Der Regisseur Thomas Ostermeier (Quelle: imago/Horst Galuschka)
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- Erfolgreiche Absolventen

Obwohl das Studium so nervenaufreibend ist – alle wollen hierher. Was macht die Ernst Busch so besonders?

So sieht entspanntes kreatives Arbeiten aus. Thomas Ostermeier, einer der bekanntesten deutschen Theatermacher, im Workshop mit Regiestudenten von der Ernst-Busch-Schule. Wie erzähle ich eine Handlung am wirkungsvollsten?

Verena hat sich getrennt und dann kommt sie wieder…

Früher saß Thomas Ostermeier als Student auf der anderen Seite. Wir konfrontieren ihn mit seiner Vergangenheit.

Unglaublich.

Ausschnitte aus seiner Diplominszenierung –  Thomas Ostermeier inzwischen Intendant an der Berliner Schaubühne, hat Regie an der Ernst-Busch-Schule studiert, in den frühen Neunzigern. Für ihn als Westdeutschen schien diese Schule im Osten Berlins damals ideal – ihn reizte die Tradition von Bertolt Brecht, vom realistischen und politischen Theater.

Thomas Ostermeier, Intendant der Schaubühne
Es war 'ne Welt, die war geprägt von den geistigen Nachfolgern von Bertolt Brecht, Heiner Müller, ostdeutschen Intellektuellen, Autoren, die sehr widerständig und angepasst denken konnten. Die sowohl im Kontext Ostdeutschland unangepasst dachten als auch sich nicht vom Westen vereinnahmen ließen. Wie zum Beispiel Thomas Brasch, Heiner Müller, und diese Welt war präsent in dem Institut.

Auch sie hat an der Ernst-Busch-Schule studiert – vor zehn Jahren hat Marie Burchard ihr Schauspielstudium abgeschlossen. Nun ist Thomas Ostermeier ihr Intendant an der Schaubühne – und nicht nur ihrer.

Marie Burchard, Schauspielerin
Genau, das große Ernst-Busch-Quiz, welche Absolventen haben wir an der Schaubühne? Robert Beyer, ein großartiger Kollege. Ja, der Mark Waschke, war auf der Ernst Busch. Lars Eidinger, ich glaube, er war auf der Ernst Busch…

Die sogenannten "Buschis" aus all den Jahren, hier nur ein paar Wenige, man sieht sie überall, im Film, am Theater.

Das soll ich sein, ich war auf der Ernst Busch. Eine meiner schönsten Autogrammkarten …

Marie Burchard
Wir haben ja diese Grundlagenseminare ganz am Anfang und ich saß da mit all diesen unfassbar talentierten Kommilitonen und hab die immer angeschaut und dachte: Irgendwann müssen die doch merken, dass ich hier irgendwie fehl am Platze bin. Irgendwann kommt bestimmt irgendwie so: Marie, wir haben es uns doch anders überlegt, du bist noch nicht so weit.

Es hat dann doch gereicht bei Marie Burchard.

Studentenparties, Fechten, Szenenstudium. Vier prägende Jahre auf dem Weg zur Erkenntnis.

Marie Burchard
Man kommt an und hat die unbewusste Inkompetenz. So. Dann kommt hoffentlich – und das ist das Schwierigste zu ertragen – die bewusste Inkompetenz, das ist ziemlich unangenehm. Wenn man Glück hat, kommt man irgendwann zur unbewussten Kompetenz und zum Schluss dann zur bewussten Kompetenz. Und das ist natürlich dann ein schwieriger Weg.

Manche Tradition und ein besonderer Geist haben sich gehalten, an der Schule, sagt Thomas Ostermeier. Ein enges Betreuungsverhältnis, zum Beispiel. Sprache ist nicht nur Labern – diese entwaffnende Logik ist ihm besonders wichtig. Warum tut jemand, was er tut? Wenn das klar wird, ist auf der Bühne schon viel erreicht.

Thomas Ostermeier
So versuche ich in meiner Ausbildung etwas den Schülern an die Hand zu geben, was in dem Spruch zusammenfassen kann: Wenn ihr alle Genies seid, schadet es euch nicht, ein bisschen Werkzeug an der Hand zu haben.

In seinen Studentenjahren, sagt Thomas Ostermeier, war er frei von Zweifeln. Das mag sich geändert haben. Aber eine gute Schule hilft ein Leben lang.

Autor: Steffen Prell

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+ "George Grosz"-Ausstellung
+ Kunstbuchmesse "Friends with Books"

Die Capella de la Torre in der kulturradio Klassik Lounge im Watergate, Berlin 2018; © Tomasz Kurianowicz
Tomasz Kurianowicz

Capella de la Torre

Das Ensemble "Capella de la Torre" spielt Stücke aus dem späten Mittelalter und zeigt uns, dass "Pommer" und "Dulzian" Musik machen.