Florian Henkel von Donnersmarck auf einem Boot (Quelle: rbb)
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- Florian Henkel von Donnersmarcks "Werk ohne Autor"

Der dritte Film von Florian Henkel von Donnersmarck wartet mit viel deutscher Schauspiel-Prominenz auf. In "Werk ohne Autor" spielt Tom Schilling einen jungen Künstler im Nachkriegsdeutschland, dessen Leben stark an das von Gerhard Richter erinnert.

Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck zurück auf dem Roten Teppich: Für ihn hängt viel daran, dass dieser Film ein Erfolg wird: "Werk ohne Autor", ein Mammut-Epos. Drei Stunden Bilderrausch, es geht um Kunst und Verbrechen, die deutsche Geschichte.

Inspiriert hat ihn das Leben von Gerhard Richter - derzeit der berühmteste deutsche Maler. Immer wieder hat von Donnersmarck den scheuen Künstler getroffen. In Dresden beginnt seine Karriere mit Sozialistischem Realismus. Erst mit seiner Flucht aus der DDR 1961 befreit er sich. Richter - im Film der Maler Kurt Barnert - zieht es an den Ort der Avantgarde, die Kunstakademie Düsseldorf. Dort steht er erstmal vor dem Nichts.

Szene aus "Werk ohne Autor"
"Weiß auf weißem Grund – ist das die neue Kunst? Sinnbild der Leere, so könntest du es nennen. Vielleicht wird es ja eine Sensation."

Der Schwiegervater, ein alter Nazi, hat nur Verachtung übrig für den introvertierten Künstler. Dass sie eine dunkle Geschichte verbindet, ahnt Kurt nicht. Tom Schilling spielt diesen Maler. Er macht das einfach toll. Zurückhaltend, leise.

Tom Schilling, Schauspieler
"Gerhard Richter hat ja natürlich biografisch ganz interessante Verwebungen, die viel über deutsche Geschichte erzählen, die viel darüber erzählen, wie eng Täter und Opfer manchmal zusammen leben können und wie sehr das auch mit Grau und Zwischenstufen zu tun hat."

Es ist eine traurige, unglaubliche Geschichte, die dieser Film erzählt: Kurts geliebte Tante wird von den Nationalsozialisten ermordet. Schizophrenie wird ihr diagnostiziert.

Szene aus "Werk ohne Autor"
"Tante Elisabeth, du blutest."

Und just der Arzt, der für die Umsetzung des Euthanasieprogramms in Dresden verantwortlich ist, wird später sein Schwiegervater. All das entdeckt der Maler intuitiv durch seine Bilder, erzählt der Film. Die Malerei entlarvt die Wahrheit, weil Kurt dem Lebensmotto der Tante folgt.

Szene aus "Werk ohne Autor" 
"Sieh nicht weg, nie wegsehen, Kurt. Alles was wahr ist, ist schön.“

Tom Schilling, Schauspieler
"Darum geht es ja auch in dem Film und in der Kunst von Gerhard Richter, dass das Persönliche der ganz wichtige Unterbau für gute Kunst ist. Aber dass er trotzdem verschleiert wird und dechiffriert."

Dieser Film aber ist gewiss nicht subtil. Von Donnersmarck hat einen bombastischen Spielfilm gedreht, der alles, wirklich alles zeigt. Man sieht sogar, wie die Tante in der Dusche vergast wird. Für diese so schön inszenierten Bilder wurde der Regisseur nach der Premiere auf dem Filmfest Venedig heftig kritisiert. Alles so explizit - aber warum? Von Donnersmarck sagt, er wolle der Opfer gedenken. Wirklich?

Das Leben von Gerhard Richters Tante erzählt dieses Buch: Ihr Sterben dauerte Jahre, sie wurde systematisch vergiftet, unterernährt, gequält. Vergast wurde sie nicht. Gerhard Richter erinnert mit diesem Gemälde an seine Tante: seine Liebe und Trauer hüllt er in zarte Unschärfe. Von Donnersmarck jedoch benutzt ihr Schicksal nur für seine holzschnittartige Fiktion und peppt sie hollywoodtauglich auf. Eine würdige Erinnerung ist das nicht gerade.

Florian Henckel von Donnersmarck, Regisseur

"Das ist doch ein interessanter Startpunkt für eine Fiktion. Ich wollte mich jetzt nicht jetzt nicht an seinem Lebenslauf abarbeiten. Ich wollte ein eigenständiges Kunstwerk schaffen, aber habe diese Tatsachen als Ausgangspunkt genommen."

Die Freiheit der Kunst treibt auch die Avantgarde im Film um und hier wird es amüsanter: pointiert geben diese Szenen den Zeitgeist wieder. Unschwer ist Künstlerguru Joseph Beuys zu erkennen.

Szene aus "Werk ohne Autor"
"Wählt nie wieder eine Partei. Wählt die Kunst. Nur der Künstler kann den Menschen nach dieser Katastrophe das Gespür für ihre Freiheit zurückgeben. Wenn ihr nicht frei seid, vollkommen frei, wird es niemand sein."

Tom Schilling, Schauspieler

"Ich glaube, Kunst ist halt immer frei, und gute Kunst ist sehr, sehr frei. Deswegen wird es sie immer geben.“

Der Film "Werk ohne Autor" aber ist schlimmer Kitsch. Zu schön und fett inszeniert, alles kulissenhaft und künstlich. Das kann auch ein Tom Schilling nicht retten. Schade drum.


Autorin: Petra Dorrmann

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