegt. Die Gemeinschaft ist ihnen wichtig.

Sveta Esser, Künstlerin
"In Israel haben wir in einer Künstlersiedlung gelebt. Und für uns war es sehr interessant, wieder zu einem gemeinsamen künstlerischen Leben zu kommen. Und hier das passiert! Das ist nicht nur Atelier - das ist Zusammenhalt, Leute helfen sich gegenseitig."

Die beiden stehen bei einer Galerie in Florida unter Vertrag. Jeden Monat schicken sie Gemälde aus Oranienburg in die USA. Idyllische Landschaften verkaufen sich dort gut, sagt Sveta.

Sveta Esser, Künstlerin
"Ja normalerweise ist das die Toskana. Aber weißt Du was? Ich habe in Brandenburg genau die gleichen Landschaften gesehen. Ich glaube, Schönheit gibt es überall.

Nur ein paar Türen weiter arbeitet die Historikerin Christine Schoenmakers. Gerade beschäftigt sie die Geschichte des Oranienwerks - vor 100 Jahren gegründet als Fabrik für Schreibfedern. Zu DDR-Zeiten wurde daraus der VEB Kaltwalzwerk Oranienburg.

Christine Schoenmakers, Historikerin
"Es war der größte Arbeitgeber in der Stadt in den 80er Jahren. Wenn man auf die Straße geht und wildfremde Leute fragt, wo sie mal gearbeitet haben vor '89, dann kriegt man ganz oft die Antwort: Ja, im Kaltwalzwerk."

1993 wurde das Werk geschlossen, große Teile abgerissen. Dass in den verbliebenen Gebäuden jetzt Kreative arbeiten, tut Oranienburg gut, sagt Christine Schoenmakers.

Christine Schoenmakers, Historikerin
"Sehr viele, die hier früher mal gearbeitet haben, sind froh, dass diese Gebäude nicht verfallen, dass es ein öffentlicher Ort ist, dass jeder kommen kann und hier Kultur erleben kann."

Oder einfach mal ein Bierchen trinken. Dafür gibt’s im Oranienwerk die Kneipe Kellerkind. Betreiber Thomas Schenk und Steve Kirschke haben sich etwas einfallen lassen, um die Corona-Krise zu überbrücken.

Steve Kirschke, Wirt "Kellerkind"
"Wir bereiten unseren Livestream vor für das dritte Kellerkind-Kneipenquiz.
Thomas Schenk aus dem Off: Nee, das vierte ist es schon."

Für das Online-Quiz mussten die beiden in Technik investieren. Stammgäste und Freunde haben mit Spenden geholfen. Dafür gibt es jetzt jeden Freitagabend einen Livestream aus dem Oranienwerk:

Kellerkind-Kneipenquiz
Frage Nummer 1: Wie nennt man den berittenen Teil der Armee?

Gegenfrage: Wie nennt man einen Ort wie das Oranienwerk? Einen Glücksfall.

Autorin: Anne Kohlick

weitere Themen der Sendung

Historiker Jürgen Luh (links) und Kunsthistorikerin Carolin Alff (rechts) betrachten eine Statue im Schloss Oranienburg. (Bild: rbb)
rbb

Auf den Spuren von Friedrich Wilhelm

Das Schlossmuseum im Schloss Oranienburg gibt zum Jubiläumsjahr einen neuen Zugang zu Friedrich Wilhelm und seinem Verhältnis zu seiner ersten Frau Luise Henriette von Oranien. 

Ein Orangenbaum im Schlosspark Oranienburg trägt Früchte. (Bild: rbb)
rbb

Der Schlosspark Oranienburg

Westlich des Schlosses ließ Luise Henriette von Oranien einen Lustgarten anlegen. Hier wurden die ersten Kartoffeln in der Mark Brandenburg gepflanzt.

Sängerin Mieze Katz und Schlagzeuger Gunnar Spies von der Band Mia an einer Graffiti-Wand im Mauerpark, Berlin (Bild: rbb)
rbb

Mias neues Album "Limbo"

Mia lieferte den beschwingten Soundtrack zum verliebten Tanz in den Nuller und Zehner Jahren. Sängerin Mieze Katz erzählt in Berlin vom neuen Album "Limbo".