Filmemacher Erik Lemke im Berlin Excelsior-Hochhaus (Quelle: rbb)
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- "Berlin Excelsior"

Der Dokumentarfilm von Erik Lemke erzählt Geschichten von Menschen, die unterschiedlicher und manchmal auch verrückter nicht sein könnten. Aber etwas bringt sie jeden Tag zusammen: Sie wohnen in einem riesigen, ziemlich monströsen Wohnblock in Berlin-Kreuzberg - dem Excelsior-Haus.

18 Stockwerke mit mehr als 500 Wohnungen: Das Excelsior in Berlin-Kreuzberg ist ein faszinierender Mikrokosmos. Dieses Haus ist wie die Stadt: voller skurriler, trauriger und liebenswerter Menschen.

Da ist zum Beispiel Norman. Er will mit einem Startup groß rauskommen für Lebensberatung, Fitness und Partys - also eigentlich für alles. Oder Claudia, die sich aus ihrem Job im Nobel-Restaurant in der Dachetage des Excelsior-Hauses hinausträumt in eine Karriere als Schauspielerin.

Es sind ihre Geschichten, die Erik Lemke in seinem Dokumentarfilm "Berlin Excelsior" erzählt. Der gebürtige Dresdener wohnt selbst seit sieben Jahren im Excelsior-Haus am Anhalter Bahnhof. So hässlich manche den Betonklotz aus den 60er Jahren finden mögen, der Filmemacher ist fasziniert von dem Gebäude und seinen Bewohnern.

Erik Lemke, Regisseur
"Wer fährt nachts mit dem Fahrstuhl? Wer ist tagsüber unterwegs? Das ganze Haus atmet und lebt, zu verschiedenen Zeiten verschiedene Menschen. Ich will wissen, was sich hinter den ganzen Türen befindet, was sich hinter den ganzen ewig gleichförmigen Fenstern befindet."

Also hat Erik Lemke sich aufgemacht, seine Nachbarn mit der Kamera kennenzulernen. Doch wie findet man in einem Haus, in dem Hunderte Menschen leben, die richtigen Protagonisten?

Erik Lemke, Filmemacher

"In über 500 Briefkästen haben wir Zettel geworfen und da haben sich vielleicht zehn Leute gemeldet."


Zu wenig, es steht Fleißarbeit an. Der Filmemacher sucht das persönliche Gespräch auf den giftgrünen Fluren - und findet ein Thema, das viele Menschen im Haus verbindet.

Erik Lemke, Filmemacher
"Das ist dieses ewige Leben in der Warteschleife, dass alle auf eine unbestimmte Zukunft hinleben und so ein bisschen verpassen, den Moment zu leben."

Der Film kommt seinen Protagonisten beeindruckend nah. Wir sind in intimen Momenten dabei - zum Beispiel wenn Norman für sein Start-Up Geld von seiner Mutter leihen muss.

Szene aus "Berlin Excelsior"

"Was ich mit ChangeU machen kann, ist was alles verbindet. Und das bringt im Moment halt noch keine Einnahmen, aber es ist halt, was mir viel Spaß macht. Denkst du, mir ist das nicht peinlich, dich immer um Geld anzulabern und dich ständig zu nerven und so was?"
"Dafür sind wir da. Dann dauert es halt noch ein bisschen länger, aber irgendwie kriegen wir das schon hin."


Auch Claudia hofft weiter. Mit neuen Bewerbungsfotos von Nachbar Richard will sie Casting-Agenturen überzeugen. Bisher bleibt der Erfolg noch aus.

Szene aus "Berlin Excelsior"
"Public Heroes in der Pestalozzistraße."
"Die haben mich nicht genommen."
"Ach! Nein'?"
"Nein, sie haben gesucht, aber dann haben sie abgesagt."
"Ach Gott."

Erik Lemke, Filmemacher
"Wir erzählen das Haus, wie die Geschichten seiner Bewohner in diesem Auf und Ab. Ist das Haus gescheitert oder sind die Leute gescheitert? Nein, vor allem ist die Hoffnung immer da, dass es wieder besser wird. Und hier in diesem Haus ist es auch so: Gelder sind ausgegangen, das Haus ist total am Ende, die Heizungen funktionieren nicht. Und jetzt aber gibt es wieder diese Hoffnung, dass es irgendwann modern und chic wird und vielleicht irgendwann mal eine neue Fassade bekommt."

Während der jahrelangen Arbeit an seinem Film hat Erik Lemke jeden Winkel des Hauses erkundet - vom Keller bis zur höchsten Etage.

Erik Lemke ist mit seinem Film ein Porträt dieser Stadt und ihrer Menschen gelungen. Überspannt, schräg, manchmal manisch, manchmal depressiv und immer in der Hoffnung, dass es ja morgen weiter geht - weiter gehen muss.


Autorin: Anne Kohlick

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