S-Bahnhof Treptower Park (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- Wildkräuter sammeln und essen

Anne Schmidt Luchmann zeigt auf ihren Spaziergängen durch Berliner Parks, was alles Essbares am Wegesrand steht. Ihr Mann Paul Schmidt kocht anschließend daraus ein Menü. Wir begleiten die beiden.

Wie viele werden kommen, bei 35 Grad, zu einer Wildkräuterführung durch den Treptower Park? Anne Schmidt-Luchmann stellt sich schon darauf ein, dass ihr Spaziergang heute ausfällt. Aber da kommen sie.

"Du hast Holunder? Echt? Holunder machen wir heute auch."

Also los, auf die Suche nach der Großstadtwildnis. Anne wird heute begleitet von Ehemann Paul, er will nebenbei fürs Abendessen sammeln.

Anne Schmidt-Luchmann, Wildkräuterexpertin
"Wir fangen mal an mit dem allerliebsten Wildunkraut. Habt ihr schon mal von Giersch gehört? Giersch wird man nie wieder los. Das ist alles Giersch. Riecht mal dran, woran erinnert euch das?"
"Na, das geht schon in Richtung Petersilie."
"Die wilde Petersilie, extrem gesund. Extrem viel Vitamin C, ganz viel Kalium, alle
Vitamine, die wir brauchen, hat dieses Wildkraut."


Aber das jetzt essen? Direkt vom Wegesrand? Was ist mit Feinstaub? Und dem, was die Hunde so hinterlassen? Anne gibt Entwarnung und Tipps zum Waschen. Schlimmer für sie: die intensive Landwirtschaft, mit ihren Chemiekeulen. Oder verseuchte Böden.

Anne Schmidt-Luchmann, Wildkräuterexpertin
"Ich habe den Treptower Park ausgesucht, weil das schon ganz lange ein Park ist, und vorher war es ein Wald, und das ist immer wichtig zu wissen, was vorher da war."


Lola macht jetzt doch schlapp, die anderen scheinen die Hitze vergessen zu haben. Wildkräutersuche hat etwas von Detektivarbeit.

Anne Schmidt-Luchmann, Wildkräuterexpertin
"Was ist mit dem hier? Das haben wir als Kinder immer gegessen. Das ist Hirtentäschel, das kann man super essen, aber die Ernte ist furchtbar kleinteilig."
"Hm lecker, süß, erbsig."

Anne Schmidt-Luchmann, Wildkräuterexpertin
"Berlin ist wild, in Deutschland die wildeste Stadt, das sieht man auch in der Pflanzenwelt, es wird nicht so viel gemäht und dann wächst auch viel."


Viele Wildkräuter sind Altbekannte, die wir oft ein bisschen vergessen haben. Die Namen sind uns vielleicht noch vertraut, wie Schafgarbe.

Anne Schmidt-Luchmann, Wildkräuterexpertin
"Augenbraue der Venus. Ganz große Frauenheilpflanze."


Anne ist in Berlin aufgewachsen, hat aber einen Teil ihrer Kindheit an der Ostsee verbracht und schon mit 12 Holunderblütensirup gebraut. Als sie Anfang 20 ist, wird sie krank, sie kommt ins Krankenhaus, aber nichts konnte helfen.

Anne Schmidt-Luchmann, Wildkräuterexpertin
"Und dann habe ich mich selbst ausgecheckt und mich bei meiner Mama ins Haus gelegt und mir Kräuterbücher bestellt und die gelesen. Und in einem war auch tatsächlich was drin, was mir geholfen hat, und das hat mich sehr beeindruckt."

Anne hat eine Heilkräuterausbildung gemacht, seitdem klebt ihr Blick auf dem Boden, immer auf der Suche. Das ist fast wie eine Sucht, sagt sie.

Anne Schmidt-Luchmann, Wildkräuterexpertin 
"Der ist wirklich ganz süß honiglich."

Während Anne durch den Park führt, ist Paul am Sammeln. Es soll schließlich ein Abendessen zusammen kommen.

"Das wird ein Salat, die Vogelmiere."
"Genau, man muss ein bisschen sammeln, das ist das Problem."


Paul arbeitet eigentlich im Marketing, ist aber ein leidenschaftlicher Hobbykoch - und organisiert mittlerweile auch Dinnerclubs. Die Wildkräuter hat er erst durch Anne entdeckt.

Paul Schmidt, Wildkräuterkoch
"Das ist für mich wie ein Supermarkt, hier auch. Ich gehe ja auch nur hierhin und in einer halben Stunde habe ich alles. Das ist schon toll."

An diesem heißen Tag waren zwar nur diese beiden da, aber die hätten am liebsten noch weiter gesucht.

Für Anne und Paul geht es zurück nach Berlin-Kreuzberg, wo sie wohnen. Abendessen. Es gibt Hühnchen mit Holunderpanade, auf Vogelmierensalat mit Kleeblütentopping. Das ist ein Geschenk, sagt Anne, vom Treptower Park an uns.


Autorin: Vanessa Loewel

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