Buch mit Text "Was sind Bauhausklassiker?"
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Buch mit Text "Was sind Bauhausklassiker?" (Quelle: rbb) | Bild: rbb

- Mythos Bauhaus

Was waren eigentlich die Ideen und Ideale der Bauhaus-Schule? Und warum beeinflusste diese Kunstschule Design, Architektur und das moderne Leben so stark? Wir schauen, was von den Bauhaus-Idealen heute noch geblieben ist.

Die Geburtsstunde eines Stuhls. Markus Keichel ist Industriedesigner. Was er hier in seinem Berliner Studio entwickelt, verkauft er an Möbelhersteller weltweit.

Vor 100 Jahren hätte seinen Job wahrscheinlich ein Tischler gemacht.

Markus Keichel tüftelt und experimentiert oft monatelang mit unterschiedlichen Materialien. Ein Stuhl ist nicht nur ein Stuhl, sondern ein Objekt, das den Alltag bereichern soll. Das hat er vom Bauhaus gelernt.

Marcus Keichel, Studio Läufer & Keichel
Das Bauhaus ist natürlich für den Design Beruf wahnsinnig wichtig, weil es den Entwerfer der Alltagsdinge wahnsinnig wichtig genommen hat, auch als Künstler. Designer sind im Bauhaus nicht als Handwerker aufgefasst worden, sondern als Künstler und die Gestaltung der Alltagswelt als eine originär künstlerische Aufgabe.

Das Bauhaus Archiv Berlin. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr eine Baustelle. Die Autorin Gesine Bahr ist überzeugt: Die Gründer des Bauhauses hätte es amüsiert. Ein wenig wild und improvisiert sind ja auch sie ans Werk gegangen, als sie vor 100 Jahren mit ihren Ideen das Bauhaus gründeten. Wir begleiten Gesine Bahr ins temporäre Bauhaus Archiv.

Gesine Bahr, Autorin
Das ist eine Gruppe von Gestaltungsrevolutionären. Natürlich Gropius der sieht sehr tatendurstig aus, dann die Künstler Kandinsky und Klee, Feininger Oskar Schlemmer. Jeder auch mit einem andern Ansatz. Aber mit dem Ziel schöne Dinge zu machen und vor allem schöne Dinge für alle. Die sollten erschwinglich sein.

Die Grundformen Kreis, Quadrat, Dreieck, die Grundfarben Rot, Blau und Gelb. Das ist der Baukasten aus dem sich eine ganze Welt gestalten lässt. Klare Formen, keine Schnörkel: Die Bauhaus Schule rebellierte gegen Muff des 19. Jahrhunderts. In ihrem Buch Das ist das Bauhaus! erklärt Gesine Bahr, warum die 100 Jahre alte Wagenfeld-Lampe es in den Olymp eines Designklassikers geschafft hat.

Gesine Bahr
Man sieht den Kreis man sieht den Zylinder. Da wird die Grundform durchdekliniert. Es ist eigentlich eine Skulptur. Besonders Funktional ist sie nicht, das macht aber nichts: Denn ich mach sie mal an- Schön!

Gebrauchskunst für alle erschwinglich sind die Bauhausklassiker allerdings nicht. Diese Kanne kostet 8.900 Eur.

Gesine Bahr
Hier ich darf das mal raus nehmen das ist das Teeextrakt kännchen von Marianne Brandt. Aus Silber ist das und Hand gefertigt. Das heißt, eigentlich ist das ein totales Luxusobjekt.

Heute stehen sie in jedem Wartezimmer: Stahlrohr Freischwinger von Bauhaus Meister Marcel Breuer - oft kopiert

Gesine Bahr
Marcel Breuer kam auf die Idee, dass man Stahlrohr zum Stühlebau verwenden kann. Beim Fahradfahren ist ihm das eingefallen. Da fiel sein Blick auf sein Fahrrad und er dachte sich, hach, könnte man zum Möbelbau verwenden.
Der Stuhl sieht aus wie ein Rohr, das so klug gebogen ist, dass es ein Stuhl ist und das ist eine Gestaltungsinnovation.

Zurück im Designstudio von Marcus Keichel. Auch wenn seine Entwürfe eine ganz eigene Handschrift haben, ist der Einfluss des Bauhaus  gegenwärtig.

Marcus Keichel
Das hier ist zum Beispiel so ein Stuhl mit relativ starkem Bauhaus-Bezug, das ist der Okito, der kommt überhaupt jetzt erst in Mailand auf der Möbelmesse offiziell in den Markt.
Ich glaube das ist es, was Bauhaus ausmacht: Der Verzicht auf alles, was über das Wesentliche hinaus geht. Die Konzentration der nötigen Mittel, aber die dann so arrangiert, dass sie auch einen Motivcharakter haben und eine ästhetische Aussage für sich sind.

Und vielleicht entsteht ja auch hier grade ein Designklassiker von morgen.

Autorin: Charlotte Pollex

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