Skulpturen im neuen Museum "Pergamonmuseum. Das Panorama" (Quelle: rbb)
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- "Pergamonmuseum. Das Panorama"

Seit vier Jahren werden weite Teile des Pergamonmuseums restauriert. Die Arbeiten werden noch mindestens bis in Mitte der 2020er Jahre reichen. Diese Wartezeit soll das "Pergamonmuseum. Das Panorama" füllen - mit einer Ausstellung, die antike Kunst in besonderer Form erlebbar machen soll.  

Ohne viel Aufregung ist in der Mitte Berlins dieses neue Gebäude entstanden, ganz nah an der S-Bahn Strecke Richtung Friedrichstaße. Matthias Thiel ist Architekt und kommt regelmäßig hierher. Bald soll hier der Pergamonaltar nachgestellt werden.

Mathias Thiel, Architekt
"Das ist der erste Ausstellungsraum, das wird der Besucher zuerst sehen. Der Besucher wird quasi empfangen von der ersten großen Skulpturengruppe. Die Skulpturen standen natürlich unter freiem Himmel, unter freiem Sonnenlicht - und das werden wir hier versuchen, dem Besucher zu vermitteln. Das heißt, wir werden aus vier verschiedenen Richtungen, aus verschiedenen Winkeln mit verschiedenen Farbtemperaturen ein möglichst natürliches Sonnenlicht imitieren, so dass das Erlebnis für den Besucher kein statisches Licht ist, sondern eine wechselnde Lichtsituation."

Solange das Pergamonmuseum eine Baustelle ist, sollen hier antike Figuren gezeigt werden - und zwar so, wie sie einmal aussahen.

Mathias Thiel, Architekt
"Man hat ja immer die Vorstellung, dass antike Figuren marmorweiß waren, völlig unbehandelt, die Architektur wie die Skulptur. Mittlerweile weiß man einfach, dass diese Skulpturen in der Regel sogar farblich, sogar sehr stark farbig gefasst waren und wir nutzen die einmalige Situation im Museum, dass wir diese Gewandstatuengruppe haben und lösen eine davon heraus und zeigen exemplarisch an dieser Skulptur eine mögliche Farbgebung."

Diesen Ort einzurichten, ist aufwendig. Wenige Monate zuvor: Industriekletterer rücken an. In einer 1,8 Tonnen schweren Holzkiste bringen sie das Herzstück der neuen Ausstellungshalle, verpackt und aufwendig zusammengefaltet, so groß wie ein Fußballfeld, ein Gemälde des Pergamonaltars, geschaffen von dem Künstler Yadegar Asisi.

Rückblick: Der Künstler in der Türkei. Im heutigen Bergamar stand er einmal, der Altar. Yadegar Asisi hat vor Ort recherchiert für sein großes Panorama.

Yadegar Asisi, Künstler

"Wenn man Pergamon macht und nicht diesen Burgberg hier selber erlebt hat und die Einbindung in die Landschaft, dann hat man den Ort nicht begriffen und das kann kein anderes Medium einem wirklich geben. Eins der wichtigen Dinge in meinen Projekten ist ja auch den Raum begreiflich zu machen."

Sein Panoramabild anzubringen ist eine logistische Meisterleistung: Das Bild ist 140 Meter lang und soll auf 30 Meter Höhe gehängt werden.

Jan Fehling, Industriekletterer
"Das ist schon eine schönere Arbeit, als das, was wir normalerweise machen. Das ist schon etwas Besonderes. Einmal, weil wir ein Team sind, man kennt sich über die Jahre und hilft sich und dann ist es schon etwas Besonderes, wen man so etwas aufhängt hier."


Auf dem Panoramabild zu sehen: Szenen, die den Alltag 100 Jahre vor Christus zeigen, rund um den Altar. Diese Szenen sind vorher aufwändig nachgestellt worden.

Mathias Thiel, Architekt
"Da ist ziemlich viel los in der Stadt. Wir haben Fotoshootings gemacht in Filmstudios. Dann haben wir mit hunderten Schauspielern und Komparsen diese Szenen nachgestellt. Das muss man sich vorstellen wie in einem Filmset, mit Kostümen, mit Maske, mit Blut, wenn es nötig war. Alles, was man braucht um das Leben so lebendig wie möglich darzustellen."

Mathias Thiel, Architekt
"Hier haben wir Yadegar Asisi, der es sich nicht nehmen lässt, sich auch in jedem Bild noch mal selbst einzumontieren. Und hier hat er sich einfach unter das feiernde Volk einmontiert, ich glaube, als Gemüseverkäufer."


Autorin: Charlotte Pollex

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