Rosa Loy signiert ihren Katalog (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- Rosa Loy

Die Schwartzsche Villa hat neue Ausstellungsräume eröffnet, nur wenige Meter entfernt im Gutshaus Steglitz. Als erste Künstlerin stellt dort die Malerin und Grafikerin Rosa Loy aus, prominente Vertreterin der "Neuen Leipziger Schule".

Rosa Loy ist glücklich, umringt von ihren Bildern, einer Welt voller Frauen und Blumen. Die Malerin ist aus Leipzig angereist, um uns zu erzählen, wie ihre Bilder entstehen.

Rosa Loy, Malerin
"Ich habe noch nie ein Bild gesehen, was wirklich perfekt ist. Wenn das der Fall ist, kann ich aufhören, glaub ich. Ich kenne Kollegen, die sind heimlich in ihre Ausstellung gegangen und haben weiter gemalt."

Autorin
"Aber sie haben keinen Pinsel dabei?"

Rosa Loy, Malerin
"Nein. Ich mache das nicht."

Die Frauen auf den Bildern sehen oft ein bisschen aus, wie die Künstlerin selbst. Es steckt viel Persönliches in ihren Werken.

Rosa Loy, Malerin
"Ich weiß nicht, ob sie auch diese Träume kennen, dass man nachts über die Stadt fliegt, so also wenn man schwimmt. Als Kind hatte ich es oft, jetzt hab ich es leider nicht mehr so oft. Und irgendwann hatte ich den Traum, dass ich eine Freundin habe, die mich darin unterstützt, beim Fliegen lernen und das fand ich das ganz merkwürdige: man fängt mit Stelzenlaufen an, und die Stelzen werden immer höher und wenn man dann ganz schnell laufen kann, fliegt man. Ja, ist das nicht toll?"


Einen Kosmos voll verzauberter Wesen hat Rosa Loy geschaffen.

Rosa Loy, Malerin
"Ja, hier tummeln sich natürlich verschiedene Arten von Wesen. Hier unten sieht man den Frauenmantel, da sind die kleinen Waldelfen drin."


Und überall rankt und blüht es. "Morgen" und "Abend", so heißen die beiden großen Bilder, in denen sie viele Erinnerungen versteckt hat.

Rosa Loy, Malerin
"Es gibt aber auch so private Dinge, zum Beispiel hier unten diese Sache, das ist so eine Sackkarre. Meine Eltern hatten so was in der Gärtnerei, und da hat meine Mutter immer darauf geschlafen und hat da Mittagschlaf gehalten. Ich liege lieber in der Hollywoodschaukel zuhause, im Sommer."

Die Hollywoodschaukel neben dem Wolf. Manchmal schläft Rosa Loy nachts sogar draußen.

Rosa Loy, Malerin
"Was soll daran beängstigend sein, ich muss dazu sagen, ich habe eigentlich wenig Angst. Ich bin so angstfrei erzogen. Und wenn ich in der Natur bin, da fühle ich mich sicher, davor habe ich keine Angst."

Gartenbauingenieurin hat die 60-Jährige studiert, dann erst Kunst. Sie malt, was ihr wichtig ist: das kleine Glück, die großen Krisen. Und man sieht es, wie geerdet sie ist. Politische Themen sind nicht ihr Ding.

Rosa Loy, Malerin
"Was nutzt mir das, wenn ich mich in dieser ganzen negativen Schlampampe aufhalte und darin suhle. Mir hilft niemand raus, das muss ich schon selbst machen, und ich möchte was für mein Herz haben, ich möchte bei mir bleiben und mich interessiert halt, jemanden im Herzen zu berühren und Schönheit in die Welt zu bringen."


Mit ihren fantastischen Bildwelten hat sich Rosa Loy in der Kunstwelt einen Platz erobert. Lange stand sie im Schatten ihres berühmten Mannes, dem Maler Neo Rauch. Seit über 30 Jahren sind sie ein Paar. Ist sie die starke Frau hinter ihrem Mann? Hat sie zurückgesteckt?

Rosa Loy, Malerin
"Das Glück, was der andere hat, ist ja auch mein Glück. Wenn ich natürlich dazu beitragen kann, mache ich das auch ganz gerne. Weil wir beide sind sehr unterschiedlich und wir unterstützen uns in unterschiedlicher Weise. Ich kann Dinge, die Neo nicht kann. und Neo kann Dinge, die ich nicht kann. Insofern ist das ja perfekt."

Sie ist eine Frau, die eher Probleme löse, als dass sie sie suche. Herzerfrischend pragmatisch klingt sie. Und bescheiden.

Rosa Loy, Malerin
"Ich habe ein großes Glück, dass ich heute in dieser Zeit lebe und nicht vor 500 Jahren, da hätte ich gar nicht malen können. Ein bisschen demütig sein, dankbar sein für das, was wir haben. Das ist doch ein großes Geschenk."

Rosa Loys Ausstellung im Gutshaus Steglitz - ein gelungener Auftakt für diesen neuen Ort. Zeitgenössische Malerei wird hier künftig zu sehen sein, und immer mit dem Mut zur Schönheit.


Autorin: Petra Dorrmann

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