Zeitzeuge Georg Weise berichtet von seinen Erfahrungen als Kind im zweiten Weltkrieg. (Bild: rbb)
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- Neuköllner*innen erzählen vom Krieg

Vom Schrecken des Krieges und dessen Ende in Berlin erzählen Neuköllner*innen, die damals Kinder waren. Im Museum des Bezirks sind die Zeitzeugnisse in einer Videoinstallation zu sehen.

Besuch empfängt Georg Weise im Sommer auf seiner Terrasse in Berlin-Britz. Nicht weit von hier wurde er vor 90 Jahren geboren. Stefan Krauss und Ina Rommee interessieren sich für seine Erinnerungen. Sie ist Videokünstlerin, er Fotograf und Kameramann. Gemeinsam hat das Paar Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs in Berlin interviewt und gefilmt. Georg Weise war einer der ersten.

Georg Weise, Zeitzeuge
"Die Aufarbeitung des Krieges bestand darin, Leuten ein Dach überm Kopf zu schaffen, die es verloren hatten, die Straße zu räumen, Kranke zu pflegen, Essen ranzuschaffen - das war die eigentliche Beschäftigung zu dieser Zeit. Da wurde nicht diskutiert, wie es dazu gekommen ist."

Georg Weise kommt 1930 auf die Welt. Als er sieben Jahre alt ist, verhaften die Nazis seinen Vater. Der Kommunist muss ins Zuchthaus. Der Sohn wächst alleine mit der Mutter in der Nähe der Hufeisensiedlung auf.

Georg Weise, Zeitzeuge
"Das ist das Haus in der Onkel-Herse-Straße 53, wo ich als Kind groß geworden bin."

Als der Krieg vor 75 Jahren endete, sah es hier weniger schlimm aus als in anderen Teilen Berlins.

Georg Weise, Zeitzeuge
"Wir hatten Glück: Wir hatten nur kaputte Fensterscheiben. Dachziegel waren runtergekommen. Was nicht zerbrochen war, haben wir wieder hochgetragen."

Er erzählt auch von der jüdischen Zahnärztin, die in den 30ern auf der anderen Straßenseite wohnte – und nach England fliehen musste.

Ina Rommee, Videokünstlerin
"Wir haben Berlin auf eine ganz andere Art und Weise kennengelernt. Und wenn man jetzt durch Straßen geht und sich daran erinnert, wie unsere Zeitzeugen davon berichtet haben, was da passiert ist - dann sieht man das natürlich selbst auch mit anderen Augen."

Diesen Blick der Kriegskinder will Georg Weise weitergeben – damit auch heute niemand vergisst, wie wichtig Frieden ist.

Georg Weise, Zeitzeuge
"Was kann ich als Alter noch bewegen? Eventuell die Gedanken von jungen Leuten über Krieg. Ich halte das sogar für wichtig."

Ina Rommee hilft ihm dabei. In ihrer Videoinstallation im Museum Neukölln verbindet sie seine Erinnerungen mit denen von sieben anderen Zeitzeugen. Gemeinsam erzählen sie über Kindheit in der Diktatur, von Ausnahmezustand und vom Schulalltag in der Nazi-Zeit.

Georg Weise, Zeitzeuge
"Dieser Lehrer, der fragte mich eines Tages, warum ich nicht getauft bin und wo mein Vater ist. Und ich konnte nur sagen: Ich wusste es nicht. Da hatte mir dieser starke Mensch so eine runtergehauen, dass ich geschwankt bin."

Georg Weises Vater kam erst 1945 frei. Aus seiner Haft in Brandenburg an der Havel lief er zu Fuß zurück nach Hause. Er erzählt Ina Rommee und Stefan Krauss, wie er seinen Vater nach acht Jahren Trennung wiedersieht. Wichtige Zeitzeugnisse für die Zukunft.

Ina Rommee, Videokünstlerin
"Die Möglichkeit, die Zeitzeugen selbst zu befragen, besteht nur noch fünf bis zehn Jahre. Danach gibt es nur noch die Videoaufnahmen."

Sie hoffen, dass ihre Installation Besucher dazu anregt, die eigenen Großeltern nach ihren Erinnerungen zu fragen und ihnen zuzuhören, solange das noch geht.

 Georg Weise, Zeitzeuge
"Ich freue mich für jeden, der sich interessiert. Wenn dann noch welche sagen: Was du erzählst, das konservieren wir - das kann auch später noch verwendet werden - gerne!"

Autorin: Anne Kohlick

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