Besucher in den Prinzessinnengärten (Quelle: rbb)
rbb
Bild: rbb

- Die Prinzessinnengärten am Moritzplatz

Die Prinzessinnengärten sind einer der bekanntesten Stadtgärten Berlins. 2009 hat alles auf einer Brache am Moritzplatz angefangen, mittlerweile gärtnern hier 1.000 Freiwillige pro Jahr. 2019 läuft der Pachtvertrag aus. Die Betreiber hoffen, dass es weiter geht.

Der Prinzessinnengarten ist eine Oase, spendet Schatten in der staubigen Großstadthitze. Das war nicht immer so: Brachland in eine blühende Landschaft zu verwandeln, diese Vision hatten zwei Helden: Robert Shaw, eigentlich Filmemacher und Marco Claussen, ein Historiker.

Marco Clausen, Gründer der Prinzessinnengärten
"Es ist schon der Wahnsinn, was aus diesem Ort geworden ist, das hätten wir uns damals nicht träumen lassen."

Prinzessinnengarten - das klingt märchenhaft. Um die vergessene Brache aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, brauchte es Mut. Die beiden Gründer betreten berufliches Neuland: Die Idee für einen Stadtgarten bringt Robert Shaw von einer Kuba-Reise mit nach Berlin.

Robert Shaw, Gründer der Prinzessinnengärten

"Das war Juni 2009. Da hatten wir gerade den Mietvertrag unterschrieben, das erste mal die Tür aufgeschlossen und gesehen: Oh Gott, hier gibt es ja keinen Strom und kein Wasser und nur Müll."

Marco Clausen, Gründer der Prinzessinnengärten
"Hier sind Bilder von der ersten Aufräumaktion. Unter dem Pflaster wächst der Garten
haben wir damals gesagt und es kamen über 100 Menschen."


Robert Shaw, Gründer der Prinzessinnengärten
"Wir haben dann drei Stunden lang in einer total netten, gemeinschaftlichen Atmosphäre zweieinhalb Tonnen Müll weggeräumt."

Von Anfang an war der Nachbarschaftsgarten am Kreuzberger Moritzplatz mehr als ein Wohlfühl-Park. 80 000 Besucher kommen hier im Jahr her. Es ist ein Ort, an dem man sich trifft, austauscht und von der Natur lernen kann. Wie riecht Pfefferminze? Wo kommt der Honig her und welche Rolle spielt die Biene dabei? In ausgedienten Lebensmittel-Kisten wachsen seltene Gemüsesorten und essbare Kräuter.

Marco Clausen, Gründer der Prinzessinnengärten

"Hier, das sind so die ersten Beete, jung und alt, Gärtner und Nicht-Gärtner, haben da die Stöcke klein gemacht. Das sind ja Kompost-Beete. Die erste Erde aufgefüllt."


Robert Shaw, Gründer der Prinzessinnengärten
"Die erste Erdlieferung war ein Ereignis. Da kamen acht Kubikmeter Erde und wir
dachten: mein Gott, acht Kubikmeter Erde. Und wir hatten 60 Kisten geschenkt bekommen, von diesen Bäckerkisten, und dann haben wir gesehen, das waren so ein paar Quadratmeterchen Beete und noch lange kein Garten."


Heute ist der Prinzessinnen-Garten voll mit Beeten, und Robert Shaw ist dabei, neue Spielräume zu suchen. Sein neuester Plan klingt erst einmal ungewöhnlich: Friedhöfe, die immer weniger genutzt werden, sollen in Gärten verwandelt werden.

Robert Shaw, Gründer der Prinzessinnengärten
"Das ist die Wiese. Wir reden hier über fast sieben Hektar Fläche. Das ist mehr als mancher
Kleinbauer in Brandenburg zur Verfügung hat. Und tatsächlich sind Friedhöfe für
urbane Gärten einfach unheimlich interessante Orte."


Im kommenden Jahr will Robert Shaw am Neuköllner Jakobifriedhof einen weiteren Garten öffnen. Der Prinzessinnengarten am Moritzplatz hat einen Pachtvertrag bis 2019, will hier aber für immer Wurzeln schlagen.

Marco Clausen, Gründer der Prinzessinnengärten

"Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass das dauerhaft erhalten bleibt. Das wir wieder lernen, Dinge an andere Menschen zu übergeben. Und ich glaube, wir haben hier die einmalige Chance auch für Berlin und für Kreuzberg und den Moritzplatz zu beweisen, wie Stadt anders aussehen kann, dass das nicht alles zubetoniert werden muss. Dass es Orte braucht, im Grunde in jedem Quartier, die für uns alle da sind."


Autorin: Charlotte Pollex

weitere Themen der Sendung

S-Bahnhof Treptower Park (Quelle: rbb)
rbb

Wildkräuter sammeln und essen

Anne Schmidt Luchmann zeigt auf ihren Spaziergängen durch Berliner Parks, was alles Essbares am Wegesrand steht. Ihr Mann Paul Schmidt kocht anschließend daraus ein Menü. Wir begleiten die beiden.

Die Künstlerin Inge Mahn (Quelle: rbb)
rbb

Die Künstlerin Inge Mahn

Früher war Inge Mahn Meisterschülerin von Joseph Beuys, ihre Werke waren unter anderem schon auf der Documenta in Kassel zu sehen. Heute lebt die Bildhauerin und Künstlerin in der Uckermark, wo sie ein Atelier hat und Werke von Künstlern aus der Region ausstellt.

Ein Salat im Restaurant "Good Bank" in Berlin (Quelle: rbb)
rbb

Food Revolution - Wie werden wir zukünftig essen?

Unsere Wirtschaft ist auf Wachstum ausgerichtet, doch die Ressourcen schwinden. Das gilt auch für die Lebensmittelindustrie. Die Ausstellung "Food Revolution 5.0" im Berliner Kunstgewerbemuseum widmet sich dem Thema und fragt, wie wir in Zukunft essen werden.   

"It smells like flowers & fragrances"-Ausstellung im me Collectors Room (Quelle: rbb)
rbb

Kulturnotizen

+ "Tischlein deck dich!" in den Römischen Bädern im Park Sanssouci
+ "It smells like… flowers & fragrances" im me Collectors Room Berlin
+ "FernNah"-Performance im Theaterhaus Berlin Mitte