- Die Restauratorin Babette Hartwieg

Bevor die Bilder von Mantegna und Bellini in der Gemäldegalerie gezeigt werden können, mussten sie aufwändig restauriert werden. Mit ihrem Team hat die Chefrestauratorin Babette Hartwieg mehrere Monate daran gearbeitet.

Wenn die Restauratorin Babette Hartwieg mit ihrer rollenden Staffelei so durch die Gemäldegalerie schiebt, ahnt man nicht, dass sie darauf brisantes Beweismaterial transportiert. Damit hat sie ihre Kollegen in Venedig schon einmal in Aufruhr versetzt.

Babette Hartwieg, Chefrestauratorin Gemäldegalerie
Da war die Überraschung groß und auch ein kleiner Schock, haben wir eine Kopie?

Es geht um diese beiden Bilder – die Darbringung Jesu im Tempel. Andrea Mantegna, aus der Gemäldegalerie, links – Giovanni Bellini, die Leihgabe aus Venedig, rechts. Auch in Hightechzeiten helfen manchmal ganz schlichte Mittel zum Erkenntnisgewinn. Babette Hartwieg zeichnet die Konturen auf Folie nach – und dann …

Babette Hartwieg
Was die Folie beweist, ist tatsächlich, dass die Konturen eins zu eins übereinstimmen. Das heißt, Giovanni Bellini muss eine 1:1-Durchzeichnung des Bildes von Mantegna benutzt haben. Ich glaube, wir müssen uns verabschieden von dem Begriff, den wir von Kopien haben. Es steckt dahinter die Wertschätzung einer gelungenen Komposition, die man übernimmt.

Für die Ausstellung um die beiden großen Meister der italienischen Renaissance haben Babette Hartwieg und ihr Team besonderen Aufwand betrieben. Eine Sonderausstellung im Nachbarraum erzählt vom Restaurieren und Forschen. "Christus Darstellung im Tempel". Dieses Gemälde aus Bellinis Werkstatt lag jahrzehntelang im Berliner Depot – jetzt wird es erstmals frisch restauriert gezeigt.

Babette Hartwieg
Man sieht auch was wir gemacht haben – im UV-Licht. Das Dunkle ist Retusche. Es ist ein Firnis drauf, der fluoresziert und auf dem Firnis haben wir retuschiert. Also, diese Retuschen sind ziemlich neu.

Manchmal aber kann man nur kapitulieren. Die Jahrhunderte und einige von Babette Hartwiegs Vorgängern haben hier kaum etwas vom Original übriggelassen. Wie viel Bellini steckt da überhaupt noch im Bellini?

Babette Hartwieg
Wie viel ist hier noch original? Dazu haben uns historische Fotos viel geholfen. Und wir haben mit den ganzen Informationen aus den verschiedenen Bildern schließlich dann eben diese Kartierung gemacht, die natürlich erschreckend zeigt, in welchem Zustand dieses Bild noch ist. Weiß heißt: Original verloren, in welcher Form auch immer. Diese Bilder haben alle eine Geschichte. Wir zeigen nicht immer nur ein Bild, wie es aus dem Atelier kam, das können wir kaum.  

Manchmal aber, da läuft's einfach. Dieses Gemälde von Francesco Bissolo war ein Albtraum in dunkelgelb …

Das ist natürlich spektakulär …

… bis mit Lösungsmittel getränkte Tücher den Heiland in frischen Farben neu auferstehen lassen.

Restauriert wird in der Gemäldegalerie selbst, ein Stockwerk über der Ausstellung. Mit Infrarot, Röntgen oder hier mit dem Mikroskop werden die Gemälde studiert. Babette Hartwieg und ihre Mitarbeiterin Maria Zielke kümmern sich schon längst um das nächste Bild. "Das lebende Kreuz" von Bastianino heißt der Patient. Alkohol kann hier oben übrigens durchaus eine Lösung sein – muss es aber nicht.

Babette Hartwieg
Ich bin jetzt soweit, dass es sich zumindest mit Alkohol nicht lösen lässt.

Ein ganzes Jahr wird diese Restaurierung voraussichtlich dauern. Das Ergebnis kann auch eine erfahrene Restauratorin immer wieder überraschen.  

Babette Hartwieg
Man sieht auf einmal die Farben anders, auf einmal ergibt sich eine ganz andere, neue Räumlichkeit. Das Bild entsteht dann doch nochmal neu.

Autoren: Steffen Prell, Jonas Baganz

weitere Themen der Sendung

Logo: rbb Kultur (Quelle: rbb)
rbb

Der Imbiss am Kulturforum

Der Platz am Kulturforum wird umgebaut. Alles soll anders werden. Nur eines hat Bestand: der Imbiss von Ahmet Korubay.

Giovanni Bellini: Maria mit Kind, ca. 1475, Pappelholz, 76 x 54,2 cm (© SMB, Gemäldegalerie / Christoph Schmidt) und Andrea Mantegna: Maria mit schlafendem Kind, um 1455, Leinwand, 48,4 x 32,2 cm (© SMB, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders); Montage: rbb
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie

Rivalen der Renaissance

In der Berliner Gemäldegalerie eröffnet am 1. März die Ausstellung "Mantegna und Bellini". Mit rund 100 Arbeiten werden hier die Werke beider Renaissance-Meister gegenübergestellt. Wir waren bei den Vorbereitungen.

Ute Lemper live in der Laeiszhalle; Quelle: Michael Reimers/imago stock&people
Michael Reimers/imago stock&people

Kulturtipps

+ Ute Lemper in "Rendezvous mit Marlene"
+ Musikfesttage an der Oder
+ "Zeiten des Aufruhrs" am DT

Helmut Berger in Cortine d Ampezzo.
imago stock&people

Doku "Helmut Berger, meine Mutter und ich"

Wenn das Idol der Jugend plötzlich für Monate am Familientisch sitzt - in der Familie von Regisseurin Valesca Peters ist genau das geschehen. Was geschieht, wenn der Weltstar Helmut Berger bei der Mutter einzieht?

Szene des Films "Of Fathers and Sons" (Bild: dpa)
Basis Berlin Filmproduktion/dpa

Oscar-Tagebuch

Die rbb-Koproduktion "Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats" ist für den Oscar 2019 in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" nominiert. Wir haben den syrischen Regisseur Talal Derki getroffen.