Messe der Berlin Art Week im Flughafen Tempelhof (Quelle: rbb)
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- Art Week lockt Kunstinteressierte und Sammler nach Berlin

Die Berlin Art Week zeigt wieder einmal, wie vielfältig zeitgenössische Kunst sein kann. 15 Museen, 200 Galerien sowie Projekteräume beteiligen sich an der Kunstwoche, auch auf zwei Messen wird ausgestellt. Nicht nur bekannte Künstler, sondern auch der Nachwuchs versucht hier, seine Kunst zu verkaufen.  

Flughafen Tempelhof. Vier Tage lang einer der Hotspots der Art Week. Gleich zwei Messen finde hier statt: Gary Schlingheider ist zum ersten Mal dabei. Einer von rund 300 Künstlern, die zur "Positions" eingeladen sind, die Messe für junge Kunst.

Gary Schlingheider, Künstler
"Das ist auf jeden Fall ein aufregender Arbeitstag, alles ist neu. Messe ist spannend, habe ich noch nie gemacht. Aufbau wird tatsächlich auch spannend, weil der Raum relativ klein ist, 20 Quadratmeter."

Nicht leicht, bei all den weißen Wänden den richtigen Messestand zu finden.

Gary Schlingheider, Künstler

"Gesagt wurde A05, aber so richtig etwas dranstehen tut es nicht."

Gary Schlingheider ist aufgeregt. Seine Arbeiten werden hier ein großes Publikum bekommen. Frisch fertig geworden: eine Skultptur aus Stahl. Während er mit dem Aufbau beginnt, ist man ein paar Hundert Meter entfernt im Hangar 5 schon weiter fortgeschritten. Die zweite Messe "Art Berlin" ist der Ort für die etablierten Galerien und Künstler. 265 Euro pro Quadratmeter kostet hier ein Stand pro Tag. Franziska von Hasselbach vertritt eine der international erfolgreichen Galerien, die sich das leisten können.

Franziska von Hasselbach, Direktorin Sprüth Magers

"Wenn man hier teilnehmen möchte als Galerie, muss man sich bewerben und muss kurz erzählen, wer man ist, was man für ein Programm macht und auch was man hier mit hinbringt. Darauf wird schon geachtet. Es gibt ein Komitee, das entscheidet, welche Galerien hier einen Stand bekommen und welche nicht."

Die Galerie Sprüth Magers zeigt auf der Art Berlin ausschließlich Arbeiten von Künstlerinnen. Mit dabei sind bekannte Größen wie Jenny Holzer oder Rosemarie Trockel, deren Arbeit eine sechsstellige Summe kosten soll.

Zurück zur "Positions". Gary Schlingheider hat vergangenes Jahr seinen Abschluss an der Berliner Universität der Künste gemacht und schon zwei Nachwuchspreise gewonnen. Dass er Künstler wurde, verdankt er seinen Eltern.

Gary Schlingheider, Künstler

"Von Mutterns Seite aus sehr gefördert die Malerei, Vaters Seite war: du musst Handwerker werden, du musst den Betrieb übernehmen, du musst meinetwegen Heizungsbauer werden und dann wirst du Meister und übernimmst den Betrieb. Heute bin ich total glücklich, dass ich beides miteinander vereinbaren kann, das heißt die Metallskulpturen bringen mich auch wieder zum Handwerk."

Teil der Berliner Art Week zu sein, ist für Gary Schlingheider auch deshalb etwas Besonderes, weil in Berlin in dieser Woche so viele unterschiedliche Kunstorte zusammen wirken. Mit dabei sind große Museen wie der Gropius-Bau, der spektakuläre Installationen der koreanische Künstlerin Lee Bul zeigt. Und es gibt auch Kunst umsonst und draußen: hier im temporären Planetarium am Kreuzberger Mariannenplatz kann man buchstäblich eintauchen in ein Universum aus bewegten Bildern.

Zurück auf der Messe "Positions". Gary Schlingheider sucht für seine Stahlskulpur die perfekte Position.

Gary Schlingheider, Künstler
"Wie das richtig liegt, das ist eine gute Frage. Wann ist das Bild fertig, ist genau dieselbe Frage. Was ich tatsächlich liebe ist dieser Zufall, der da mit rein spielt. Wir haben es einfach hingelegt und ja vielleicht ist es so richtig, vielleicht müssen wir es aber noch ein paarmal hin und her bewegen und kommen trotzdem wieder zudem Schluss: Ja, am Anfang war es gut."


Am Ende ist er zufrieden.

Gary Schlingheider, Künstler
"Weil es genau das Ergebnis ist, das man haben wollte, fühlt sich super an. Das Material ist super, es ist sehr schön, es glänzt, es ist lecker. Das ist ein schöner Moment, wenn man das so selbst in die Hände kriegt und dann zeigen kann."

04:05 Jetzt hofft er, dass seine Arbeiten ihr Publikum finden - und ihre Käufer. 

Gary Schlingheider, Künstler
"Ein Satz an der Uni war: Nur 3 Prozent von Euch werden überhaupt was und können davon leben. Aktuell kann ich gut davon leben, meine Tochter ist glücklich. Ja, ich kann davon leben. Das kann nächstes Jahr natürlich anders aussehen. Viel wichtiger ist stetig dabei zu bleiben, um stetig davon leben zu können."


Autorin: Charlotte Pollex

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