Schauspieler Edgar Selge (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- "Unterwerfung" - Verfilmung des Romans von Michel Houellebecq

Michel Houellebecqs kontrovers diskutierter Roman "Unterwerfung" beschreibt die möglichen Auswirkungen einer Islamisierung auf das gesellschaftliche Leben in Frankreich. Der rbb hat das Buch mit Edgar Selge in der Hauptrolle verfilmt.

Was wäre wenn? Wenn eine ganze Gesellschaft sich radikal wandeln würde? Wenn demokratische Parteien in die Opposition rückten? Wenn die bislang prägende Religion von einer anderen verdrängt würde? Würden wir es einfach so geschehen lassen? Der Roman "Unterwerfung" des französischen Autors Michel Houellebecq stellt diese Fragen - und war damit eines der meistdiskutierten Bücher der vergangenen Jahre.

Der Schauspieler Edgar Selge und sein Neffe, der Regisseur Titus Selge, haben sich des Stoffs in einem Film angenommen. Basierend auf einem fulminanten Theaterabend am Hamburger Schauspielhaus. Ein Ein-Mann Stück für Edgar Selge - von der Kritik gefeiert, ein provozierender Text, dauerausverkauft.

Edgar Selge, Schauspieler
"Der Appell geht ganz klar... fängt der an bei der Provokation von Houellebecq: Setzt euch mit eurer eigenen Kultur auseinander! Oder: Was bedeutet euch eure eigene Kultur noch? Was bedeutet euch eure eigene Religion noch? Wollt ihr das einfach so flau laufen lassen und dann übernehmen es andere? Oder interessiert es euch und macht es nicht doch Lust, sich damit noch einmal auseinanderzusetzen?"


Im Mittelpunkt von Buch, Theaterabend und Film steht Francois. Ein mittelalter und mittelmäßiger Universitätsprofessor. Privat zum Beispiel liegt einiges im Argen. Mit den Frauen in seinem Leben weiß er nichts anzufangen.

Szene aus dem Theaterstück "Unterwerfung"

"Ich wollte nicht mal mit ihr schlafen. Höchstens ´n bisschen. Gleichzeitig hatte ich auch irgendwie Lust zu sterben."

Einsam und in der Krise, eine typische Houellebecq-Figur. Und da wird es auch politisch, denn wie kann man die innere Leere füllen?

Edgar Selge, Schauspieler
"Klar ist das Ganze die Beschreibung einer gesellschaftlichen Krise, also einer objektiven Krise, nämlich der Müdigkeit einer Demokratie, des Zerfalls unseres Vertrauens in die demokratischen Institutionen. Und auf der anderen Seite ist es die Krise eines Individuums. Diese Schwierigkeit oder auch diese Unlust, eine Haltung da zu finden, die beschreibt der Houellebecq und damit beschreibt er uns."

Es war ein schicksalhafter Tag, als dieser Roman erschien – der 7. Januar 2015. In Paris morden Attentäter in der Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo". Auf dem Titel der damals aktuellen Ausgabe: Michel Houellebecq, der ewige Provokateur. Repräsentant einer Müdigkeitsgesellschaft nennt ihn Edgar Selge. Auch in "Unterwerfung" schildert er ein bürgerlich-sattes Milieu, das sich selbst genug ist. Das ist das Problem. Ein Schlüsselsatz des Romans - von bleibender Aktualität.

Zitat aus dem Buch "Unterwerfung"
"Wahrscheinlich ist es für Menschen, die in einem bestimmten sozialen System gelebt und es zu etwas gebracht haben, unmöglich, sich in die Perspektive der Menschen zu versetzen, die von diesem System nie etwas zu erwarten hatten und einigermaßen unerschrocken auf seine Zerstörung hinarbeiten."


Titus Selge, Regisseur
"Das ist so ein Satz, wenn man den gelesen hat, gesehen hat, gehört hat, da kann man nicht mehr auf die Menschen, die eben nicht in der Teilhabe sind, mit dem selben Blick draufgucken. Das ist Augen öffnend, finde ich."


Was ist uns unsere Kultur wirklich wert? Wie setzen wir uns für sie ein? "Unterwerfung" stellt diese Fragen in einer ungewöhnlichen Umsetzung und einer bei aller Brisanz auch humorvollen und versöhnlichen Inszenierung.


Autor: Steffen Prell

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