Maxim Leo am Bebelplatz (Quelle: rbb)
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- Maxim Leo: "Wo wir zu Hause sind"

Der Journalist und Schriftsteller Maxim Leo hat ein neues Buch über seine außergewöhnliche Familie geschrieben. In "Wo wir Zuhause sind" entfaltet sich eine packende, wahre Geschichte zwischen England, Frankreich und Israel, die in Berlin ihren Ursprung hat.

Maxim Leo führt uns zum Bebelplatz. Vor mehr als 85 Jahren wurden hier Bücher verbrannt. Sein Großonkel sieht zu. Er studiert damals Jura, ist erklärter Sozialist und Jude. Seine Geschichte ist eine von vielen, die Maxim Leo für seinen Familienroman recherchiert hat.

Maxim Leo, Schriftsteller
"Er hat auf einmal Professoren gesehen, die er vorher in der Uni erlebt hat als ernstzunehmende, schlaue Menschen, die hier komplett entfesselt waren und in einer Art Brandrausch gerieten."

"Dieser Hass und diese negative Energie, die er damals gespürt hat, die hat ihn vielleicht auch dazu bewogen, zu sagen: Vielleicht sind meine Tage hier in Berlin gezählt."

Hans und seine spätere Frau Irmgard verlassen Berlin. Sie gehen nach Palästina, gründen dort in einem Kibbuz die Familie, die heute Maxim Leos israelische Verwandtschaft ist.

Von ihnen erzählt er in seinem Roman "Wo wir zu Hause sind". Und auch von den anderen Leos, die nach England, Österreich und Frankreich fliehen mussten.

Maxim Leo, Schriftsteller
"Ich glaube, dass für die damals dieses 'Gehen müssen' sehr schwer war, weil sie so an Würde und an Freiheit verloren haben. Es war ja nicht ihre Entscheidung zu gehen, sondern sie wurden aus dem Land rausgedrängt, wurden rausgeschmissen."


Maxim Leo hat in Archiven gewühlt, Gespräche mit Verwandten geführt, die er vorher teilweise nicht einmal kannte. Er besucht mit uns Orte, die für seine Familie entscheidend sind, wie das ehemalige SA-Gefängnis. Der Mann seiner Großtante Fritz Fränkel wurde hier inhaftiert und gefoltert.

Maxim Leo, Schriftsteller
"Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD. Viel später hat man erst entdeckt, dass alle Gründungsmitglieder der KPD in diesen Tagen verhaftet wurden. Man wollte sie damit zur Ausreise zwingen."

Fränkel kommt frei und verlässt Berlin sofort. In diesem Brief, der heute noch in der Gedenkstätte zu sehen ist, schreibt er über seine Erfahrungen.

Aus dem Brief von Fritz Fränkel
"Ich war dauernd wüsten Beschimpfungen ausgesetzt, musste zum Beispiel ständig erklären: Ich bin ein stinkiger Jude."

Maxim Leo, Schriftsteller
"Jüdischsein war in unserer Familie immer etwas, worüber man ungern gesprochen hat. Jüdischsein bedeutete immer gleichzeitig Opfer zu sein und passiv etwas ausgesetzt zu sein, während Kommunist zu sein zum Beispiel bedeutete, aktiv gegen etwas anzukämpfen und bewusst Akteur zu sein und nicht Opfer eines anderen Akteurs."

"Wo wir zu Hause sind" ist für den Berliner Autor eine sehr persönliche Geschichte.

Maxim Leo, Schriftsteller
"Stolz, ich weiß nicht, ob ich stolz bin auf die Leos. Ich mag sie auf jeden Fall. Das sind irgendwie alles Leute, die ein bisschen seltsam sind, ein bisschen eigen sind, auf jeden Fall immer ihren eigenen Kopf hatten. Man findet wenige Leos, die langweilig sind. Das ist vielleicht das größte Kompliment, was man den Leos machen kann."

Was ist Familie? Was macht einen aus? Gehört man zusammen, obwohl man an ganz unterschiedlichen Orten in der Welt lebt. Maxim Leo hat ein Buch geschrieben, das auf ganz leichte Art Geschichte und Geschichten erzählt.


Autorin: Anna Tschöpe

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