Thomas Kempas (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- Die Geschichte des Haus am Waldsee

Es ist eine Institution für zeitgenössische Kunst in Berlin: Als einer der ersten Orte, an denen nach der NS-Herrschaft wieder Kunst gezeigt wurde, wurde das Haus am Waldsee 1946 eröffnet. Später prägte Thomas Kempas jahrzehntelang als Direktor das Programm des Hauses - mit legendären Ausstellungen von Andy Warhol oder Niki de Saint Phalle.

Thomas Kempas, ehemaliger künstlerischer Leiter des Haus am Waldsee
"Na dann kommen Sie doch mal rein."

Er wohnt nur wenigen Minuten entfernt: Thomas Kempas, der 30 Jahre lang das Haus am Waldsee wie kein Anderer prägte. Heute ist er 86. Wir haben ihm etwas aus unserem Fernseharchiv mitgebracht.

Archivausschnitt aus einem SFB-Beitrag

"Einen neuen Chef bekommt ab 1. Januar das Haus am Waldsee. Thomas Kempas, der unter anderem auch die Studentenbühne der Freien Universität leitete."

Damals ist er 32 und eckt gleich mit seinen Ideen beim Bürgermeister an.

Thomas Kempas, ehemaliger künstlerischer Leiter des Haus am Waldsee
"Diese erste Situation mit dem Bürgermeister von Zehlendorf, die war schon auch mit Schwierigkeiten verbunden, weil es klar war, wenn er mich nicht arbeiten lässt, dann kann ich auch gleich gehen. Die Freiheit der Kunst ist unabdingbar - das ist etwas, was mir sofort durch den Kopf ging."

Kempas öffnet den Ort in den 60er Jahren, stellt Andy Warhol aus, fragt sich, welche Rolle hat Kunst in der Gesellschaft, wie kann man Tabus brechen.

Thomas Kempas, ehemaliger künstlerischer Leiter des Haus am Waldsee
"Da kam das Politische stärker rein, das Moment der Pornografie, nicht? Was ist eigentlich erlaubt in der Darstellung von Körpern und was nicht?“

Furore machen 1980 die "Jungen Wilden". Mit ihrer Ausstellung "Heftige Malerei" werden sie über Nacht berühmt - wie Rainer Fetting. Ihm haben wir in sein Atelier das Gästebuch der damaligen Ausstellung mitgebracht.

Rainer Fetting, Maler

"Wir hatten ja keine Chance eigentlich bei Galerien. Diese Malerei wollte niemand in Galerien haben. Und dann war das Haus am Waldsee, was diesen Kultruf hatte, eine ganz tolle Sache für uns, da zusammen auszustellen. Das war dann ein Sprung in die Weltkarriere, von Null auf Hundert. Das ging innerhalb von zwei drei Jahren."


Thomas Kempas hat Malerkarrieren gemacht und insbesondere Frauen gefördert, wie die Französin und Amerikanerin Niki de Saint Phalle.

Thomas Kempas, ehemaliger künstlerischer Leiter des Haus am Waldsee
"Niki ist das. Die habe ich ja sehr geschätzt als Künstlerin, zusätzlich war sie auch eine sehr interessante Frau. Und ich habe dann eine Ausstellung gemacht. Hier, das ist auf der Seeseite vom Haus, und da steht auch eine große Nana."

Das ist im Jahr 1981 und ganz Berlin ist von der Künstlerin und ihren Skulpturen verzaubert.

Niki de Saint Phalle (1981)
"Ich bin sehr froh, im 20. Jahrhundert zu leben. Früher wäre ich wahrscheinlich als Hexe verbrannt worden."

1994 geht Thomas Kempas in Ruhestand. Noch heute lebt er für die Kunst.


Autor: Norbert Kron

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