Die Bundesschule Bernau (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- Bundesschule Bernau

1930 wurde die Bundesschule Bernau als zentrale Bildungsstätte für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund eröffnet. Heute zählt sie zum Weltkulturerbe. Wir schauen uns diesen Ort heute an und treffen Menschen, die die Schule von früher kennen.

Schwimmbad, Internat und Sporthalle: all das wurde gebaut für Handwerkslehrlinge. Die Bundesschule Bernau: Weltkulturerbe! Friedemann Seeger vom Verein baudenkmal bundesschule gerät oft ins Schwärmen, wenn er Besucher durch das Gebäude führt. Es ist September und er ist mit Ulrike Kremeier verabredet. Die Museumsdirektorin aus Cottbus bereitet eine Ausstellung vor, zum Bauhaus in Brandenburg. Ihr Hightlight: die Bundesschule von 1930.

Diese Glasbausteine wurden bei der Sanierung ab 2003 neu gebrannt, erzählt Friedemann Seeger. Jetzt ist alles ist lichtdurchflutet, offen. Und überall raffinierte, schöne Fenster.

Friedemann Seeger, baudenkmal bundesschule bernau
Da kann man die Fensteröffnungen jetzt in verschiedenen Stellungen arretieren.

lrike Kremeier, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst
Das lockt meinen Spieltrieb, weil es ist ja im Grunde egal in welcher Stellung und in welchen Winkeln die zueinanderstehen -  das sieht immer gut aus.

Geometrische Formen – damit haben die Bauhäusler gern gespielt. Und die Aussicht: überall Natur… das Schwimmbad; der reinste Luxus. Die Lehrlinge, meist aus ärmlichen Verhältnissen, sollten es hier richtig guthaben.

Ulrike Kremeier
Ist der Pool beheizt?

Friedemann Seeger
Der Pool hat eine Solartechnik und ist auch temperierbar.

Manche Ideen der Architekten sind so raffiniert, dass sie bei der Sanierung erst mal Rätsel aufgegeben haben: Oben, in den Seminarräumen gibt es schräge Decken – es ist eine ideale, indirekte Beleuchtung:

Weiter in die Mensa: auch hier viel Sonne und Natur. Gekocht wird allerdings nicht mehr.

Die Fenstertechnik ist maßgeschneidert; so schön hatten es die jungen Handwerker vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund.

Friedemann Seeger
Und das ist für mich auch immer wieder ein Beispiel dafür, wie man mit solchen technischen Elementen wieder Ästhetik produziert.

Ulrike Kremeier
Ja, es verschiebt halt wieder in jeder Hinsicht diese Grenze von innen und außen. Und obendrein fasziniert mich natürlich auch noch dieser ganz praktische Aspekt; den man ja bei solchen Scheiben immer hat. Das kann man ja relativ leicht sauber machen. Nicht das Fensterputzen jetzt so ganz mein Ding wäre.

Tja, ob die Architekten das so bedacht haben?

1928 auf der Baustelle: Der Bauhaus-Direktor Hannes Meyer und Hans Wittwer. "Volksbedarf statt Luxusbedarf!" ist die Parole, die Meyer vorgibt. Er ist Kommunist – nur drei Monate nach Einweihung der Schule wird er als Bauhaus-Direktor in Dessau entlassen; die Nazis gewinnen an Macht. Aus der Gewerkschaftsschule in Bernau wird drei Jahre später die "Reichsführerschule" – die Kaderschmiede der Nationalsozialisten.

Friedemann Seeger
Man hat also hier auch schon vor der Wannseekonferenz die Judenverfolgung in allen ihren Facetten und Möglichkeiten durchdiskutiert und hier Pogrome geplant regelrecht.

Nach dem Krieg übernimmt der DDR-Gewerkschaftsbund die Schule und riegelt das Gelände ab, das Haus wird komplett umgebaut.  

Friedemann Seeger
Aber es hat natürlich auch Entwicklungen gegeben! Ich zeig ihnen mal, wie es 1976 aussah.

Ulrike Kremeier
Ahhh, Hilfe. Autsch.

Friedemann Seeger
Die Reaktion hab ich erwartet: Hilfe! Ja: Mit diesen kristalllüsternen Deckenleuchten, die Verkleidung dieser Betonsäulen, die Gardinchen. Ja, alles abgehängt.

Die Turnhalle: damals zugemauert, heute lichtdurchflutet. Erst 2003 wurde die Bundesschule aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst – saniert. Die Handwerkskammer Berlin hat sie übernommen. Jetzt leben, arbeiten und lernen hier auch wieder jene, für die die Bundesschule gebaut wurde: Handwerkslehrlinge.

Autorin: Petra Dorrmann

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