Exponat im Palais Populaire (Quelle: rbb)
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- Palais Populaire - ein neuer Publikumsmagnet für Berlin

Im Kunstrausch der Art Week eröffnet die Deutsche Bank einen neuen Kunstort in Berlin. Das "Palais Populaire" will vieles zusammenbringen: Kunst, Literatur, Musik, Sport, Performance und Tanz. Zur Eröffnung läuft die Ausstellung "The World On Paper".

Zwischen Staatsoper und Stadtschloss, noch hinter Bauzäunen versteckt, liegt das "Palais Populaire". Wo lange das legendäre Operncafé war, hat die Deutsche Bank soeben ihre neue Kunstlocation eröffnet. Die Kunsthistorikerin Elisabeth Klotz gibt heute hier die allererste Führung fürs Publikum.

Elisabeth Klotz, Kunsthistorikerin
„Ja, wir sind hier beim Palais Populaire, auch als Prinzessinnenpalais. Ich denke, wir gehen mal rein."


Der einstige Rokoko-Bau wurde in der DDR als Museum und Disco genutzt. Frisch renoviert öffnet er jetzt die Türen als Kunstort, der alle einladen will.

Elisabeth Klotz, Kunsthistorikerin
"Das Spannende daran, Führungen zu machen ist, man weiß nie, was für ein Publikum man bekommt. Das ist aufregend für mich. Die erste Führung generell ist immer aufregend."

Die Eröffnungsausstellung "The World on Paper" präsentiert ausschließlich Arbeiten auf Papier. Verblüffend, wieviel unterschiedliche Kunst sich mit diesem Medium machen lässt, auf dem schon jedes Schulkind herumkritzelt.

Elisabeth Klotz, Kunsthistorikerin
"Wir beginnen hier erst mal mit der Faszination des Materials. Das ist eine Arbeit von Katharina Grosse. Das Papier selbst ist das Kunstwerk, indem sie nämlich verschiedene Papierbahnen monochrom angemalt hat."

Ob abstrakte Kunst, Buntstiftzeichnung oder dreidimensionale Collage - auf drei Stockwerken entfalten 133 Künstler ihre Ideen. Den Teilnehmern der Führung gefällt die Ausstellung an diesem historischen Ort.

Besucherin
"Diese Mischung finde ich total gelungen. Ich finde dieses Alte schön und ich find dieses Neue fantastisch."

Die Papierexponate bilden den Kern der Kunstsammlung der Deutschen Bank. Joseph Beuys mal nicht mit Filz und Fett, sondern Bleistift und Tusche. Martin Kippenberger zeichnet sich auf Hotelbriefpapier seine Reisen schön. Jörg Immendorf führt ein Biennale-Tagebuch mit Wasserfarben. Und eine Konzeptkünstlerin füllt Kästchenpapier manisch mit Tausenden Ziffern. Elisabeth Klotz ist fasziniert.

Elisabeth Klotz, Kunsthistorikerin 
"Hanne Darboven ist besessen von der Zahl. Sie ist besessen davon, der Zeit eine feste Form zu geben."

Das Publikum, darunter viele Berliner, ist begeistert. Im Untergeschoss können sie dann noch einen Blick in die Zukunft werfen - Kunst zum Mitmachen, mit einer virtuellen Brille.

Elisabeth Klotz, Kunsthistorikerin
"Sie sind herzlich eingeladen, das im Anschluss an die Führung auszuprobieren. Oder will das jetzt jemand machen vielleicht?"

Mit dieser Brille kann man in eine andere Realität eintauchen. Manche erinnern sich dabei zurück an die Zeit, als sich hier im Prinzessinnenpalais das berühmte Operncafé befand.

Besucherin

"Ich war 1973 das erste Mal in Berlin und das erste Mal Kaffee trinken in diesem Café. Dass es jetzt zu so einem Leben erweckt wird, find ich spitze. Das passt richtig zu Berlin."

Besucher
"Wir haben in erster Linie das Café genutzt und vermissen das auch ein bisschen. Beste Kuchenauswahl in Berlin. Aber wir sind natürlich auch froh darüber, dass es jetzt hier einen Ort der Kunst gibt."

Dass hinter diesem Kunstort eine Bank steht, irritiert im Publikum niemanden.

Besucher 
"Man weiß natürlich auch, dass es Steuersparmodelle sind und Stiftungen, die dahinterstehen. Man kann es also von diesen beiden Seiten sehen. Wir genießen die Kunst."

Auch Elisabeth Klotz hat die Ausstellung bei der Führung noch einmal neu entdeckt.

Elisabeth Klotz, Kunsthistorikerin

"Mit hat das total viel Spaß gemacht. Interessantes Publikum, tolle Kunst. Da gebe ich gerne eine Führung."

Das Palais Populaire - bestimmt ein neuer Publikumsmagnet.


Autor: Norbert Kron

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