Historische Aufnahme: Stalin nimmt an der Potsdamer Konferenz Teil. (Bild: Archiv)
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- Die Potsdamer Konferenz

Die drei mächtigsten Männer 1945 trafen sich im Cecilienhof: Stalin, Truman und Churchill. Sie verhandelten die Neuordnung der Welt nach Ende des 2. Weltkriegs.

Es ist Freitag der 13. Juli, als Joy Milward zum ersten Mal in ihrem Leben Großbritannien verlässt und ins kriegszerstörte Deutschland kommt. Erst tags zuvor hat die 19-Jährige erfahren, dass sie als Schreibkraft an der Potsdamer Konferenz teilnehmen soll. Sie ist dabei, als die Welt neu geordnet wird. Obwohl das in Kriegszeiten eigentlich verboten ist, schreibt sie Tagebuch.

Joy Hunter (geb. Milward), Zeitzeugin
"Wir landeten in Gatow. Dann wurden wir von dort in Autos nach Babelsberg mit seinen schönen Villen gefahren. Auf der ganzen Wegstrecke sahen wir Menschen, die ihre Habseligkeiten hinter sich herzogen und Kinder auf den Armen trugen. Ich fragte mich, was das bedeutete. Es war wie in einer anderen Welt. Naja, es war ja auch eine andere Welt."

Matthias Simmich hat die Tagebücher von Joy Milward gefunden und sie interviewt. In der neuen Sonderausstellung auf Schloss Cecilienhof, geht es auch um ihren Blick, den Blick der jungen 19-Jährigen auf die Potsdamer Konferenz.

16 Tage im Sommer 1945, während derer Churchill, Truman und Stalin verhandeln, wie sie mit dem besiegten Land umgehen sollen. Vor der Presse demonstrieren sie Einheit.

Doch hinter den Kulissen bahnt sich ein Konflikt an. Gerade hat Truman erfahren, dass die USA im Besitz der Atombombe sind. Das gibt ihm Selbstbewusstsein.

Matthias Simmich, Kurator
"Er hat Stalin nach einer Sitzung beiläufig unterrichtet, dass er nun über eine sehr mächtige Waffe verfüge. Äußerlich zeigte sich Stalin vollkommen unbeeindruckt. Er wünschte ihm sogar viel Erfolg beim Einsatz dieser Waffe im Kampf gegen Japan. Aber wir wissen heute, dass er bereits die Anweisung nach Moskau gegeben hatte, nun auch die sowjetische Atombomben-Forschung voranzutreiben. Wenn man einen Tag suchen möchte oder einen Punkt in der Weltgeschichte, den man als den Beginn des Wettrüstens oder des Kalten Krieges nennen möchte, dann war das hier in Potsdam."

Für die Ausstellung haben Matthias Simmich und sein Team die Räume im Erdgeschoss des Cecilienhofs so wieder hergestellt, wie sie damals aussahen. Churchills Schreibtisch – nachempfunden bis ins letzte Detail.

Jeder der Großen Drei hatte sein eigenes Büro. Hier saß Stalin. Eigentlich wollte Matthias Simmich seine Uniform ausstellen. Doch das Russische Kulturministerium verweigert die Leihgabe. Geschichte als Politikum.

Matthias Simmich, Kurator
"Ein Streitpunkt ist zum Beispiel, und dafür steht auch dieses Gemälde, dass es von russischer Seite aus nicht akzeptabel ist, dass wir einen Personenkult um Stalin ansprechen. Es ist außerhalb der Diskussion. Natürlich gab es einen Personenkult, dafür stand Stalin auch. Aber heute ist es anscheinend nicht mehr möglich, das anzusprechen und darzustellen."

In insgesamt 13 Sitzungen verhandeln die Großen Drei darüber, wie es mit Deutschland weitergehen soll. Man einigt sich auf die fünf "D's": Denazifizierung, Demilitarisierung, Demokratisierung, Dezentralisierung, Demontage.

Für seine neue Weltmacht kommt Stalin mit großen Ansprüchen. Er setzt die Oder-Neiße Grenze durch. Es wird verhandelt und geraucht. Joy Milward und ihre Kolleginnen sind fast ununterbrochen im Einsatz.

Joy Hunter (geb. Milward), Zeitzeugin
"Wir haben ständig gearbeitet. Wir hatten keine Schichten. Wir begannen um 8 Uhr morgens und arbeiteten, bis alles fertig war. Manchmal bis 2 Uhr morgens. Die Signals-Einheit der Armee hatte bemerkt, dass auch eine Menge junger britischer Frauen anwesend war. Deshalb haben sie jede Nacht Tanzabende veranstaltet. Wir kamen erst um zwei Uhr morgens ins Bett und um acht Uhr standen wir wieder auf und gingen zur Arbeit! Das kann man nicht wirklich lange durchhalten."

Nach 16 Tagen, am 2. August 1945 ist alles vorbei. Und auch das zeigt die Ausstellung: Wie dann 14 Millionen Vertriebene ein neues Zuhause finden müssen, wie Truman noch hier, in Potsdam befiehlt die Atombombe auf Hiroshima abzuwerfen. Und: wie die Vereinten Nationen gegründet werden – um Kriege zu verhindern.

Matthias Simmich, Kurator
"Aufgrund der schrecklichen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges war es der Versuch von Nationen von Staaten, für die Zukunft ein Instrument zu schaffen, nämlich die Vereinten Nationen, die im Konfliktfall eingreifen. Und das ist vielen einfach nicht mehr bewusst, heute, 75 Jahre später, dass es auf die schrecklichen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges zurückgeht."

Und Joy Milward? Sie bedauert, dass sie wegen Corona nicht zur Eröffnung dieser Ausstellung kommen kann. Ihr Leben lang hat sie gearbeitet, hat drei Kinder groß gezogen und heute Enkel und Urenkel – die nie einen Krieg erleben mussten.

Autorin: Julia Riedhammer

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