Volker Bartsch in seinem Ateliert auf dem Holzmarkt 25 - Gelände (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- Der Bildhauer und Künstler Volker Bartsch

Auf dem Gelände des Holzmarkt 25 arbeitet Volker Bartsch in den Räumen einer ehemaligen Autowerkstatt. Seine Skulpturen prägen nicht nur in Berlin den öffentlichen Raum: Seit über 30 Jahren gehört sein Mennonitenbrunnen zu den Landmarken der Stadt. Aber auch in San Francisco stehen seine kolossalen Skulpturen.

Ein Triumph, Baujahr 1959. Der Künstler Volker Bartsch hat ihn sich vor 40 Jahren gekauft und damit Berlin entdeckt, weil der Wagen so schön klein und wendig ist. Auf dem Holzmarkt hat Volker Bartsch sein Atelier. Und hier kam er auch auf die Idee, dass er mit dem Oldtimer Bilder malen kann. Der Ort hat ihn dazu inspiriert.

Volker Bartsch, Künstler
"Zu DDR-Zeiten war hier eine Autowerkstatt, Fiat und Renault. Das war Sperrgebiet, hier ist Grenze direkt verlaufen. Und Fiat und Renault in der DDR war schon einer bestimmten Klientel, ich sagte immer, dem Westgeld-Adel reserviert."

Was so zufällig aussieht, ist geplant. Volker Bartsch hat vorab alles skizziert. Wochenlang fährt er manchmal auf und ab, bis ein Werk fertig ist. Spur um Spur. Dieses alte Reifenprofil, findet er, hat einfach "Schmackes" im Ausdruck.

Volker Bartsch, Künstler
"Mir macht das Spaß, mit dem Pinsel mal ich sonst die meiste Zeit."

Manchmal nimmt er auch noch einen Abdruck vom Boden mit: so bleibt etwas haften, von der Geschichte eines Ortes.

Volker Bartsch, Künstler 
"Diesen Riss habe ich symbolisch für den Riss durch Deutschland damals gesehen oder auch hier vor Ort: der Riss in der Gesellschaft in der DDR, hier als Sperrgebiet, für den normalen Bürger nicht zugänglich."

Sein Atelier an der Spree. Volker Bartsch arbeitet hier schon seit sieben Jahren. Er sucht immer wieder nach neuen Wegen, um den Wandel darzustellen. Ein Holzdruck, darauf zu sehen der Holzmarkt mit seinen Hütten. Parallel dazu entwirft er auch noch eine Bronzeskulptur - seine Vision einer zukünftigen Skyline am Holzmarkt.

Volker Bartsch, Künstler
"Aus dieser trashigen Kreativkreatur wächst jetzt irgendwann, wenn man Pech hat, die futuristische Architektur. Das sind die Luftschlösser, die dann irgendwann mal gebaut werden. Mal sehen, was dabei rauskommt."

Volker Bartsch nimmt uns mit zum Kulturforum: Bekannt ist er für seine riesigen Bronzeskulpturen. Neun gab es mal in Berlin, von einer ist nur noch die Hälfte da. Zu diesem Stein gehörte mal eine Bronzeskulptur, 400 Kilo schwer, einfach gestohlen.

Volker Bartsch, Künstler 
"Man ist richtig persönlich verletzt. Also meine Arbeit, meine Skulpturen sind im Prinzip wie Kinder. Das ist wie wenn einem das Kind geklaut wird. Aber bei Buntmetall weiß man genau, das hat mir das LKA auch gesagt, diese Bronze oder Buntmetallteile werden gleich auf dem LKW zerlegt, zersägt, zerschnitten. Die gehen sonst wohin."

Weiter zu seiner bekanntesten Skulptur, zum Brunnen vor dem Berliner Zoo Aquarium. Versteckt zwischen Schieferplatten: Skulpturen, die glänzen, weil sie so oft gestreichelt werden. Aber auch hier fehlt schon was.

Volker Bartsch, Künstler 
"
Es gab immer wieder Verrückte, in meinen Augen, die sich die Mühe gemacht haben mit viel Gewalt hier irgendwelche Steine loszubrechen und mitzunehmen, um die irgendwo in ihren Garten zu legen.“

Zurück zum Holzmarkt. Volker Bartsch erzählt uns noch, dass er sein Atelier aufgeben wird. Es zieht ihn hin zu neuen Abenteuern. Er braucht einfach mal wieder eine Veränderung.


Autorin: Petra Dorrmann

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