Comic-Autor Mawil im Reprodukt Verlag in Berlin (Quelle: rbb)
Bild: rbb

- Der Comicverlag Reprodukt

Wenn man in Berlin über Comics spricht, kommt man am Reprodukt Verlag nicht vorbei. Weil der Verlag so außergewöhnliche Geschichten veröffentlicht hat, hat er vom Berliner Senat einen Förderpreis bekommen.

Die Geburtsstunde eines Comics im Reprodukt Verlag im Wedding. Hier am Schreibtisch zeigt Mawil seine ersten Ideen für einen Kindercomic, der im nächsten Jahr erscheinen soll.

Mawil, Comic-Autor
"Das Cover ist noch nicht das endgültige, das wird noch mal überarbeitet. Einfach dass man vorher so bisschen weiß, was für ein Format man überhaupt macht, dass man jetzt nicht denkt, ich plane jetzt eine Geschichte von 150 Seiten und dann sagt der Verlag aber, bei den Kindercomics machen wir eher nur kleinere Bücher."

Es wird das 11. Buch, das Markus Witzel alias Mawil als Comic-Autor veröffentlicht. Er erzählt nicht von Superhelden, sondern tragikomische Geschichten, inspiriert von seinem eigenen Leben. Für den 1976 in Ost-Berlin geborenen Künstler ist Reprodukt mehr als ein Verlag, es ist wie ein Zuhause.

Mawil, Comic-Autor
"Ich bin halt früher mit meinem Fahrrad und den ersten selbstkopierten Heftchen durch Berlin gefahren, habe das in irgendwelchen Plattenläden und irgendwelchen Second-Hand-Läden... 'Habt ihr irgendwo Platz, um zwei, drei Heftchen auszulegen? Na gut, gib mal her.' Und dann fährt man nach einem Monat wieder vorbei: 'Habt ihr was verkauft? Eins ist verloren gegangen, hier hast du 2 Euro.' Dann lässt man es irgendwann sein. Ich weiß, wie schwer das ist, die Bücher überhaupt rumzuschicken. Natürlich ist es geil, bei einem Verlag zu sein. Mein erstes Buch, das erschienen ist, die Hälfte der Auflage wurde verkauft, einfach nur wegen dem richtigen Label unten drauf, weil halt Reprodukt draufstand."

Büroalltag bei Reprodukt, gezeichnet von Mawil.  Rund 40 Bücher bringt der kleine Verlag im Jahr heraus. Eine Handvoll Mitarbeiter kümmert sich um über 100 Comic-Autorinnen und Autoren mit sehr individuellen Handschriften. Aber woran erkennt man eigentlich, ob man zu Reprodukt passt oder nicht?

Mawil, Comic-Autor
"Weil alle so coole Brillen haben... weiß ich nicht."

Clara Groß, Reprodukt verlag
"Du bist sozusagen die Summe von dem, was Reprodukt von Anfang an gemacht hat."

Mawil, Comic-Autor 
"Ich bin sozusagen die Summe von dem, was Reprodukt... Stimmt. Die autobiografischen Geschichten, damit ging es auch los, ja."

Signierstunde in einem Comic-Laden in Prenzlauer Berg. Katja Klengel ist neu bei Reprodukt. Girlsplaining, Mädchenerklärungen, heißt ihr Comic. Feminismus trifft beißenden Humor. Katja Klengel ist 1988 in Jena geboren und hat in Berlin ein Drehbuch-Studium beendet. Zu Reprodukt kam sie über ihre Comic-Kolumne im Internet.

Katja Klengel, Comic-Autorin
"Für mich ist Zeichnen einfach das Medium, weil ich das schon, seit ich ein Kind bin, gemacht habe. Es war mein Ausdrucksmittel. Wenn ich mich einsam gefühlt habe, saß ich am Zeichentisch und habe gezeichnet. Das ist für mich heute eigentlich immer noch so. Der Stift ist da einfach das beste Mittel."

Winterruhe gibt es im Reprodukt Verlag übrigens nicht. Es gibt noch viel zu tun, um dem Comic auch hierzulande die Wertschätzung zu geben, die ihm gebührt. Selbst ein Bestseller wie "Kinderland", den es in sechs Sprachen gibt, macht seinen Autor allenfalls berühmt, aber nicht reich.

Mawil, Comic-Autor
"Man darf nicht den Fehler machen, sich den Stundenlohn auszurechnen. Irgendwas, wo die Eltern dann mal sehen, Mensch das ist ja doch ein richtiger Beruf, den der Junge da macht."

Und jetzt ist Mawil der erste Deutsche, der Lucky Luke zeichnen darf. Für einen großen Verlag. Aber sein Herz schlägt für Reprodukt.


Autorin: Charlotte Pollex

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