Der Provenienzforscher Sven Haase und Leiter des Berggruen-Museums Gabriel Montua (Bild: rbb)
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- Mit Herkunftsforscher Sven Haase im Museum Berggruen

Der Provenienzforscher Sven Haase befasst sich mit der Herkunft und der Geschichte von Kunstwerken und Bildern. Kunstwerke werden gefälscht, gestohlen und weisen auch sonst oft eine abenteuerliche Geschichte auf. Bei der Bildrecherche rückt Sven Haase die Geschichte und die Wahrheit in unmittelbare Nähe.

Sven Haase nimmt uns heute mit ins Museum Berggruen.

Sven Haase, Herkunftsforscher

"Ich bin Historiker und bei den Staatlichen Museen zu Berlin für Provenienzforschung zuständig, das heißt, für die Frage der Herkunft der Objekte, Recherche der Biografien der Kunstwerke, der Bilder."

Zusammen mit dem Museumsleiter geht es zum Lebkuchenbild von Paul Klee. Es ist eines von 135 Werken, deren Herkunft das Museum erforscht hat - vor allem mit Blick auf die Nazizeit.

Das Gemälde von 1925 ist eine Collage aus Tapeten, die Paul Klee so dick eingepinselt hat, dass es an Lebkuchen erinnert.

Gabriel Montua, Leiter Museum Berggruen

"Das Bild ist 1932 als Dauerleihgabe des Künstlers an die Nationalgalerie, die damals im Kronprinzenpalais war. Bloß dass 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Angefangen wurde, sich von Kunst zu trennen, wie jeder weiß - der Vorläufer dessen, was später entartete Kunst genannt wurde."

Was geschieht danach mit dem Bild? Hat es zwischen 1933 und 45 den Besitzer gewechselt, womöglich als Raubkunst? Eine Antwort kann die Rückseite liefern. Um das Bild von der Wand zu nehmen, muss extra der Depot-Verwalter kommen. Nur er darf das.

Gabriel Montua, Leiter Museum Berggruen

"Das ist jetzt geradezu eine Weltpremiere, dass dieses Bild, Lebkuchenbild, seine Rückseite erstmalig für eine Kamera offenbart."

Alles voller Sticker. Das Beste, was einem Herkunftsforscher passieren kann.

Sven Haase, Herkunftsforscher

"Hier ist ein wichtiger Hinweis: Sticker Galerie Flechtheim in Berlin und Düsseldorf…"

Alfred Flechtheim, ein bekannter Berliner Kunsthändler. Er war Jude und wurde von den Nationalsozialisten in die Flucht getrieben.

Sven Haase, Herkunftsforscher

"Und natürlich bedeutet Provenienz Flechtheim - das müssen wir prüfen. Weil wir ausschließen müssen, ausschließen wollen, dass es ihm gehört hat. Dass es sein Eigentum war. Dass wir ein verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut haben."

Um herauszufinden, ob es sein kann, dass das Lebkuchenbild dem jüdischen Kunsthändler geraubt wurde, führt uns Sven Haase ins Zentralarchiv. Hier werden sämtliche Unterlagen zu Werken aufbewahrt, die die Staatlichen Museen jemals ausgestellt haben.

Den entscheidenden Hinweis liefert dieser unscheinbare Brief:

Sven Haase, Herkunftsforscher

"Am 3.10.1933 die Aktennotiz vom Depotverwalter: Die oben bezeichneten Bilder sind heute an den Besitzer zurückgesandt. Somit wäre der Kreis geschlossen. Das Bild geht 1933 an den Künstler, den Eigentümer zurück. Geliehen war es über Flechtheim. Und jetzt geht es zurück an Paul Klee."

Das Lebkuchenbild bleibt während der gesamten Nazizeit bei Paul Klee. Nach dem Krieg landet es  bei Privatsammlern in New York, später in Tokio, wo Heinz Berggruen es 1988 kauft und schließlich Berlin und der Nationalgalerie zum Freundschaftspreis zurückgibt.

Täglich echte Kunstwerke und Dokumente in den Händen zu halten, das macht für Sven Haase den Reiz der Herkunftsforschung aus.

Sven Haase, Herkunftsforscher

"Ich bin ja wahnsinnig nah am Objekt dran; wahnsinnig nah an der Geschichte dran. Das hier ist ein Werk von 1933, das dokumentiert, dass das Werk an Künstler zurückgeht. Viel näher komme ich ohne Zeitmaschine als Historiker nicht an Geschichte selber ran."

Dass sich ein Fall so eindeutig lösen lässt wie der des Lebkuchenbildes, ist allerdings ein echter Glücksfall.

Autorin: Patricia Corniciuc

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