Proben für ein Theaterstück an der Volksbühne Berlin (Quelle: rbb)
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- "Haußmanns Staatssicherheitstheater" an der Volksbühne

Als Komödie über die Stasi ist dieses Theaterstück angekündigt: "Haußmanns Staatssicherheitstheater". Der Titel deutet es an, es ist eine autobiographisch gefärbte Geschichte. Im Dezember feiert sie Premiere an der Volksbühne.

Das Räuberrad steht wieder vor der Volksbühne. Wird es hier jetzt wie früher? Nach dem Dercon-Ende dämmert Hoffnung auf einen Neubeginn. "Staatstheater" verspricht das Transparent. Und meint Leander Haußmanns Staatssicherheitstheater. Die Erwartungen an den Mann vom Müggelsee sind hoch.

Leander Haußmann, Regisseur

"Ich denke, diese hohen Erwartungen kann keiner erfüllen. Das liegt im Bereich anderer, wie sie das einschätzen. Hauptsache meiner Schwester und meiner Freundin gefällt es."
 
Dass seine Inszenierungen auch anderen gefallen können, hat Leander Haußmann bereits drei Mal an diesem Haus bewiesen. 2000 adoptierte er Plenzdorfs DDR-Roman "Paul und Paula. Die Legende vom Glück" für die Volksbühne.

Die DDR als Land des Schmierentheaters und der Operette. Klamauk und Slapstik, grauenhaft und toll. Und irgendwie so soll es nun wieder werden. Die Stasi als Paradebeispiel für Dummheit und Denunziation.

Szene aus "Haußmanns Staatssicherheitstheater"
"Es ist doch zum Kotzen, das wir unsere Vergangenheit nicht loswerden."

Ach ja, die Vergangenheit, sauber abgelegt in der Stasi-Akte des erfolgreichen Schriftstellers Ludger. Und nun kommt sie wieder hervor, was weder für seine Frau noch für ihn selbst angenehm ist. Denn seine Jugend verbrachte er nicht nur mit dem Schreiben von Gedichten, sondern auch mit Berichten für die Mielke-Familie.

Szene aus "Haußmanns Staatssicherheitstheater"
"Ich liebe sie alle, und wenn ich sage ich liebe alle, dann meine ich auch alle. Das ist doch hier keine Firma, ist es doch nicht. Das ist eine riesengroße Famielke."

Leander Haußmann, Regisseur 
"Wir können uns nicht einfach zurücklehnen in der Gegenwart und die Vergangenheit schlecht finden und sagen: 'Wir sind toller und besser, weil die Vergangenheit so schlecht war.' Man müsste eher sagen: 'Was sind das für Leute, tragen die diese Charaktereigenschaften in sich, die wir vielleicht auch haben, also den Nachbarn zu denunzieren, die Polizei zu rufen, wenn es zu laut ist, die Autonummern aufzuschreiben, wenn ein Auto falsch parkt.' Ich denke, diese Art Persönlichkeiten gibt es eben noch. Die sind wir."

Der Mensch ist kein Held und sehr oft das ganze Gegenteil. Das ist der Stoff, aus dem diese Komödie ist. Auf der Bühne und in den Fotos von Harald Hauswald an den Wänden wird der Prenzlauer Berg der 80er Jahre rekultiviert: die Boheme im Visier und in der Falle gemeiner Ganoven im Dienste der Staatssicherheit. Stellt sich damit der künftige Intendant der Volksbühne vor? Im Sommer sagte Leander Haußmann, dass er es sich zutrauen würde, aber auch, dass er es nicht macht.

Leander Haußmann, Regisseur
"Das ist unsexy, wenn ich das jetzt sage, aber ich bin einfach zu alt. Das ist der Punkt. Ich glaube nicht, dass es  jemand meines Alters tun sollte, sondern dass es junge Leute machen müssen, und zwar in einem Team. Ob es nun alles unbedingt Frauen sein müssen, weiß ich nicht, aber es wäre schön. Ich mag den Gedanken sehr: Die Ernst-Busch-Schule hat gerade ein ganzes Studienjahr nur Frauenregisseure, die einfach zu nehmen und zu sagen: Hier, macht es."


Ein Frauenkollektiv in der Intendanz, diese Idee gefällt uns. Doch zunächst einmal erleben wir die Wiedergeburt der Handgelenktasche und ihrer Träger - als Mahnung vor der menschlichen Fiesheit in jedem von uns.


Autor: Lutz Pehnert

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