Die Künstlerin Inge Mahn (Quelle: rbb)
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- Die Künstlerin Inge Mahn

Früher war Inge Mahn Meisterschülerin von Joseph Beuys, ihre Werke waren unter anderem schon auf der Documenta in Kassel zu sehen. Heute lebt die Bildhauerin und Künstlerin in der Uckermark, wo sie ein Atelier hat und Werke von Künstlern aus der Region ausstellt.

In der Uckermark hat die Künstlerin Inge Mahn ihr Haus gefunden, eher zufällig. Sie hat nicht gesucht und sich dann doch verliebt, in das Haus und den Garten.

Inge Mahn, Künstlerin
"Dieser Blumengarten war da, und war auch zum Teil mit den Blumen da. Die gelben waren da, der Mohn war da. Und immer wieder kommen Dinge raus, die ich nie gepflanzt habe. Ich weiß nicht, ob ich es so angelegt hätte, aber jetzt ist es da, und dann akzeptiere ich es auch."


Viele Skulpturen wollte sie aufstellen, aber es kam anders: diese Landschaft ist zu schön. Inge Mahn führt uns durch ihren Garten und ihr Dorf. Zuerst zu einem Gewächshaus, früher ein Pavillon in einer Ausstellung.

Inge Mahn, Künstlerin
“Der Witz ist auch: Praxis und Theorie ist noch mal was anderes; ich hatte kleines Papiermodell, da klappte es wunderbar, Fünfecken und Sechsecken zusammen, aber das geht also wirklich nicht. Es gab so Spannungen, dass ich hier trennen musste, die haben einen Knick.

Autorin
"Und was wächst jetzt drin?"


Inge Mahn, Künstlerin
"Naja, eigentlich geht es nicht um die Tomaten, es geht um das Ganze. Und jetzt
habe ich Tomaten drin und Petersilie, und das ist natürlich auch ganz schön."

Sie ist eine Zufalls-Gärtnerin: sie erntet nur, was sie braucht, den Rest lässt sie
wachsen. So hält sie es auch mit der Kunst.

Inge Mahn, Künstlerin

"Ich finde das ganz gut, dass es irgendwann verfällt und irgendwann weg ist... Hier, da habe ich sogar Bohnen."

Ob die Bohnen je geerntet werden? Egal, alles ist ein Kommen und Gehen. Inge Mahn ist viel unterwegs, Ausstellungen in Basel und Paris. Kunst und Natur, so ihr Credo, wollen gleichberechtigt sein. In den 70ern studierte sie bei Josef Beuyss, das Leben hier hat sie wohl gelassen gemacht.

Inge Mahn, Künstlerin
"Das habe auch mal selbst gebaut, und dachte, dass ich hier so einen ideellen Ausstellungsraum hätte. Das war auch nur am Anfang. Und was ist es geworden? Der künstlerische Ehrgeiz ist auch da, aber den kann man sich abschminken hier draußen."


Im Sommeratelier nebenan, wie soll man sagen: gedeihen die neuen Skulpturen.

Inge Mahn, Künstlerin

"Da gibt es hier so Rosenbögen, die habe ich gesehen und dachte: Mensch, was kannst du damit anfangen. Und dahinten ist so einer, der hat schon Gips drum rum, aber der hält nicht allein. Da muss ich mir was einfallen lassen. Ach, das ist auch was Spannendes, so was kriegt man auch. Wenn ich das hinstelle, glauben die Leute immer, das ist Kunst. Aber das ist keine Kunst. Das ist toll, nicht."

Dann geht es in die Scheune, zu ihrer Kunst. Wir entdecken labile Gebilde, meist aus Gips. Alltagsgegenstände verwandelt Inge Mahn, entlockt ihnen komische Momente. Wie diese Installation "Erbsenzählerei", früher haben Frauen so schlechte Erbsen aussortiert.

Inge Mahn, Künstlerin

"Durch die Umdrehung sortieren sich die Erbsen. Also, wenn die Ordnung hergestellt ist,
kriecht eine singend nach oben."


Weiter geht es zum "Stallmuseum", das Juwel von Groß Fredenwalde. Sie hat es
aufgebaut.

Gerade zeigt sie Arbeiten ihrer Studienfreundin Irmhild Radtke. Hochbegabt, findet sie die Malerin. Inzwischen ist die Freundin schwerkrank, lebt in einem Heim. Dieses schwere Leben sieht man den Bildern an, meint Inge Mahn. Sie hat die Bilder gerettet und in ihrer Scheune gelagert. Eine Maus hat sich hier rangemacht. Ein Trost: Vier Bilder wurden verkauft.

Inge Mahn, Künstlerin
"Was in der Stadt funktioniert, funktioniert hier draußen noch lange nicht. Ja, man muss  besser sein. Und aufrichtiger."


Inge Mahn wirkt zufrieden: das Museum lebt und hat das Dorf belebt. Hat sie also ihr Glück gefunden?

Inge Mahn, Künstlerin
"Es ist schon gut, doch. Aber manchmal wird es mir zu viel, dann fahre ich nach Berlin,
um mich zu erholen."

Ja, so ist das wohl: im grünen Paradies hört die Arbeit nicht auf.


Autorin: Petra Dorrmann

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