Fotograf Leo Seidel entwickelt ein Polaroid-Foto mit einer speziellen Methode. (Bild: rbb)
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- Traumsequenzen in Polaroid

Leo Seidel entwickelt Polaroids mit einer besonderen Technik. Seine Motive sind die Berliner und Brandenburger Schlösser, die nun im Fotoband "Traumsequenzen" erscheinen.

Bleiben sie ruhig, wenn Ihnen in einem der Schlossgärten hierzulande mal ein dunkel gekleideter Mann im Gebüsch auffällt. Vermutlich ist es Leo Seidel – als leidenschaftlicher Fotograf geht er für ein gutes Bild natürlich auch ins Unterholz.

Die Neptungrotte im Park Sanssouci - Wichtiger als das Motiv ist heute das Arbeitsmaterial. Leo Seidel hat eine Kostbarkeit mitgebracht. Den Polaroid 665, schwarz-weiß – ganz was Feines.

Leo Seidel, Fotograf
"Dieses Material ist sehr rar, weil es seit 2005 nicht mehr hergestellt wird. Ebay, meistens USA, Restbestände noch oder Japan. Das ist wirklich wie bei Weinen, da gibt es gute Jahrgänge. Das darf man eigentlich gar nicht sagen, vor der Kamera. Die letzte Charge ist ganz gut, aber die 2004er und 2005er auch."

Jede Packung mit zehn Bildern ist für Leo Seidel ein Krimi. Hochspannung Teil eins: Öffnet sich die Kassette?

Leo Seidel, Fotograf
"Erster Schritt erfolgt. Ich glaube, dass es ein bewussteres Fotografieren ist, das liegt zum einen natürlich an der Kamera. Zum Zweiten, weil das Material so selten geworden ist, dass völlig klar ist: jeder Schuss sollte wohlüberlegt sein."

Jetzt kommt der Hauptspannungspunkt: ob es zieht und ob es abrollt... Ja!

Heute so gut wie ausgestorben: warten auf ein Bild. Leo Seidel löst das Positiv vom Negativ – darum geht es hier.

Leo Seidel, Fotograf
"Bei der Aufnahme ist es sehr gut geworden, wie sich die Chemie von alleine verteilt hat. Diese Umrahmung, die man hier sieht in den Bäumen oder hier dieses Ausgefranste."

Als blicke man in einen alten Spiegel mit Schlieren, Schleiern, blinden Stellen. Preußens Glanz in geheimnisvoller Stimmung. Dank alter Polaroid-Chemie.

In Seidels Fotoband "Traumsequenzen" finden sich die Bilder von Schlössern und Gärten – aber auch Aufnahmen, die er in seinem Atelier in Berlin-Weißensee macht. Hier wartet ein Sammelsurium aus Flohmarktfunden, Erbstücken und edlem Krempel.

Leo Seidel, Fotograf
"Zum Beispiel hier: ein Utensil von meinem Großvater, was er noch aus früheren Zeiten in einem Schuppen hatte, was ich ihm irgendwann abgeluchst habe. Hier sind Masken, die Schreibmaschine taucht auch auf
."

Stillleben haben Leo Seidel schon als Kind bei Museumsbesuchen angesprochen. Seine eigenen sind ziemlich düster, morbide. Warum, das so ist, bleibt an diesem Tag sein Geheimnis – nur so viel vielleicht.

Leo Seidel, Fotograf
"Eine Komponente bei der Stilllebenfotografie ist, bewusst werden der eigenen Vergänglichkeit. Je älter ich werde, umso stärker wird die Leidenschaft noch dafür."

Ein Stillleben im Stil niederländischer Meister hat er aufgebaut. So vergänglich wie Leo Seidels Pfingstrosen-Arrangement ist auch die Polaroid-Fotografie selber.

Leo Seidel, Fotograf
"Wenn sich abzeichnet, es wird gerade weniger, dann hab ick nachgekauft – dass so ein gewisser Vorrat da ist. Aber irgendwann wird auch das vorbei sein."

Solange der Vorrat reicht. Diesmal soll es ein Farbbild werden. Dann kommt der Clou: Langzeitbelichtung. Zaubern mit der Taschenlampe.

Leo Seidel, Fotograf
"
Aus dem Dunkeln ein Bild erschaffen. Je nachdem, ob man seitlich steht, ein bisschen weiter von vorne steht, kriegt es ja auch eine ganz andere Tiefe. Abrakadabra. Kommt wirklich schön mit dem Rost dahinten, schöne Farben. Eigentlich ist es das schon."

Sollte Ihnen also abends in Weißensee mal etwas verdächtig vorkommen: bleiben sie ruhig. Wahrscheinlich ist es nur Leo Seidel.

Autor: Steffen Prell

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