Intendant Matthias Schulz in der Staatsoper Berlin (Quelle: rbb)
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- Matthias Schulz und die große Oper

Seit März 2018 ist Matthias Schulz Intendant der Staatsoper Unter den Linden. Das Berliner Traditionshaus ist wie neu - nach einem gewaltigen und teuren Umbau. Eine besondere Führung mit dem Chef hinter die Kulissen.

Ein Haus wie eine Pralinenschachtel. Das ist die Staatsoper Unter den Linden. Matthias Schulz zeigt sie uns. Der 41-Jährige hat am Salzburger Mozarteum Klavier studiert. Seit einem halben Jahr ist er Chef der traditionsreichsten Oper Berlins.

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
"Also, am Opernhaus mit das Tollste sind einfach die Typen, die hier arbeiten. Vielleicht bin ich deswegen kein Pianist geworden, weil am Ende zu viele Stunden am Klavier zu verbringen zu autistisch ist. Aber ich wollte auch immer mit Menschen zu tun haben."

Sieben Jahre lang war in diesen Gängen vor allem Baustellenlärm zu hören. Matthias Schulz ist der erste Intendant der renovierten Staatsoper Unter den Linden. Ein kurzer Besuch beim Salonorchester mit Musikern der Staatskapelle. Heute ist Countertenor Jochen Kowalski im Probensaal.

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
"Wir sagen ja dazu das Jägerzimmer. Wenn man den Vorhang ganz schließt, dann ist es trocken, aber dann hört man wirklich alles. Und wenn man den ganz öffnet, dann hat man ungefähr die gleichen Bedingungen wie auf der Bühne."

Jochen Kowalski, Countertenor
"Man wird nicht heiser hier."

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
"Man wird nicht heiser. Ein neues Licht haben wir auch noch rein gemacht."

Jochen Kowalski, Countertenor
"Man wird nicht müde, man kriegt keine Kopfschmerzen."

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
"Kein Orchester-Musiker kann sich mehr beschweren."

Jochen Kowalski, Countertenor
"Die beschweren sich immer."

Ein Blick in den neuen Unterbau der Oper. Allein 25 Millionen Euro kostete dieser Tunnel, der Probenzentrum und Operngebäude miteinander verbindet.

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
"Für uns gibt es die Möglichkeit eben von dort hinten, wo ein großer Proberaum ist, bei diesem Gebäude hinter der katholischen Kirche, einfach Bühnenbilder als Ganzes durch diesen Tunnel auf einen Lift zu bekommen, dort in die Unterbühne und dann auf die Bühne. Ich glaube ein Opernhaus überhaupt ist das komplexeste Bauwerk, das man bauen kann. Was man hier sieht, ist die Unterbühne. Die ist neun Meter tief. Auf dieser ganzen Bühne, wenn man sich die Dimensionen bewusst macht, ist hier vom Gewicht her so viel Material verbaut worden wie ein Drittel des Eiffelturms."


Die Hauptbühne. Hier wird gerade die Kulisse für die Ballettpremiere von "La Bayadère" eingerichtet.

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
"Oper ist ja so ein bisschen im besten Sinne von allem zu viel. Aber es ist toll, dass die Gesellschaft so etwas hervor bringen kann. Und das zu zeigen, dass das nicht etwas Abgehobenes ist, sondern dass da jeder was Tolles erleben kann."

1.370 Sitzplätze hat der barocke Zuschauersaal. Frisch gepolsterte Stühle für den perfekten Operngenuss. Mit wenigen Abstrichen.

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
"Es gibt halt Plätze, die im zweiten und dritten Rang ganz vorne sind. Da sieht man dann oft, wie die Leute aufstehen, um noch einen guten Blick zu haben. Ganz oben nennen wir sie Hörplätze. Hörplätze, muss man allerdings sagen, sind richtig gute Hörplätze, weil das Klangvolumen dort sehr toll ist. Man sieht ja hier oben dieses Kunstkeramik gegossene Netz, dahinter ist noch mal so ein Leerraum und wir nennen das Nachhall-Galerie. Und ich glaube, für so ein Opernhaus hat man jetzt so ein optimales Verhältnis zwischen Klangentfaltung und dass man den Text verstehen kann."

Von der großen Bühne zum intimen Kammerspiel. Der alte Orchesterprobenraum der Staatsoper ist neue Spielstätte. Das Bühnenbild ein Wohnzimmer. Sofapausen sind im Leben des Intendanten, der übrigens Vater von fünf Töchtern ist, eher selten.

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
"Ich lebe sozusagen sowohl beruflich als auch privat immer in einem Zustand der Überforderung. Nein, für mich ist es einfach nur wichtig, so eine gewisse Gelassenheit zu behalten. Wenn man bei jeder Bombe, die da täglich im Opernhaus oder auch zu Hause hochgeht, wenn man da jedes Mal gleich durchdreht, dann wird es natürlich schwierig werden. Man muss, glaube ich, so ein bisschen lernen zu schauen, wo ist wirklich ein Problem und wo schreit jemand nur."


Autorin: Charlotte Pollex

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