Die Künstler von Plastique Fantastique mit Sitzteilen ihrer neuesten Plastikinstallation (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- "Plastique Fantastique"

Ihre Plastik-Skulpturen sind begehbare Räume, die schon bei vielen Festivals, Lesungen oder Performances als temporäre Räume dienten. Für das Projekt "100 Jahre Revolution - Berlin 1918/19" fertigt die Berliner Gruppe "Plastique Fantastique" einen begehbaren Ausstellungsraum, der an unterschiedlichen Orten in Berlin zu sehen sein wird.

Bilder wie aus einem Traum – eine Plastikhülle, aufgeblasen mit Luft. Räume nur für eine begrenzte Zeit. Plastique Fantastique entwerfen Orte für Konzerte, Begegnungen oder Theater. In ganz Europa bauen die Architekten Marco Canevacci und Yena Young solche Räume. In ihrem Atelier in Berlin-Mitte erzählen sie, wie alles angefangen hat.

Marco Canevacci, Plastique Fantastique
"Unsere Geschichte ist parallel gelaufen mit dem Wachstum von den Billigairlines. Plötzlich war es möglich zu zweit irgendwo hinzufliegen. Einer hatte den Ventilator und der andere die Plastikbubble, als bei Easy Jet aufgegebenes Gepäck. So haben wir angefangen, alles zu bauen bis 25 Kilo, damit wir damit verreisen können."


Die frühen 90er Jahre in Ostberlin haben Marco Canevacci geprägt. Hier war im Gegensatz zu seiner Heimatstadt Rom alles möglich. Der Italiener besetzt eine Wohnung, studiert Architektur, macht mit Freunden einen Club auf. Dort haben sie auch das erste Mal Räume aus Plastikfolie gebaut, damit es nicht so kalt war.

Inzwischen geht es bei Plastique Fantastique um mehr: Die Architekten wollen, dass sich der Blick auf das gewohnte Stadtbild ändert, wie hier in Madrid.

Marco Canevacci, Plastique Fantastique
"Die größten Vorteile sind die Leichtigkeit, das schwierigste natürlich sind die Widersprüche mit dem Umweltbewusstsein. So kann man viel argumentieren. Wir haben in einem Wald in Holland eine Installation gemacht mit 250 Quadratmeter Fläche, und diese Installation passte auf einen Palette. Wenn man eine überdachte Installation dieser Größe haben möchte, mit Holz und Textil, das ist auch nicht unbedingt ökologischer."


Bei diesem Festival auf einer kleinen Insel in der Nordsee, hat die Natur die Räume immer wieder verändert - mit Licht, Geräuschen und Wind.

"Wir mögen Wind, aber man muss deswegen richtig aufpassen. Deswegen haben wir jedes Mal, wenn wir eine Installation im Außenbereich haben, ein Team vor Ort, und dieses Team soll entscheiden, ab wann die Lage anders wird. Im härtesten Fall wird dann die Installation abgebaut."

Bis Windstärke Vier ist alles gut, danach wird es heikel. In Helsinki bauten die Architekten mitten in der Innenstadt eine Art Zelt. Und das wurde viel besucht. Zu Veranstaltungen, aber auch einfach mal in der Mittagpause.

Yena Young, Plastique Fantastique
"Menschen aus Finnland sind eher bekannt dafür, dass sie sehr zurückhaltend sind, aber wir haben festgestellt, dass sie sich plötzlich miteinander unterhalten haben in der Blase, einfach Smalltalk gemacht haben. Und ich denke, das hat auch etwas mit der Magie dieser aufblasbaren Architektur zu tun."

Auch bei ihrem neuen Projekt "100 Jahre Revolution" mit dem historischen Möbelwagen, geht es darum, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Dafür näht die Architektin Yena Young noch die letzten Sitzmöbel. Am Sonntag muss alles fertig sein.


Autorin: Bettina Lehnert

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