Die Staatschefs der Potsdamer Konferenz übernachteten in Villen in Babelsberg. (Bild: rbb)
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- Die Villen der Potsdamer Konferenz

Die Staatschefs der Potsdamer Konferenz übernachteten in Babelsberger Villen: Churchills entwarf Mies van der Rohe, Stalin residierte großbürgerlich, Truman war in einem Haus am See untergebracht.

Griebnitzsee, schönstes Babelsberg. Jahrzehnte war das Ufer hier Todesstreifen – eine Folge der Potsdamer Konferenz. Als Volker Schlöndorff hierhergezogen ist, stand die Mauer noch. Nichts erinnerte damals an den Sommer 1945, in dem Stalin, Churchill und Truman in Babelsberg wohnten. Schlöndorff interessiert sich für die Geschichten dieser Villen. Truman wohnte im "Little White House", aber gefallen hat es ihm nicht: Es hat ihn an den Bahnhof von Kansas City erinnert – Pampa also.

Volker Schlöndorff, Regisseur
"In den USA, egal ob auf Long Island, an der Küste, in Texas oder Kalifornien, gibt es schon noch schönere Villen als diese Gründerzeitbombastik."

Natürlich war es Truman, Stalin und Churchill nicht egal, wo sie residierten. Alles war Teil des Machtpokers der Sieger. Heute gehört die Villa der Friedrich-Naumann-Stiftung. Ein Brand hat die Inneneinrichtung zerstört, weiß Volker Schlöndorff, nur der Kamin ist noch original. Dazu kennt er eine schöne Anekdote: Hier saß Truman, als Stalin unangekündigt zu Besuch kam.

Volker Schlöndorff, Regisseur
"Stalin richtet sich im Sessel vor dem Kamin ein und macht keinerlei Anstalten wieder wegzugehen.
Nach einer Weile ruft Truman den Koch herein und fragt: 'Wenn die zum Essen bleiben, haben wir denn genug?'
Der Koch sagt: 'Heute ist Montag, da gibt es immer Linsensuppe.'
Da denkt der Truman nach und sagt: 'Wenn es gut genug ist für uns, muss es auch gut genug für die sein.'"

Der Hausbesuch ist ein Machtspielchen. Stalin, so ist es überliefert, hat bei sich immer groß aufgefahren: Kaviar, Vodka, Champagner! Truman dagegen war Puritaner, trank keinen Alkohol, hat hart gearbeitet und gern Poker gespielt.

Volker Schlöndorff, Regisseur
"Da war kein Versuch auf Trumans Seite, irgendwie mit Charme oder sonst wie zu beeindrucken. Er wusste ja: Er hat eine Trumpfkarte im Ärmel, nämlich die Atombombe."

Hier hat Truman erfahren, dass der erste amerikanische Atombombentest geglückt war. Die Atombombe sollte als Ultima Ratio im Krieg gegen Japan gezündet werden. Diese Entscheidung verbindet Schlöndorff vor allem mit diesem Ort.

Volker Schlöndorff, Regisseur
"Man kann eigentlich sagen: In diesem Moment ist der Eiserne Vorhang gefallen. Denn dann wusste Stalin, dass mit Verhandlungen nichts mehr zu machen ist."

Da helfen auch Stalins demonstrative Machtgesten wenig: 8.000 sowjetische Soldaten kontrollieren Babelsberg. Das ganze Viertel wird abgehört. Die Stalin-Villa war ein Hochsicherheitstrakt. Heute ist sie Sitz des Bauindustrieverbands. Stalin gefiel die Residenz. Der Buffetschrank stand schon damals hier, alle anderen Möbel hatte sein Stab entfernen lassen.

Volker Schlöndorff, Regisseur
"Macht inszeniert sich immer und Konferenzen sind dazu da, um inszeniert zu werden. Man fragt dann: Stimmt die Chemie zwischen den beiden? Aber in Wirklichkeit geht es immer um die militärische Macht und um die wirtschaftliche Macht."

Mister Churchill hat wenig zu melden. Er rächt sich auf seine Weise: Beim Empfang spielt die Militärkapelle extra lang und laut. Er wohnt in einer Villa, die von Mies van der Rohe entworfen wurde. Churchill mokiert sich über die Kamine und nennt es ein "ruiniertes französisches Chateau." Heute wohnt hier der Unternehmer Hasso Plattner.

Volker Schlöndorff, Regisseur
"Hasso Plattner habe ich besucht, aber er hat nun Mies van der Rohe wiederhergestellt und den Geist der Konferenz und den Qualm von Churchills Zigarren völlig ausgetrieben."

Von ihren Villen sind Churchill und Truman wohl gelegentlich ins Boot gestiegen und zur Konferenz gefahren. Erinnert haben sie sich später aber vor allem an die Mückenplage und die drückende Hitze im Sommer 1945 am Griebnitzsee.

Autorin: Petra Dorrmann

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