Uwe Rosenberg führt durch das Schloss Neuhardenberg. (Quelle: rbb/Kultur)
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- Zu Besuch auf Schloss Neuhardenberg

Früher war Uwe Rosenberg Tischler und hat selbst an der Restaurierung der Gebäude mitgewirkt - heute ist er Hobby-Historiker und berichtet bei Führungen durch Schloss Neuhardenberg fachkundig von der Genese des Hauses.

Uwe Rosenberg, Museumsleiter

"Dies war die Turnhalle. Denn nach 1945 wurde aus diesem historischen Schloss eine Schule. Und da dieser Gartensaal der größte Raum war, bot er sich natürlich als Schulaula und Turnhalle an."

Unter den strengen Blicken von antiken Göttern haben die Schulkameraden von Uwe Rosenberg hier zu DDR-Zeiten Völkerball gespielt. Nicht ohne Folgen für den über 200 Jahre alten Dekor des Saals:

Uwe Rosenberg, Hobby-Historiker

"Wenn man gegen die Hand der Dame einen Ball schmeißt, wirft, dann bricht die natürlich ab. Die waren dann später so beschädigt, dass man sie komplett von den Öfen heruntergenommen hat."

Heute stehen dort Abgüsse der Originale. Kronleuchter glitzern, wo früher Schüler schwitzten. Nebenan wurde Geschichte unterrichtet. Aber über die Vergangenheit des Schlosses hat Uwe Rosenberg damals nichts gelernt.

Uwe Rosenberg

"Die Familie Hardenberg - das war ja ein Tabuthema zu DDR-Zeiten: Carl Hans Graf. Das hätte man ja hier im Schloss im Geschichtsunterricht auch beibringen können, was hier von Schinkel und Langhans und Pückler und dem Fürst Hardenberg getan worden ist - kam alles nicht vor."

Eigentlich hat Uwe Rosenberg Tischler gelernt. Sein Wissen über das Schloss hat er sich selbst erarbeitet und die ständige Ausstellung über die Geschichte Neuhardenbergs geplant. Das Foto vom Gartensaal als Turnhalle, hat er von einem ehemaligen Lehrer bekommen.

Uwe Rosenberg

"Da sieht man, dass hier an der Seite ein Bock steht, zum Bockspringen und auch Garderobenhaken für die Schüler, damit die sich hier umziehen konnten."

Mit Begeisterung führt Uwe Rosenberg durch das kleine Museum - zum Bauherrn des Schlosses.

Uwe Rosenberg

"Hier haben wir den General von Prittwitz, Joachim Bernhard von Prittwitz."

Für Preußen zog Prittwitz in den Siebenjährigen Krieg. Zum Dank für seine militärischen Erfolge schenkte ihm Friedrich der Große 1763 das Landgut, das damals noch Quilitz heißt. Das Dorf sollte noch mehrmals seinen Namen wechseln.

Uwe Rosenberg führt uns durch den Park zu den Spuren, die der erste Schlossherr hier hinterlassen hat. Diese Skulptur hat der dankbare General von Prittwitz für seinen Gönner aufstellen lassen.

Uwe Rosenberg liest Inschrift

“Friedrich dem Großen, der General von Prittwitz im Jahre 1792”

Die Inschrift wirft für manche Fragen auf: Wo ist hier bitte der Alte Fritz?

UR: "Dieses kleine Medaillon ist Friedrich der Große."

Besucher guckt begeistert: "Okay!"

UR: "Nicht der Mars mit Bart."

Friedrich ist versteckt zwischen antiken Göttern im Stil des Klassizismus.

Der nächste Besitzer wird 1814 Staatskanzler Hardenberg. Er lässt das Schloss vom berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel umbauen

Uwe Rosenberg

"Da ist kein Schnörkel und durch diese helle Farbgebung wirkt’s natürlich etwas kühl, zurückhaltend."

Der neue Schlossherr gibt dem ganzen Dorf auch einen neuen Namen, seinen eigenen: Neu-Hardenberg. Mehr als hundert Jahre lebt die Familie hier.

Bis sich Carl-Hans Graf von Hardenberg 1944 dem Widerstand um Stauffenberg anschließt. Nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler wird die Familie enteignet.

Uwe Rosenberg

"Er hat unheimlich unter dem Verlust dieses Ortes gelitten. Also das war, glaube ich, das Schlimmste, was man dem Mann antun konnte, dass man ihm seine Heimat weggenommen hat."

Und nicht nur das: Die sowjetischen Machthaber radieren auch seinen Namen aus. Das Dorf wird 1949 in Marxwalde umbenannt. Auf dem Schlossgelände entstehen Plattenbauten. In den 80ern wird das Schloss erstmals restauriert. Uwe Rosenberg hat damals mitgeholfen.

Uwe Rosenberg

"Ich in meiner früheren Funktion als Tischler hab da noch die Fenster mit eingebaut. Das hätte ich mir damals auch nicht träumen lassen: Heute bau ich hier die Fenster ein und morgen erzähle ich die Geschichte dazu."

Die Wende hat vieles verändert: Aus Marxwalde wird wieder Neuhardenberg, aus dem Tischler Uwe Rosenberg ein Museumschef und das Schloss erstrahlt heute in neuem, altem Glanz.

Autorin: Anne Kohlick

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