Jean Molitor (Quelle: rbb)
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- Jean Molitor: "bau1haus"

Der Berliner Fotograf Jean Molitor ist fasziniert von der Bauhaus-Architektur. Er fliegt tausende Kilometer, ist in der ganzen Welt unterwegs - nur um Häuser zu fotografieren. Ein Blick in seine Arbeit und Aufnahmen.

Der Berliner Fotograf Jean Molitor ist zufällig auf sein Thema gestoßen: Die Architektur der Moderne. In Burundi geht es los. Molitor hat den Auftrag, Häuser aus den 30er Jahren, die vor dem Abriss stehen, zu dokumentieren.

Besondere Gebäude, versteckt in abgelegenen Orten. Eine Apotheke im Kongo, ein Kino in Guatemala.

Danach fängt Molitor an, weltweit nach Bauten zu suchen, die zwischen den großen Weltkriegen erbaut wurden. So entstand ein fotografisches Archiv der Moderne: Die Bauhausschule in Dessau von Walter Gropius. Oder der Barcelona Pavillon von Mies van der Rohe.

Jean Molitor fotografiert Bauhaus-Klassiker genauso wie eine Autogarage in Guatemala. Schlicht und nüchtern in Schwarz-Weiß.

Jean Molitor, Fotograf
Ich stelle mir ungefähr vor, wie hat der Architekt sein Haus sehen wollen und ich glaube er hat es nicht sehen wollen mit ran geklebten Mülleimern, mit zehn Dixieklos davor und mit Rushhour hier. Dann muss ich eben wie bei diesem Motiv hier drei, vier mal hingehen und muss gucken, dass am Sonntag eventuell der Straßenverkehr wenig ist.

Eine gewisse Besessenheit gehört zu dieser Sammelleidenschaft, die Jean Molitor mit seiner Begeisterung fürs Reisen verbindet. Ein Wohnhaus in Casablanca, aus dem Jahr 1931. Es erinnert an einen Ozeandampfer. Bei der Aufnahme dieses Hauses in Marokko wurde er sogar verhaftet.

Jean Molitor
Ich war einfach nicht sehr touristisch unterwegs. Ich war zu zielstrebig und der Polizist hat sich gewundert, warum irgendein Typ mit ner Riesenkamera mitten auf der Straße steht und achtmal dieses Haus fotografiert und nicht stumpf, wie ein Tourist sich einmal im Kreis um sich selbst dreht.

Auch in Berlin findet Jean Molitor seine Motive. Die Carl-Legien-Wohnstadt am Prenzlauer Berg, gebaut von Architekt Bruno Taut. Sozialer Wohnungsbau der 20er Jahre.

Jean Molitor
Ich bin hier aufgewachsen in der Ecke, mein Opa hat da hinten gewohnt. Ich finde einfach die Form ziemlich spannend, diese Linien mit den Balkonen. Ich kann da irgendwie eine Idee nachempfinden, dass man sich Gedanken gemacht hat, wie könnten die Menschen wohnen wollen, nicht einfach, zack, hier nimm!

Jean Molitors Fotografien sind nun im Willy-Brandt-Haus in Berlin zu sehen. Eine Ausstellung, die Bauten aus über 30 Ländern versammelt.

Jean Molitor
Wir reden ja auch ein bisschen über die Zeit der Mobilität, die sich so neu entworfen hat: Automobile, Telefone, Zeppeline, Ozeanliner. Das ist natürlich sehr spannend. Die Welt rückte wieder ein Stückchen enger zusammen, die Ideen konnten sich schneller verbreiten und Automobilindustrie: Tankstellen, gehören mit dazu. Kinos sind gekommen zu der Zeit.

Das verfallene Kino Gloria in Weissenfels hat hier ebenso seinen Platz wie die Meisterhäuser von Gropius in Dessau.

Molitors puristische Aufnahmen zeigen auch: die Bauten der klassischen Moderne können alles andere als nur rechtwinklig sein.

Diese Bilder entwickeln einen Sog.

Autor: Sascha Hilpert

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