Ausstellung Artefakte (Quelle: rbb)
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- Ausstellung ARTEFAKTE

Im Naturkundemuseum ist gerade eine aufwühlende Ausstellung zu sehen: Was aussieht wie bunte Aquarelle, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als reine Katastrophe.

Der Fotograf Henry Fair ist auf dem Weg zu seiner jüngsten Arbeitsstelle. Dass er mit dem Rad kommt, hat auch mit dem zu tun, womit er sich seit 20 Jahren beschäftigt: Henry Fair erforscht die Spuren, die der Mensch in der Umwelt hinterlässt. Völlig klar, das Naturkundemuseum ist für ihn einer der großartigsten Orte.

Das ist so ein besonderer Ort hier.

In versteinerten Knochen und Pflanzen ist hier die Jahrmillionen alte Evolutionsgeschichte versammelt. Henry Fair zeigt nun an diesem Ort Naturaufnahmen der Gegenwart. Seine riesigen, bunten Bilder zeigen allerdings Spuren, die der Mensch hinterlassen hat. Er überfliegt mit seiner Kamera handgemachte Katastrophengebiete - wie die explodierte Ölplattform Deep Water Horizon.

J. Henry Fair, Fotograf
Ehrlich gesagt war es wie im Krieg. Stellen Sie sich vor: eine riesige Industriefläche mitten auf dem Ozean mit 30 Schiffen, überall Öl und Qualm - es war alles düster und diesig und chemisch. Es war das traumatischste Erlebnis, das ich je in meinem Leben hatte.

Das Öl leuchtet rot von den chemischen Zusätzen, die es absinken liessen. Allerdings sind die noch giftiger, als das Öl selbst. Eine Katastrophe. Die meisten Bilder zeigen allerdings den  verstörenden Alltag - die klar kalkulierten Folgen von Massentierhaltung oder Energieerzeugung. Und er hält auch uns Deutschen dabei den Spiegel vor: für sein jüngstes Foto überflog er den Hambacher Forst.

J. Henry Fair, Fotograf
Was wir hier sehen, ist die Fläche, auf der der Wald vor 5 Jahren noch stand.

Der restliche Wald ist gleich hier drunter im Süden. Wir sehen die Bissspuren der Bagger, die hier lang kratzen. Die bunte Brühe hier - da bin ich mir ziemlich sicher - ist das sogenannte saure Grubenwasser.

Im Kampf um die restlichen 10% des Forstes sieht Henry Fair viel mehr, als nur die Erhaltung von ein paar Hektar Grünfläche.


J. Henry Fair
Es ist erstmal ein echter Wald, der auch genau deswegen bewahrt bleiben sollte. Aber er ist gleichzeitig auch ein Symbol. Er ist wie eine Hindernis-Mauer, die zwischen der schmutzigen Braunkohleverbrennung und saubererer Alternativen steht.

Arte-Fakte heisst die Ausstellung - die die Kunst von Henry Fair wissenschaftlichen Fakten gegenüber stellt. Per Livestream kann man sogar mit Wissenschaftlern in aller Welt diskutieren. Die Vitrinen zeigen in nüchternen Zahlen - wie hoch der genaue Wasserverbrauch oder CO2 Ausstoß bei der Fleisch- oder Konsumproduktion wirklich ist. Kunst und Fakten stehen sich gegenüber - und der Fotograf trifft einen Wissenschaftler, der hier am Haus selber forscht. Vor ihnen: Die Abfallhalde einer Glyphosat-Fabrik.

Johannes Müller, Paläozoologe
Es ist gruslig und schön zugleich!

J. Henry Fair
Ich liebe das Gesicht. Das schreiende Gesicht.

Auch als Ausstellungsgast kann man den Forschern bei der Arbeit an dem 3-D-Röntgen-Scanner zusehen, der eben auch Umwelteinflüsse in den Knochen deutlich sichtbar werden lässt.

Die Natur wirkt auf uns zurück - Henry Fair macht das deutlich: sein schöner, rosa Selfie -Hintergrund ist beim näheren Besehen nichts anderes, als ein Becken voller Schweinekot - Rosa gefärbt von den ganzen zugefütterten Hormonen.

J. Henry Fair
Für mich kann Kunst einen Dialog wiederbringen, gerade heute, wo viele Leute in ihren Meinungen so verkrustet sind, dass sie nicht mehr miteinander reden.

Für die Mädchen ist plötzlich das Unsichtbare sichtbar geworden - hinter der so schönen Oberfläche verbirgt sich eben auch oft ein Haufen voller Scheiße.

Autor: Dennis Wagner

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+ Festival "Film:ReStored"
+ "George Grosz"-Ausstellung
+ Kunstbuchmesse "Friends with Books"

Die Capella de la Torre in der kulturradio Klassik Lounge im Watergate, Berlin 2018; © Tomasz Kurianowicz
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Capella de la Torre

Das Ensemble "Capella de la Torre" spielt Stücke aus dem späten Mittelalter und zeigt uns, dass "Pommer" und "Dulzian" Musik machen.