Historiker Jürgen Luh (links) und Kunsthistorikerin Carolin Alff (rechts) betrachten eine Statue im Schloss Oranienburg. (Bild: rbb)
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- Auf den Spuren von Friedrich Wilhelm

Das Schlossmuseum im Schloss Oranienburg gibt zum Jubiläumsjahr einen neuen Zugang zu Friedrich Wilhelm und seinem Verhältnis zu seiner ersten Frau Luise Henriette von Oranien. 

Ein schöner Rücken kann ja auch entzücken, aber über die Statue von Luise Henriette von Oranien vor dem Schloss Oranienburg kann man geteilter Meinung sein. Der Historiker Jürgen Luh und die Kunsthistorikerin Carolin Alff zum Beispiel fremdeln ein bisschen.

Jürgen Luh, Historiker
"Vielleicht hat man sie nicht so ganz gut getroffen."

Carolin Alff, Kunsthistorikerin
"Naja, sie ist an prominenter Stelle, von daher."

Jürgen Luh, Historiker
"Garten anlegen, Güter anlegen, sich um Waisenkinder kümmern, das ist schon etwas Landesmutterhaftes."

Carolin Alff, Kunsthistorikerin
"Und die Stadt hat ihr zu Ehren ja den Namen Oranienburg erst angenommen."

Früher war hier aber noch weniger Lametta.

Jürgen Luh, Historiker
"Nur der gesamte Mittelbau ist aus der Zeit von Louise Henriette."

Damals war es ein Landsitz, ein Geschenk des Herrn Gemahl Friedrich Wilhelm. Mitten im dreißigjährigen Krieg wird er Kurfürst. Ein Mann mit großen Ambitionen.

Jürgen Luh, Historiker
"Das ist natürlich der Kurfürst, sehr energisch blickend. Und eine kleine Nachricht, die uns da übermittelt wird. Plus outre – über die Dinge hinaus. Das sagt viel über den Charakter des Mannes aus, der möchte was erreichen in seiner Zeit, der möchte über das hinaus, was Brandenburg bislang war."

Friedrich Wilhelm war auf seiner Brautschau in Schweden abgeblitzt. Luise Henriette hätte lieber einen französischen Prinzen geheiratet. Aber das interessierte halt damals nicht. Friedrich Wilhelm aus Berlin heiratet Luise Henriette aus Den Haag.

Jürgen Luh, Historiker
"Wenn man sich die Ehe der beiden anschaut, dann ist das eher eine mittelglückliche Ehe gewesen. Er ist Calvinist oder reformiert, wie es in der Zeit heißt. Er musste sich jemand der eigenen Konfession suchen und jemand, der aus einem Bereich kommt, wo er Macht gewinnen konnte, Beistand gewinnen konnte. Und dann hat er auf die Niederlande geschaut und die Oranier."

Carolin Alff, Kunsthistorikerin
"Das Bild, das ich gewonnen habe von Friedrich Wilhelm ist, dass er sehr ambitioniert war, aber seine Ambitionen waren größer als die Realität. Das Bild, das wir heute von Friedrich Wilhelm haben, das ist manchmal etwas verklärt."

Dazu hat er auch selber Einiges beigesteuert. Äußerst kostbare Wandteppiche, von ihm selbst in Auftrag gegeben, feiern seine militärischen Erfolge. 1678 verdrängt Friedrich Wilhelm die Schweden von Rügen. D-Day in Vorpommern.   

Jürgen Luh, Historiker
"
Viel lustiger finde ich, dass offenbar die Soldaten oder die einfachen Leute die Offiziere, damit sie sich nicht die Füße nass machen, an Land tragen müssen."

Carolin Alff, Kunsthistorikerin
"
Eine deutliche Hierarchie."

Später musste er das gewonnene Land zum großen Teil wieder zurückgeben – aber dazu gibt es keinen Teppich. Ein Buch von Jürgen Luh und die von Carolin Alff mitgestaltete Ausstellung im Schloss klären auf über den Kurfürsten. In ruhigeren Stunden trug er eine Sammlung mit Gemälden vor allem niederländischer Meister zusammen.

Jürgen Luh, Historiker
"Aus den Quellen wissen wir ja, dass er selbst sich die gerne angeguckt hat und auch Leuten gezeigt hat und sehr stolz darauf war."

Oder Elfenbein-Möbel aus Brasilien – exotischer ging’s nun wirklich nicht.

Carolin Alff, Kunsthistorikerin
"Und hier auch wieder Ananas und Bananenblätter."

Und Luise Henriette? 40 Jahre alt ist sie geworden. Sechs Kinder bringt sie zur Welt - der erste Sohn ist Wilhelm Heinrich.

Jürgen Luh, Historiker
"Das Medaillon mit den Eltern."

Endlich der ersehnte Nachfolger – doch er stirbt mit anderthalb Jahren.

Carolin Alff, Kunsthistorikerin
"Und das war für das Paar ein sehr, sehr einschneidendes Erlebnis. Die Kurfürstin hat daraufhin einen Abort, also ein zweites Kind, mit dem sie schwanger war, verloren."

Jürgen Luh, Historiker
"Kein Nachfolger bedeutet, alles ist ungeregelt. Und das hat dazu beigetragen, dass die Ehe dann doch auch eher angespannt war als dass das jetzt gelöst oder glücklich gewesen wäre."

Nur eines von sechs Kindern überlebt seinen Vater und folgt ihm nach. Ein Psalm war Friedrich Wilhelms Lebensmaxime: "Herr, tu mir kund den Weg, den ich gehen soll". Auch ein großer Kurfürst weiß manchmal nicht, wohin mit sich.

Autor: Steffen Prell

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