Sebastian Fitzek vor einer alten Villa in Berlin (Quelle: rbb)
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- Sebastian Fitzek

Er ist Deutschlands erfolgreichster Krimiautor. Zu seinen Lesungen kommen auch mal mehr als 1.000 Zuhörer. Nun ist Sebastian Fitzeks 16. Psychothriller erschienen, der nicht weniger gruselig als die Vorgängerromane ist.

Wieder ist der Täter ein ausgemachter Fiesling, der diesmal genüsslich Kinder ermordet. Auch in seinem 16. Psychothriller kann Fitzek nicht anders. Doch die Realität, so sagt er, sei oftmals viel grausamer.

Sebastian Fitzek, Schriftsteller
"Ich muss nur das Stichwort Botschaft und Istanbul sagen, und das was da augenscheinlich passiert ist, das kann sich kaum ein Thriller-Autor ausdenken. Was für mich viel mehr im Fokus steht ist die normale Person, so wie Du und ich, also die Menschen, die nicht darauf trainiert sind, mit Gewalt umzugehen - wie reagieren die im Angesicht einer solchen Katastrophe. Die Gewalt reißt ihnen die Maske vom Kopf, und auf einmal müssen sie intuitiv handeln und sich auch Grundsatzfragen stellen.“

Als vor 12 Jahren sein erster Thriller erschien, war es der Hörspielsprecher Simon Jäger, der mit seiner Interpretation Fitzek schlagartig auf die Spitze der Hörbuchcharts trieb und mit zu seinem Ruhm verhalf. Seitdem liest und spricht Jäger jedes neue Buch von ihm.

Simon Jäger, Hörspielsprecher
"Ich bin manchmal ungeduldig. Wenn ich anfange zu lesen, dann will ich es schnell durchhaben. Und da ich die Telefonnummer habe, juckt es mich manchmal: Was wird das? Bleibt das da jetzt so dunkel? Stirbt der jetzt oder nicht? Oder was? Aber nein, vorher reden wir nicht drüber.“

Sebastian Fitzek, Schriftsteller
"Tatsächlich beim allerersten Buch, da hat man so ein bisschen gemerkt, dass du es durchgelesen hast in einem Stück. Und er wurde immer schneller. Weil er wissen wollte... Das allererste Hörbuch 'Die Therapie', 2006, da hört man, am Ende ist es ein bisschen schneller als am Anfang. Aber das fand ich ein gutes Zeichen."

Im neuen Roman will ein verzweifelter Vater wissen, ob der Psychopath auch dessen verschollenen Sohn ermordet hat. Um Gewissheit zu erlangen, will er sich in die Gefängnisklinik schleusen lassen. Er muss den sadistische Fiesling persönlich befragen - ohne Rücksicht auf die Gefahr, in die er selbst rennt.

Simon Jäger liest aus "Der Insasse"
"Darüber mache ich mir Gedanken, sobald ich drin bin. Ich finde schon einen Weg." "Schwachsinn! Erwarte nicht, dass ich Dich bei Diesem Himmelfahrtskommando unterstützen werde."
"Ach nein?", fragte Till, packte einen Büschel seiner Haare direkt an der Stirnwurzel und riss es sich aus.


Bei aller Absurdität der Story, Fitzek weiß die Nervenstränge der Leser um die Finger zu wickeln, denn im Kern steckt doch eine echte und tiefe Angst.

Sebastian Fitzek, Schriftsteller
"Ich glaube, dieser ungewisse Zustand, dieses Schweben zwischen Wissen und Ahnen, das ist das, was ich mir am grauenhaftesten vorstelle."

Fitzek braucht die idyllische Umgebung seines Büros im Grunewald, um seine finsteren Geschichten schreiben zu können, sagt er. Ganz in der Nähe befindet sich zum Beispiel diese verlassene Villa.

Sebastian Fitzek, Schriftsteller
"Zur Zeit ist es Hauptbestandteil der Geschichten, die ich meinen Kindern abends erzähle. Die wollen nämlich Gruselgeschichten haben, man glaubt es kaum. Dann bin ich mit ihnen hier auch vorbeigefahren und habe ihnen erzählt, dass immer kurz vor Zehn, da wo die Uhr stehengeblieben ist, dann die Geisterhand rauskommt und die Kinder, die müssen im Auto sein, da sind sie safe, aber ansonsten würden sie auch dort drin sein. Und dann erleben sie Abenteuer. Und was sie da für Abenteuer erleben, das erzähle ich dann."

Gruselgeschichten als Einschlafhilfe scheinen auf den ersten Blick einer recht seltsamen väterlichen Fürsorge zu entspringen, oder?

Sebastian Fitzek, Schriftsteller
"Ich habe eher Angst, ihnen 'Hänsel und Gretel' vorzulesen. Das habe ich nämlich mal gemacht. Da saß ich im Kindergarten, wurde zum Vorlesetag gebeten und habe 'Hänsel und Gretel' vorgelesen. Da dachte ich: alter Verwalter, dass eine Oma - ich meine, ich kannte die Geschichte ja schon - aber eine alte Dame wird im Ofen gegrillt, die Kinder gucken dabei zu. Ja, da ist 'Der Insasse' gar nichts dagegen."

Als Kinder-Vorlesebuch wäre Fitzeks neuer Thriller trotzdem ungeeignet. Die Bosheit in seinen Romanen ist viel tiefgreifender.


Autor: Dennis Wagner

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