Berliner Schüler proben für die Performance "Signals-Resonating Revolutions" (Quelle: rbb)
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- Erinnerung an 100 Jahre Revolution

Grundrechte wie das Frauenwahlrecht und Meinungsfreiheit konnten durch die Novemberrevolution errungen und in der Verfassung verankert werden. Zahlreiche Kunstaktionen und Ausstellungen in diesem Jahr zeigen die Auswirkungen, die die Revolution damals auf alle Lebensbereiche hatte.

Lina hätte nie gedacht, dass Geschichte so viel Spaß machen kann. Unterricht an der Evangelischen Schule Berlin-Mitte. Heute wird rote PVC-Folie gewalzt, geklebt und aufgepustet. "Tools for Action", Werkzeuge für Aktionen, heißen die Objekte. Und was haben die mit der Novemberrevolution zu tun?

Jonathan, Schüler
"Es geht ja um revolutionäre Sachen. Es ist ein Weg von Protest sozusagen."

Ein Künstlerkollektiv hatte die Idee dazu und Lehrer gefragt, ob sie mit ihren Schülern dabei sein wollen. Spielerisch eine Revolution verstehen und zeigen, wie man mit künstlerischen Mitteln auf politische Ideen aufmerksam macht.

Artur van Balen, Künstlergruppe "Tools for Action"

"Wenn es aufgeblasen ist, hat es ein Riesenvolumen. Es geht darum, wirklich Platz einzunehmen im öffentlichen Raum für bestimmte Themen und damit auch Position einzunehmen, politische Position."


Schüler proben den Aufstand. Am 11. November wird es einen Demonstrationszug durch die Stadt geben. An 100 Jahre Revolution soll erinnert werden.

Janina Nentwig und Ralf Burmeister sind in der Berlinischen Galerie dabei ihre Ausstellung aufzubauen. Bilder der Novembergruppe, Künstler, die sich 1918 zusammengeschlossen haben. Die Novembergruppe verbindet ein radikales Bekenntnis zur Freiheit. Das sieht man auch ihrer Kunst an.

Ralf Burmeister, Kurator
"Die Künstler der Zeit vor 100 Jahren glaubten, dass mit Kunst der Mensch besser wird."

Janina Nentwig, Kuratorin 
"Denn, wenn die Menschen ihre Kunst betrachten, so war die Vorstellung, dann öffnen sie sich für das Neue, dann bekommen sie neue Sichtweisen auf die Welt und wenn man sich öffnet, tolerant ist, dann ist es auch gut für die ganze Gesellschaft."


Sorgfältig haben sie recherchiert und aus Archiven bisher ungesehene Fundstücke zu Tage gebracht. Sie zeigen, welch künstlerischen Reichtum die Novembergruppe bis 1935 hervorbrachte.

Janina Nentwig, Kuratorin 
"Das sind alle Einladungen zu den Festen, die die Novembergruppe veranstaltet hat. Die Novembergruppe hat mindestens zwei Mal im Jahr Bälle veranstaltet, meistens Kostümfeste, und die waren ein echter Publikumsrenner. Die haben bis zu 6.000 Leute in allen Räumen der Philharmonie zu Gast gehabt und mit den Eintrittsgeldern haben sie dann ihre übrigen Aktivitäten, die Konzerte und die Ausstellungen finanziert."


Apropos Unterhaltung: Revolution und Rausch, erstmals wirft eine Ausstellung einen Blick auf die Vergnügungssucht nach dem Weltkrieg. Umsturz hin oder her, das Plakat vom "Ballett Charell" wirbt weiterhin für einen unbeschwerten Abend. Im Apollo-Theater geht gerade die Welt unter - mit 150 Mitwirkenden auf der Bühne.

Evelin Förster, Kuratorin
"Bemerkenswert ist die Parallelwelt, die entstanden ist. Also, wenn sie sehen, tagsüber wurde auf den Straßen gekämpft und abends wurde sich amüsiert. Das heißt, nicht nur in den Theater, man ging in die Revuen, man ging in die Ballsäle. Man hat sich einfach vergnügt."

Legendärer Treffpunkt damals: die mondäne Bar "Kakadu" am Kurfürstendamm. In Berlin ist das Tanzfieber ausgebrochen. Und die Tische der Vergnügungspaläste sind weiß gedeckt. Besonders begehrt bei Soldaten sind die frivolen Ballettabende leicht bekleideter Damen.

Evelin Förster, Kuratorin 
"Es gibt eine ganz interessante Aufzeichnung von Erna Offeney. Das ist eine Tänzerin, die hat Schönheitstanz gemacht. Und sie beschreibt in einer ihrer Tagebuchaufzeichnungen: Sie hat einen Tanzabend gegeben, und es saßen Soldaten in der ersten Reihe. Jeder hatte nur einen Arm, und sie applaudierten mit Hand des Anderen."

Zurück zur evangelischen Schule in Berlin-Mitte. Gemeinsam mit der Künstlergruppe "Tools for Action" bekommen die Schüler eine Ahnung davon, dass es über die Novemberrevolution noch viel zu erfahren gibt.

Lina, Schülerin
"Natürlich werden wir die Novemberrevolution immer mit diesem Workshop in Verbindung setzen und mit dieser Art von Demonstration und dieser Art von Revolution auch. Es macht auch einfach total Spaß mit diesen Dingern."


Autorin: Charlotte Pollex

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