Brachiosaurus im Berliner Naturkundemuseum (Quelle: rbb)
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- Dino-Erbe: Der Brachiosaurus im Naturkundemuseum

Der Brachiosaurus in Berlin ist einer der berühmtesten Dinosaurier der Welt. Gefunden und ausgegraben wurde er ab 1909 in Deutsch-Ostafrika im Auftrag des Berliner Museums für Naturkunde. Eine Gruppe von Wissenschaftlern ist der Frage nachgegangen, ob bei der Überstellung des Skeletts nach Deutschland alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Der Brachiosaurus - Wahrzeichen des Berliner Naturkundemuseums und Zuschauermagnet für große und kleine Dino-Fans aus aller Welt. Wissenschaftler haben jetzt erforscht, unter welchen Umständen der berühmte Saurier nach Berlin gekommen ist.

Mareike Vennen, Kulturwissenschaftlerin

"Als ich das erste Mal durch die Tür zum Sauriersaal hineingetreten bin, hat mich das Skelett natürlich erst einmal erschlagen, wie wahrscheinlich jeden, und sehr beeindruckt. Und was an der Arbeit, die wir jetzt drei Jahre an dem Skelett gemacht haben, hat uns dann natürlich angefangen zu interessieren, was ist eigentlich die Geschichte dahinter."
 

Entdeckt wird der Brachiosaurus 1906 in Tansania, damals eine deutsche Kolonie: Deutsch-Ostafrika. Fotos von der Ausgrabung zeigen, wie die Deutschen den Dinosaurier abtransportieren lassen. Damit alles legal aussieht, denken sich die Kolonialherren einen juristischen Trick aus.

Holger Stoecker, Afrika-Historiker

"Man kann durchaus davon sprechen, dass damals eine Art von Verwaltungsbetrug erfolgte. Da ist einfach bestimmt worden, dass dieses Land herrenlos ist, dass es also keinen Besitzer gibt, dass es auch keine Bevölkerung gibt, was faktisch nicht zutraf."

Denn in Wirklichkeit war die tansanische Bevölkerung zuvor von den Deutschen von ihrem Land vertrieben worden. Schließlich erreichen 800 Kisten voll Dinosaurierknochen Berlin. Da das Präparieren des Skeletts bis 1937 dauert, werden im Naturkundemuseum zuerst nur einzelne Knochen ausgestellt.

Mareike Vennen, Kulturwissenschaftlerin

"Wir sehen einen der allerersten Knochen, die aufgestellt wurden, damals noch direkt im Sauriersaal. Es war von Anfang an als Ausstellungsstück gedacht, was unter anderem daran lag, dass die Expedition weitestgehend privat finanziert war und man deswegen natürlich im Museum auch zeigen musste, was man hat, also so schnell wie möglich Ergebnisse präsentieren. Da hat man nicht irgendwelche Knochen genommen, sondern die größten."

Präparatoren und Besucher posieren voll Stolz neben den riesigen Knochen. Von Unrechtsbewusstsein keine Spur: Das ändert sich auch zu DDR-Zeiten nicht. Der Brachiosaurus ist inzwischen weltberühmt und das Prestigeobjekt der DDR. 1984 soll der Dino sogar die Beziehungen zu Japan verbessern.

Archivaufnahmen, DDR-Fernsehen
"Sie holen jetzt hier unseren Dinosaurier ab?"
"Ja, nach Japan, wir wollten unsere Freundschaft weiter pflegen."
"Schön."

"Und sie haben ja wunderschöne Saurier hier und wir möchten die auch in Japan pflegen und konservieren."

Ina Heumann, Projektleiterin
"Von politischer Seite, war total klar, es ist wichtig, dass die DDR sich mit diesen Objekten im Ausland und vor allem in Japan präsentiert. Von der Museumsseite waren extrem große Vorbehalte, weil einfach klar war, die Sachen sind so fragil, wenn man die abbaut, ist es schwer zu kalkulieren, ob die das überleben
."

Doch es geht alles glatt. Der Brachiosaurus überlebt in Tokio sogar acht Erdbeben. Seitdem steht er wieder im Naturkundemuseum. Aber darf er hier bleiben? In Tansania werden immer mehr Stimmen von Politikern laut, die eine Rückgabe der Knochen fordern.

Holger Stoecker, Afrika-Historiker
"Für die Leute da ist es ja auch schade, dass sie ihr Naturerbe nicht haben. Es steht ja kein einziges Fundstück, kein Tier aus dieser Fundstelle, die sehr reichhaltig war, in einem tansanischen Museum. Das muss man ja auch mal zur Kenntnis nehmen."

Eine offizielle Rückgabe-Forderung der tansanischen Regierung gibt es bisher nicht.  Immerhin wird die Forschungsarbeit der Berliner Wissenschaftler bald in Tansania erscheinen. Damit wenigstens die Geschichte des Dinosauriers auch dort bekannt wird.


Autorin: Kathrin Schwiering

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