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- Die neue Direktorin des Gropius-Baus

Seit Februar 2018 Stephanie Rosenthal Direktorin des Martin-Gropius-Baus in Berlin. Welche Ausstellungen es dort zu sehen gibt, plant sie selbst. Wir haben sie dabei begleitet.

Seit Stephanie Rosenthal hier Direktorin ist, kommt sie jeden Morgen mit Fahrrad zu Martin-Gropius-Bau.

Stephanie Rosenthal, Leiterin Martin-Gropius-Bau
Guten Morgen!

Bevor sie vor einem Jahr nach Berlin kam, hat sie in Sydney und London Ausstellungen gemacht. Das Fahrrad ist mit ihr umgezogen.

Reporterin
Sind Sie den ganzen Winter durch mit dem Fahrrad gekommen?

Stephanie Rosenthal
Alles mit dem Fahrrad. Das hier ist der Kindersitz für meinen Sohn. Der muss dann auch immer noch mit.

Heute hat sie einiges vor.

Stephanie Rosenthal
Aufbau, wir sind mitten im Aufbau für die neue Ausstellung, die nächste Woche eröffnet. Dann werde ich mit meiner Ko-Kuratorin an der Ausstellung “"Garten" weitermachen müssen, weil wir die letzten Werke festlegen. Und dann hoffe ich, dass unser Architekt Andreas Lechthaler Zeit hat und wir kurz durch die Räume können.

Als Direktorin hat Stephanie Rosenthal ein Privileg: Ihr Schlüssel kann alle Türen im Gropius-Bau öffnen.

Stephanie Rosenthal
Jetzt fahren wir in den 2. Stock zu den Büros.

Gleich hat sie ihre erste Sitzung. In ihrem Direktorenzimmer verbringt sie die meiste Zeit. Früher war hier die Bibliothek des Gropius-Baus.

Stephanie Rosenthal
1881 wurde der Gropius-Bau als Kunstgewerbemuseum gegründet - und auch als Schule. Und dieser Schulaspekt, den finde ich besonders spannend. Das ist also immer ein Haus gewesen, wo Produktion war und Künstlerinnen gearbeitet haben.

Architektonisches Zeichnen, Holzschnitzerei, Malen und mehr konnte man hier studieren. Unter den Schülern waren auch später berühmte Künstler wie der Architekt Ludwig Mies van der Rohe.

Jetzt bereitet Stephanie Rosenthal mit einer Kollegin die Sommer-Ausstellung vor. Es geht um Gärten in der Kunst.

Stephanie Rosenthal
Willst Du einen Tee? Es ist Flowerpower.

Was wir jetzt gerade machen, Clara Meister und ich, wir müssen eigentlich die letzten Künstler und Werke festlegen.

Anders als frühere Direktoren des Gropius-Baus plant Stephanie Rosenthal Ausstellungen selbst - anstatt sie von anderen Museen zu übernehmen.

Stephanie Rosenthal
Für mich ist es wirklich Lebenssaft, mit Künstlerinnen zu arbeiten. Wenn ich das nicht machen würde, hätte ich wirklich das Gefühl: Ich bin doch nur so eine Verwaltungsmaschinerie.

Clara Meister, Ko-Kuratorin
Was auch toll wär, ist, wenn man mit Andreas nochmal über Uriel Orlow spricht.

Stephanie Rosenthal
Dem wollte ich auch schreiben, ob der jetzt am Freitag in London ist.

Stephanie Rosenthal hat große Pläne für den Gropius-Bau. Und sie will, dass die Besucher sich hier wohlfühlen.

Stephanie Rosenthal
… dass es ein Gebäude ist, das vor allem auch willkommen heißt und nicht so eine staatstragende Institution ist, wo man denkt: Hier muss ich mich jetzt richtig verhalten! Mein Sohn sagt immer: You’re not allowed to talk. [lacht] Der spricht ja Englisch und glaubt, man muss ganz still sein im Museum.

Sie will kein Museum, in dem man ehrfürchtig schweigt, sondern eins, das zum Diskutieren einlädt. Mit Architekt Andreas Lechthaler hat die Direktorin dafür die Beleuchtung verändert. 

Stephanie Rosenthal
Alle diese Fenster, die man jetzt hier sieht, die Glaswände waren alle verklebt mit dunklen Folien. Und das haben wir jetzt wieder geöffnet, sodass es jetzt ein sehr viel lichtdurchfluteteres und leichteres Haus eigentlich ist.

Ein Haus, das die Spuren seiner Geschichte bewahrt. An der Fassade sind noch die Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg sichtbar. Nach starken Bombenschäden sollte der Gropius-Bau eigentlich abgerissen werden. 30 Jahre lang stand die Ruine leer - direkt neben der Mauer. Erst Ende der 70er Jahre begann doch noch die Restaurierung des Gropius-Baus. Überall wo es ging, wurden die originalen Bauteile erhalten.

Stephanie Rosenthal
Was ich eben auch so zeitgemäß finde, dass wir eben nicht versuchen zu vergessen, dass dieses Gebäude ein sehr schönes Beispiel dafür ist, wie man mit Geschichte umgehen soll meiner Meinung nach, dass man sozusagen die mitnimmt.

Die Vergangenheit des Gropius-Baus ist der Ausgangspunkt für ihre Zukunftspläne.

Stephanie Rosenthal
Wenn man jetzt hier rausschaut, sieht man die Berliner Mauer. Also alles, was wir hier drinnen zeigen, reflektiert sich mit der deutschen, aber auch mit der internationalen Geschichte. Und im Moment gerade mit den Fragen, die sich stellen: das Mauerbauen, das neue Mauerbauen.

In einer Zeit, in der Grenzen wieder befestigt werden, setzt Stephanie Rosenthal alles daran, ihr Museum zu öffnen. Ein Glücksfall für den Gropius-Bau.

Autorin: Anne Kohlick

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