Hetty Berg ist die neue Direktorin des Jüdischen Museums Berlin. (Bild: rbb)
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- Hetty Bergs Konzept für das Jüdische Museum

Hetty Berg ist die neue Direktorin am Jüdischen Museum Berlin. Es steht eine Neukonzeption an. Am Jüdischen Museum in Amsterdam hat sie viel Erfahrung gesammelt.

An diesem Morgen geht Hetty Berg mal nicht gleich ins Jüdische Museum, sondern ins Tonstudio. Ihre Stimme wird für einen Spot über die neue Ausstellung gebraucht. Zum Aufwärmen soll sie spontan Fragen über Berlin beantworten. Wie findet sich die Niederländerin hier zurecht?

Hetty Berg, Direktorin Jüdisches Museum
"Für mich ist es noch ein bisschen zu groß, weil ich meinen Weg noch nicht finde, aber die Menschen sind freundlich und es ist so entspannt."

Seit Anfang April ist die neue Direktorin hier und offensichtlich hat sie bisher nur die schöne Seite der Stadt kennengelernt. Auch wenn gerade wegen Corona die Kultur in der Zwangspause ist - ein bisschen was hat sie dennoch erlebt.

Hetty Berg, Direktorin Jüdisches Museum
"In der Gegend, wo wir jetzt wohnen, gab es kleine Balkonkonzerte von Musikern, die jeden Samstag um 7 Uhr auf ihrem Balkon gesungen haben. Dann haben sich sehr viele Menschen drumherum versammelt, um das anzuhören. Man sieht also, dass man doch versucht, Sachen zu machen."

Weiter geht es ins Büro. Zum nächsten wichtigen Termin - Schaltkonferenz mit dem Freundeskreis des Jüdischen Museums. Insgesamt sind das 800 Menschen und die braucht sie auf ihrer Seite.

Hetty Berg, Direktorin Jüdisches Museum
"Es ist sehr wichtig, Freunde zu haben, die nah an dem Haus dran sind und die die Arbeit unterstützen. Dann hat man eine Gruppe, von der man sich getragen fühlt."

Charme und diplomatisches Geschick sind in ihrem Job gefragt. Immerhin war das Haus ein Jahr ganz ohne Führung.

In der Werkstatt arbeitet das Team an der neuen Dauerausstellung über das jüdische Leben in Deutschland. Hetty Bergs Vorgänger musste zurücktreten nach Kritik der jüdischen Gemeinde und aus Israel. Für sie aber kein Grund kontroverse Themen auszusparen.

Hetty Berg, Direktorin Jüdisches Museum
"Zugehörigkeit, Diversität, Identität und Migration - all diese Fragen sind jetzt auch im Zentrum der Gesellschaft. Darüber offen zu sprechen, einander mit Respekt entgegenzutreten und Diskussionen möglich zu machen, ist auch für dieses Haus eine Aufgabe ."

Ein Thema der Ausstellung wird die Frage sein: Was ist heilig? Für das Judentum natürlich die Thora. Hetty Berg ist selbst Jüdin.
Noch ein Thema: der wachsende Antisemitismus wie der Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Hetty Berg, Direktorin Jüdisches Museum
"Für mich ist das eine stärkere Motivation, dieses Museum zu leiten, weil eines der zentralen Themen das Zusammenleben in der deutschen Gesellschaft mit verschiedenen Gruppen ist und gegen Vorurteile und Stereotype zu kämpfen."

Im Museum erlebt sie immer wieder Überraschungen:

Hetty Berg, Direktorin Jüdisches Museum
"Jedes Mal, wenn ich durch das Haus laufe, begegne ich Menschen, die ich noch nicht kennengelernt habe und frage, wer bist Du?"


Freundlich und respektvoll – das ist ihr Stil.

Ein antikes Buch mit Moses Mendelsohn wird später hier in der Vitrine ausgestellt.
Hetty Bergs Plan für die Zukunft: die Herzen der Berliner für das Jüdische Museum erobern.

Hetty Berg, Direktorin Jüdisches Museum
"Wenn ich eine gesellschaftliche Rolle für das Museum sehe, dann sollen wir auch die Menschen erreichen, die diese Gesellschaft ausmachen und das sind die Deutschen und die Berliner."


Hetty Berg ist ein neues Gesicht in der Stadt und eine neue Stimme, bei der es sich lohnt, zu zu hören.

Autorin: Nathalie Daiber

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