Leiterin Yvonne Büdenhölzer auf dem Theatertreffen 2019 (Bild: rbb)
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- Theatertreffen - Ein Tag mit der Chefin

Die Dramaturgin Yvonne Büdenhölzer leitet seit sieben Jahren das "Theatertreffen". Was macht man als Chefin des bedeutendsten Theaterfestivals in Deutschland? Wir begleiten sie an einem Arbeitstag im Haus der Festspiele und finden es heraus.

Was ist denn eigentlich die Hauptaufgabe der Leiterin des Theatertreffens? In diesen Tagen könnte man meinen: Menschen umarmen, Händeschütteln, Kontakte pflegen. Für Yvonne Büdenhölzer ist zum Beispiel der Intendant der Deutschen Oper fortan einfach…

Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper

"Dietmar!"

Wie viele Hände schüttelt sie wohl während dieser zwei Wochen?

Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens

"Das muss ich hochrechnen. Wahrscheinlich sind es 1000."

Eine ziemlich defensive Schätzung, wie sich zeigen wird. Dieser Tag beginnt um halb zwölf festlich im großen Saal.

Matthias Kollatz, Finanzsenator

"Wir haben heute das Privileg einer ganz besonderen Preisverleihung beizuwohnen."

Der Berliner Theaterpreis geht an „She She Pop“ – ein Performancekollektiv. Seit 25 Jahren in der freien Szene. Ein Mann und sieben Frauen. Womit wir schon voll beim Thema wären.

Performancekollektiv "She She Pop"

"Einige von uns erinnern sich sehr gut daran, wie schwierig es gewesen ist, wenige Ressourcen zur Verfügung zu haben und dazu noch Frauen zu sein."

Gerade hat Yvonne Büdenhölzer für die nächsten Theatertreffen die Frauenquote im Regiefach eingeführt. 50/50 heißt es demnächst. Ihr großes Thema – auch beim Empfang danach.

Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens

"Vielleicht haben wir ja auch irgendwann nicht nur 50 Prozent sondern 100."

Lisa Lucassen, Performancekollektiv "She She Pop"

"Bis man nicht Kunst von Frauen als Frauenkunst betrachtet und Kunst von Männern als universell und sicherlich sehr interessant, solange brauchen wir, denke ich, Quoten und alle Hilfe, die wir kriegen können."

Während der Empfang noch läuft steht für Yvonne Büdenhölzer schon der nächste Termin an. Eben noch im Plauderton – jetzt inhaltliche Arbeit. Um halb drei beginnt eine Podiumsdiskussion. „Welche Politik braucht das Theater?“ – es geht zum Beispiel darum, wie Führungsposten im Theaterbetrieb besetzt werden.

Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens

"Im Moment ist es eigentlich so ein 16-Stunden-Tag wo man morgens eintaucht und abends wieder auftaucht. Meine Kollegin begleitet mich immer und sagt mir, was der nächste Programmpunkt ist. Natürlich ist das jetzt so die Hochphase, und da erntet man auch die Früchte für die lange Arbeit, die man in der Vorbereitung auf so ein Fest hat."

Yvonne Büdenhölzer begeistert sich schon immer für das Live-Erlebnis Theater. Als Schülerpraktikantin hat sie bei einem freien Theater in Köln Kabel aufgewickelt, lang ist’s her. Seit sieben Jahren leitet sie das Theatertreffen. Die Gäste kommen mittlerweile aus der ganzen Welt. Nächste Station: ein Kurs für kreatives Schreiben, sie begrüßt eine Theaterautorin aus den USA.

Gracie Gardner, Theaterautorin

"In New York zum Beispiel gibt es eine starke Tendenz  zum sehr klassischen, naturalistischen Theater. Und hier habe ich den Eindruck, dass alles offener ist für expressionistische, experimentelle Formen."

Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens

"Es kommen unglaublich viele internationale Theatermacherinnen und Theatermacher nach Berlin, um im Mai sich hier einen Überblick über das zeitgenössiche deutschsprachige Theater zu machen."

Am späten Nachmittag…

Gleich beginnt „Hotel Strindberg“ vom Wiener Burgtheater auf der Hauptbühne.

Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens

"Ich genieße die zweiten Vorstellungen eigentlich immer sehr, weil der Premierendruck schon abgefallen ist und die Schauspielerinnen und Schauspieler sich meistens sehr frei spielen."

Tja, und dann gibt es ja noch den Spielplan des eigenen Lebens, mit dem Klassiker „Familie und Beruf“.

Oh, da ist ja der Franz Rogowski…

1000 Hände schütteln in zwei Wochen? Nur manchmal hat sie einfach keine Hand frei.

Autor: Steffen Prell

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