Die besondere verwinkelte Architektur im Jüdischen Museum Berlin (Bild: rbb)
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- Die Bauten des Jüdischen Museum

Architekt Bülent Durmus managt die Bauvorhaben am Jüdischen Museums Berlin. Niemand kennt die Geheimnisse, Geschichten und Patzer besser als er.  

Jeden Winkel kennt Bülent Durmuş in diesem Gebäude. Und davon gibt es hier einige.

Der gelernte Architekt hat vor genau 20 Jahren hier angefangen, kurz bevor der Libeskind-Neubau eingeweiht wird. Bülent Durmus ist dafür verantwortlich, dass zur Eröffnung hier alles läuft. Bis zur letzten Sekunde wird geschraubt.

Bülent Durmuş, Organisationsdirektor
"Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Situation: Da musste ein Aufzug zum Funktionieren gebracht werden, und wir hatten einen Techniker, der war noch in den letzten Zügen. Dann kam Schäuble im Rollstuhl. Er musste diesen Aufzug benutzen.

Dann kam über Funk die Information: noch zehn Sekunden, noch fünf Sekunden. Und er schraubte, und alles war so wahnsinnig aufregend. In der letzten Sekunde auch zur Seite gesprungen. Herr Schäuble ging rein, die Tür ging zu und dann fuhren wir hoch."

Die gesamte Führungsriege der Republik ist gekommen, um dieses spektakuläre Gebäude zu eröffnen.

Eigentlich soll der Neubau nur eine Erweiterung des Berlin-Museums sein. Doch es wird gestritten. Bis feststeht: Hier wird ein Jüdisches Museum von internationalem Rang gebaut. Jetzt rechnet man mit doppelt so vielen Besuchern. Alles ist zu klein. In nur 18 Monaten muss Bülent Durmuş Garderoben und die Klima- und Sanitäranlagen umbauen. Es klappt. Das Museum wird ein Kunstwerk. Daniel Libeskind wird ein Star.

Bülent Durmuş, Organisationsdirektor
"Es ist sein Erstlingswerk. Auf eine Art ist es immer sein Baby geblieben. Deswegen haben wir so eine enge Beziehung. Es ist immer wichtig zu wissen: Wie gehen wir damit um? Wie funktioniert alles? Läuft alles gut? Wenn Dinge zu ergänzen und zu erweitern sind, sind wir immer im Gespräch. Das ist eine sehr enge Beziehung"

Das Jüdische Museum wächst. Bülent Durmuş hat sie alle miterlebt, die Entwicklungen und Erweiterungen. Er hat Ausschreibungen begleitet und sich für die Neu-Gestaltung des Quartiers engagiert.

Bülent Durmuş, Organisationsdirektor
"Wir sind jetzt auf dem Dach von dem Libeskind Neubau. Gegenüber ist der sogenannte Altbau, das ehemalige Kollegienhaus. Das ist der Eingang zum Museum.

Vor uns sehen wir den Moses-Mendelsohn-Platz mit der Akademie und der Halle. Das macht einen schon stolz zu sehen, wie sich der weiterentwickelt hat und komplettiert worden ist mit dem Kindermuseum gegenüber."

Bülent Durmuş führt uns zur Michael Blumenthal Akademie. Daniel Libeskind hat sie in das Gerippe der ehemaligen Blumengroßmarkthalle hineingesetzt. 2012 wurde sie eröffnet.

Bülent Durmuş, Organisationsdirektor
"Auf dieser Seite haben wir unseren Veranstaltungskubus und auf der anderen Seite haben wir unsere Bibliothek und Lese-Säle."

Vorbei am "Garten der Diaspora" geht es in den neuesten Teil: Das Kindermuseum "Anoha".

Bülent Durmuş, Organisationsdirektor
"Von dort kommt man rein und in dieses Foyer und hat schon einen ersten Blick auf die Hauptattraktion, nämlich das Schiff. Das Thema Arche Noah."

Spielerisch können Kinder hier lernen. Schiffe bauen, planschen, klettern. Es geht um Vielfalt, Toleranz und Respekt. Das ist Bülent Durmuş wichtig.

Bülent Durmuş, Organisationsdirektor
"Es hat eine große Wichtigkeit, dass gerade ich, der einen Migrationshintergrund hat, sich zu der Geschichte bekennt, beziehungsweise damit umgehen lernen muss. Das ist etwas, was mich selbstverständlich auch etwas angeht. Also ich kann mich nicht herausziehen und sagen: Das geht mich nichts an. Sondern ich muss sagen: Welche Schlüsse werden daraus gezogen? Was muss ich machen, dass so etwas nie wieder passiert?"

Bülent Durmuş wünscht sich, dass es ein offenes Haus wird. Sobald es Corona erlaubt, wird eröffnet - dieses Mal ist alles im Zeitplan.

Autorin: Julia Riedhammer

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