Holzmarkt 25-Gelände (Quelle: rbb)
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- Geschichte und Zukunft des Holzmarkt-Geländes

Nach der Räumung der Bar 25 ist mit dem Holzmarkt der Traum von einem Freiraum mitten in der Metropole geblieben: Den Machern gelingt es, einen Investor zu finden, der das Gelände kauft und dem Kollektiv für 75 Jahre verpachtet. Doch nun gibt es Ärger mit der Stadt.  

17.000 Schrauben stecken im Tonstudio des Holzmarktes, jede davon mit Liebe selbst angeschraubt. Johannes Husten hat hier vor fünf Jahren als Praktikant angefangen. Inzwischen ist er fest im Team des Holzmarktes und betreibt das Tonstudio. Und er macht hier Musik.

Eigentlich hat Johannes Husten in London Wirtschaftsstrategie studiert und war dabei, ein Protz mit Sportwagen zu werden. Doch seine Begegnung mit den Holzmarkt-Leuten hat alles verändert.

Johannes Husten, Holzmarkt 25

"Ich habe hier nach vier Jahren ein Viertelvon dem Einstiegsgehalt verdient, was ich am Anfang hätte haben können. Also, viel, viel weniger. Aber das Ding ist, dass ich mit dem Geld, was ich woanders mehr verdient hätte, das hätte ich nicht ausgeben können, um so glücklich zu sein wie jetzt. Ich bin hier mit einer Riesenfamilie, ich lerne tolle Menschen kann hier tolle Sachen machen, Musik machen und das ist viel, viel mehr wert als Geld auf dem Konto." 

Der Holzmarkt ist ein moderner Hippie-Traum am Ufer der Spree. Hier gibt es Räume für Kreative, einen Saal für Partys und Konzerte, ein Restaurant, einen Bäcker und eine Kita. 200 Menschen arbeiten am Holzmarkt. Hier soll eine Utopie entstehen, sagt Johannes Husten, ein Gegenentwurf zum allgegenwärtigen Streben nach Geld und zur Betonwüste drumherum.

Johannes Husten, Holzmarkt 25
"Wir haben auf dem Südteil, auf dem wir jetzt stehen, ein Zehntel von dem gebaut, was wir bauen durften und wir haben noch mal die Hälfte des Geländes an die Stadt übertragen. Ein Wirtschaftler würde sagen: Seid ihr denn bescheuert?"

2012 gelingt der Holzmarkt-Genossenschaft der Coup: Sie findet einen Investor, der das Gelände kauft und für 75 Jahre ans Holzmarkt-Kollektiv verpachtet, damit es seine Vision hier umsetzen kann.

Im Weinladen von Markus Schweins enden viele Abende der Holzmarkt-Leute. Der ehemalige Kreuzberger Hausbesetzer hat schon den Club mit Wein beliefert, aus dem der Holzmarkt erwachsen ist: die Bar 25.

Markus Schweins, Weinhändler
"Die Bar... die Bar war eine riesige bunte Blase. Ein Märchen. Ein real existierendes. Sie hat für viele Leute Verschiedenes bedeutet."

Der Ursprung von allem war das Feiern. Als Zwischennutzung startete hier 2003 ein Projekt, dessen hedonistischer Mythos um die ganze Welt ging. In der Bar 25 feierten die Menschen Tage am Stück, lebten, liebten und tanzten in einem Paralleluniversum.

Markus Schweins, Weinhändler
"Für mich war es der viel besungene Freiraum, den ich so schätze und so wichtig finde. Und das ist ja auch der Grund, warum wir heute hier stehen. Hätte es diesen Freiraum nicht gegeben, hätte die Energie sich damals nicht entfaltet, die jetzt noch wirkt, wäre es nicht hierzu gekommen."

Es könnte so schön sein, wäre da nicht der Streit mit der Stadt. Es geht um ein Hochhaus, das die Holzmarkt-Leute hier bauen wollen. Doch jetzt liegt das Vorhaben auf Eis. Der neue Baustadtrat kritisiert die Pläne. Es geht um die Frage, ob hier genug Wohnraum entsteht oder ob das Haus am Ende doch zu sehr kommerziellen Zwecken dient.

Johannes Husten, Holzmarkt 25
"Es geht nicht darum, jemandem was vorzusetzen und unser Ding durchzuziehen. Wir wollen mit allen zusammenarbeiten und das gemeinsam gestalten, auch mit der Stadt gestalten. Ich glaube, es ist ein tolles Projekt und ein toller Ort, wo man das machen kann."

Autorin

"Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass das klappt?"

Johannes Husten, Holzmarkt 25 
"Kann ich nicht sagen. Es ist leider schon zu lange festgefahren."

Aber die Hoffnung ist natürlich da. Und irgendwie haben sie es am Holzmarkt immer hinbekommen.


Autorin: Patricia Corniciuc

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Als Komödie über die Stasi ist dieses Theaterstück angekündigt: "Haußmanns Staatssicherheitstheater". Der Titel deutet es an, es ist eine autobiographisch gefärbte Geschichte. Im Dezember feiert sie Premiere an der Volksbühne.