Szene des Films "Of Fathers and Sons" (Bild: dpa)
Basis Berlin Filmproduktion/dpa
Bild: Basis Berlin Filmproduktion/dpa

- Oscar-Tagebuch

Die rbb-Koproduktion "Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats" ist für den Oscar 2019 in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" nominiert. Wir haben den syrischen Regisseur Talal Derki getroffen.

Backstage bei den Oscars. Mittendrin der Berliner Regisseur Talal Derki und sein Team.

Talal Derki, Regisseur
Es war irgendwas zwischen Wirklichkeit und Fantasie. Einen der fünf besten Dokumentarfilme der Welt gemacht zu haben - und dazu noch den einzigen, der von außerhalb der USA kommt - das ist das Höchste, was du erreichen kannst. Ich bin stolz und so glücklich.

Talal Derkis vom rbb mitproduzierter Film erzählt die Geschichte des syrischen Vaters Abu Osama, der sich mit Leib und Seele dem Dschihad verschrieben hat. Seine Söhne zu lieben, heißt für ihn, dass er sie von klein auf zu Gotteskriegern erzieht und im Heiligen Krieg opfert. Er nutzt Liebe, um Hass zu lehren.

Filmszene
"Mach die Augen zu, Papa!"

Talal Derki
Ich will, dass er dein Herz berührt, weil er ein toller Vater ist und ein schlechter Vater zugleich. Vergiss, dass er ein Terrorist ist und im Namen von Al Quaida schreckliche Dinge tut. Für seine Kinder ist er ein toller Vater. Die Zuschauer sollen ihn aus den Augen der Kinder sehen, um zu verstehen, wie Gehirnwäsche funktioniert.

Um Zugang zu Al Quaida in Syrien zu bekommen, gibt der in Berlin lebende Talal Derki vor, selbst Islamist zu sein. Zweieinhalb Jahre reist er immer wieder von Berlin nach Syrien. Dort tauchen er und sein Kameramann komplett ein in eine Welt aus Krieg und Gewalt.

Talal Derki
Für die ist das Leben ja bloß der Übergang in ihr ewiges Paradies. Und das kommt nur, wenn du deinen Körper dem Dschihad opferst. Du musst töten, bis überall der Islam regiert. Und deswegen ist das Leben unwichtig.

Filmszene
"Wann kommst du ins Camp?"

"Am Freitag. Kommst du nicht mit?"

"Ich gehe lieber zur Schule, das ist besser."

Während er seinen Film über die Kinder des Kalifats dreht, lässt Talal Derki den eigenen kleinen Sohn in Berlin zurück. 300 Drehtage lang lebt er in ständiger Todesangst. Er weiß, dass nur eine falsche Bewegung, ein falsches Wort ihn verraten kann.

Talal Derki
Ich habe einen Zugang zu dieser Gesellschaft. Ich kann einen Film von innen machen, den so außer mir keiner machen kann. Ich musste den Film einfach machen. Das ist meine Herausforderung als Filmemacher und als Mensch. Ich mag keine einfachen Filme.

Filmszene

"Take your Seats!"

Talal Derki holt seine Frau zumindest per Video-Anruf zu sich nach Hollywood. Sie darf als Syrerin unter Trump nicht mehr in die USA einreisen. Nachdem sie so lange um sein Leben bangen musste, hätte er sie gern wenigstens jetzt beim Happy End an seiner Seite.

Talal Derki
Wenn ich an all die Schwierigkeiten denke, unter denen der Film entstanden ist … Im Film gibt es ja kein Happy End. Aber für als Filmemacher ist das das Happy End.

Auch wenn am Ende der unpolitische amerikanische Sportfilm den Oscar gewinnt.

Autorin: Patricia Corniciuc

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