Teilnehmer an einem Aktzeichenkurs in der Berlinischen Galerie (Quelle: rbb)
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- Aktmalerei in der Berlinischen Galerie

Jeden Sonntag können Interessierte in der Berlinischen Galerie an Aktzeichen-Kursen teilnehmen. Egal ob Künstlerinnen und Künstler oder Laien - jeder kann zu Stift und Papier greifen und sich ausprobieren. rbb Kultur - das Magazin hat eine Malerin begleitet. 

Sondra Sohl hat immer sonntags um 11 einen Termin: Aktzeichnen in der Berlinischen Galerie. Ihr Ziel:

Sondra Sohl, Teilnehmerin "Aktzeichnen für alle"
"Den Ausdruck der ganzen Figur darzustellen. Es geht für mich nicht um die Feinheiten."

Sondra Sohl arbeitet mit Tinte, Wasserfarben, Kreide. Sie muss das Modell schnell zu Papier bringen - länger als eine Viertelstunde wird die Pose nicht gehalten.

Vessela Grigorieva, Leiterin "Aktzeichnen für alle"
"Jetzt sind 15 Minuten. Der Wecker klingelt nach 14 Minuten. Man hat noch eine Minute Zeit, die Zeichnung zu Ende zu bringen oder kaputt zu machen."


"Aktzeichnen für alle" heißt die wöchentliche Veranstaltung und sie ist einmalig in der Berliner Museumslandschaft. Zehn Euro kostet es mitzumachen. Erfahrene Künstler treffen hier auf Neulinge, die sich zum ersten Mal an einer Aktzeichnung versuchen. Sondra Sohl ist seit einem halben Jahr dabei.

Sondra Sohl, Teilnehmerin "Aktzeichnen für alle"
"Ich versuche, das Gesamte zu erfassen und möglichst das, was diese Bewegung ausstrahlt, auf dem Papier wiederzugeben."

Wenn Sondra Sohl nicht gerade Aktmodelle malt, sind Landschaften ihr Motiv. Und so groß ist der Unterschied zum Körper gar nicht.

Sondra Sohl, Teilnehmerin "Aktzeichnen für alle"
"Man kann das wirklich als Berge und Täler und Weiten und Tiefen erfassen und auch mithilfe von Farben wiederum ausdrücken."


Nach der 15-Minuten-Pose wird es schwieriger.

Vessela Grigorieva, Leiterin "Aktzeichnen für alle" 
"Der Wecker klingelt nach zwei Minuten 45 Sekunden."


Sondra Sohl, Teilnehmerin "Aktzeichnen für alle"
"Die Drei-Minuten-Posen, da ist voll Power angesagt. Die liebe ich besonders. Man beißt sich nicht so fest und macht vielleicht ein Bild kaputt, was am Anfang super war.

Teilnehmer
"Oh Gott, schon vorbei? Das kann doch nicht sein."

Sondra Sohl geht es nicht um eine möglichst genaue Darstellung des nackten Körpers. Sie will die Haltung des Modells in Farben und Linien übersetzen.

Sondra Sohl, Teilnehmerin "Aktzeichnen für alle"
"Nein, da hat man keine Scham. Das ist Kunst. Da hat man keine Scham."


Autorin

"Aber könnten Sie sich denn selber vorstellen, Aktmodell zu stehen?"

Sondra Sohl, Teilnehmerin "Aktzeichnen für alle"
"Nee, auf gar keinen Fall, auf gar keinen Fall. Da würde ich mich schämen."

Vessela Grigorieva, Leiterin "Aktzeichnen für alle"

"Eine letzte Stellung für heute: 15 Minuten."

Hunderte Zeichnungen entstehen heute nach den Posen des Modells. Dutzende Menschen schauen jedes Körperteil der ausgebildeten Tänzerin Ellen intensiv an. Was ist das für Ellen für ein Gefühl?

El Fox, Aktmodell  
"Für mich war das nie so ein Tabu, so Körper und Nacktsein, und es ist auch keine erotische Sache. Man ist zwar nackt, aber das findet auf einer ganz anderen, künstlerischen Ebene statt. Deswegen fühlt man sich vielleicht gar nicht so nackt, wie die Leute das denken."

Sondra Sohl trocknet ihre Werke. Ist ihr gelungen, was sie sich vorgenommen hat – den Ausdruck der ganzen Figur einzufangen?

Sondra Sohl, Teilnehmerin "Aktzeichnen für alle"
"Jein. Ich nehme mir sicher die ein oder andere Zeichnung nochmal vor und mach noch weiter. Oder vielleicht übermale ich sie komplett."


Autorin: Anne Kohlick

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